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*** Blogging on Demand – das Konzert ***

Weißt Du, sagt der Kronsohn, Du könntest ja mal über den gestrigen Abend bloggen. Über das Konzert, frage ich und versuche den Blick von meinem Strickzeug zu lösen, bei welchem ich gerade mal wieder dabei bin, vier Reihen rückwärts zu stricken.

Ja, über das Konzert, bekräftigt der Sohn und sieht mich erwartungsvoll an. 

Nun ja. Warum eigentlich nicht? 

Also, das Konzert:

*** Schnitt – 10 sich überschlagende Tage später, seufz ***

Öhm, also das Konzert. 

Wir hatten also Karten für das Abschlusskonzert der Festspiele MV in der Konzertkirche Neubrandenburg. Aus mehreren Gründen. Einer davon ist die Neubrandenburger Konzertkirche selbst. Ich sag es Euch –  die Neubrandenburger Konzertkirche MÜSST Ihr erleben!

Jedenfalls stand uns dieses Konzert bevor. Die Musiker der Elbphilharmonie spielen Prokofiew und Schostakowitsch. 

Prokofiew und Schostakowitsch. Oh weh. 

Dazu kam erschwerend, dass der Kronsohn mit den Anfängen einer mittelschweren Erkältung kämpfte und wir außerdem Schmorkohl zum Mittag hatten – womit ich kämpfte. 

Aber wir WOLLTEN das Konzert. 

Also Prokofiew und Schostakowitsch.

Das ist keine leichte Kost. Das sage ich Euch. Deswegen hatte auch der Hausherr mich bereits zum Einhören gezwungen, indem er mich an den Stuhl fesselte und knebelte und mir die beiden Konzerte schon mal vorab vorspielte. – Nein Quatsch – natürlich nicht. Alles war völlig freiwillig und ungeknebelt. Und während zweier Angewöhnungsphasen hatte ich mir auch bereits Strategien überlegt, wie ich das Konzert überstehen könnte. Alle Musikliebhaber mögen mir verzeihen, aber zu den beiden Komponisten fehlte mir der Zugang. 

Und dann setzte das Orchester ein.

Vergessen waren alle Befürchtungen. Ich beobachtete die Musiker, wie sie mit Hingabe spielten, freute mich über die Pianistin, welche völlig in ihrer Aufgabe aufging. Und Sehen und Hören verschmolzen zu einem Erlebnis. Zwischendurch linste ich immer mal rüber zum Kronsohn. Aber auch der ließ kein Anzeichen von Schwäche erkennen. Kein Husten, Niesen, Schnauben. Mustergültig verfolgte er mit seinem Monokular das Konzert. An ihm hätten sich einige andere Konzertbesucher ruhig mal ein Beispiel nehmen können. Ich war so stolz auf ihn!

Und dann war schonnPause. Die Zeit war vergangen wie im Fluge. Prokofjew war überstanden und es war gar nicht schlimm. Um Gegenteil – alles war gut. 

Nach der Pause dann mein persönliches Highlight. In Schostakowitschs 5. Sypmhonie hatte ich mich schon ein bisschen besser eingehört und freute mich folglich darauf. Ich wusste, dass ich einige Stellen wiedererkennen würde  und war gespannt vor Erwartung. Ich wurde nicht enttäuscht. Die zweite Hälfte des Konzertes gefiel mir noch besser als die erste und ich freute mich darüber, dass ich mich auf diese beiden Komponisten eingelassen hatte.  Ganz am Rande überlegte ich, ob auch das Orchester am 2. Teil des Abends mehr Spaß hatte? 

Das allerschönste aber war, dass auch der Kronsohn Gefallen an diesem Abend hatte. Trotz Erkältung genoss er die Musik und war offen für das Neue. 

Sicherlich werden wir Schostakowitschs 5. in Kürze auch wieder auflegen und uns dabei an dieses Konzerterlebnis erinnern. 

Wenn Ihr also mal Gelegenheit habt, Schostakowitschs 5. Symphonie im Konzert zu hören – tut es, lasst Euch darauf ein. Es lohnt sich.

Und ich muss jetzt wieder zurück an mein Strickzeug. 

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