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*** Sie und er und die Musik ***

Sie beschließt, es wäre an der Zeit, mal wieder Saxophon zu üben.

Er legt sich ins Wohnzimmer für ein kurzes Nickerchen.

Sie übt sich quer durch die Ihr bekannten Tonleitern und übt anschließend brav wiederholend die Titel aus dem ersten Lehrbuch. Mal ohne, mal mit Begleitung. Und noch einmal und noch einmal und noch einmal.

Dann beendet sie die Übung und begibt sich ins Wohnzimmer. Als sie dort hereinkommt öffnet der Hausherr die Augen.

‚Oh‘ entschuldigt sie sich ‚Habe ich Dich geweckt?‘

‚Wieso geweckt?‘ fragt er mit einem tiefen Seufzer ‚Ich konnte gar nicht erst einschlafen.‘

*** Der Wahnsinn hat Methode ***

Es ist, wie es ist.

Gerade gestern weinte sich mein Saxophonlehrer wieder durch die Übungsstunde, als ich versuchte, den armen und wehrlosen Noten diverser Weihnachtslieder Leben einzuhauchen.

Heute nun übte ich ohne ihn äußerst tapfer eine halbe Stunde weiter.

Anschließend wollte ich dem Hausherren meine Fortschritte präsentieren –

Ha!

– allein, ich fand ihn nicht. Nun, zumindest nicht sofort. Nach längerem Suchen fand ich ihn im Keller. Das ist die maximal mögliche Entfernung zu meinem Saxophonübungsraum.

Und sein gequälter Blick sprach Bände. Kurzentschlossen änderte ich meinen ursprünglichen Plan und verkündete ihm, er könne jetzt wieder ins Wohnzimmer kommen, ich wäre nämlich fertig mit dem Quälen des Saxophons.

Es ist doch erstaunlich, wie man mit solch kleinen Gesten eine so große Freude auslösen kann.

. . .

Moooment!

Das bringt mich auf eine Idee.

Das hat Potential.

Ich könnte, wenn ich meinen gewünschten Herzschmerzliebesschnulzenschmalzfilm im Fernsehen nicht sehen darf – zack – einfach das Saxophon herausholen.

Ha!

Oder wenn er nicht mit mir ins Kino fahren will – na gut – dann übe ich eben Saxophon stattdessen.

Ha!

Oder ich könnte nach einer Erhöhung des Haushaltsgeldes fragen. Und wenn die nicht bewilligt wird – zack – hole ich das Saxophon heraus!

Ha!

Vom Leben lernen heißt siegen lernen.

Und jetzt entschuldigt mich bitte. Ich muss ein wenig Saxophon spielen . . .

*** Börxs ***

Eigentlich wollte ich ja heute etwas Schönes schreiben, wie zum Beispiel, dass wir zwar den Kronsohn seit Freitag mit Mittelohrentzündung zu Hause haben, es ihm aber aufgrund antibiotischer Keule schon wieder richtig gut geht. So gut sogar, dass ich ihn gestern zu Ablenkungszwecken an meinem Saxophon habe üben lassen. Woraufhin wir beschlossen, dass jetzt sogar öfter zu machen. Wir fassten sogar ein kleines Übungsstück ins Auge. Denn es ist so, dass er schon durchaus gern mit der Musik liebäugelt – wir haben nur noch nicht das passende Musikinstrument gefunden für ihn. Und warum soll er nicht mal das Saxophon probieren – zumal wir es im Haus haben. Bleibt zwar immer noch das Problem mit den Noten (von normalen Notenblättern wird er nie lesen können), aber es gibt ja schließlich sogar vollblinde Musiker. Muss er die Noten halt auswendig lernen. Aber erst einmal hatten wir gestern eigentlich nur den Spaß an der Freude im Hinterkopf.

Wie gesagt – eigentlich.

Uneigentlich sieht es so aus, dass der Ärmste uns heute Mittag mit einer Migräneattacke vom Feinsten überrascht hat. Und wir jetzt hoffen, dass sowohl Schmerzzäpfchen als auch Kotzzäpfchen möglichst umgehend ihren Dienst tun und es dem armen Kerl bald wieder besser geht.

Mist das ist.

 

*** Endlosschleife ***

Derzeit laufen hier zwei Versionen dieses Songs in Endlosschleife. Einmal diese hier:

Ganz laut aufdrehen bitte!

 

*Und dann meine persönliche, GästeNähbastelSaxophon-Zimmerversion. Ich gebe (ein ganz klein wenig deprimiert) zu, derzeit ist obige Version die bessere. 😉

Aber wenn ich groß bin, kann ich das auch genau so gut. Mindestens!

*schwör*

Ich geh‘ dann mal üben . . .

*** Du hast es schon wieder getan ***

. . . sagt der Saxophonlehrer, als ich das Instrument absetze.
Irritiert schaue ich ihn an und stelle fest, dass er die Arme vor der Brust verschränkt hat. Auch das Taktwippen des rechten Fußes hat aufgehört.

Herr – gib mir ein Zeichen – jetzt! WAS habe ich schon wieder getan? Ich ziehe fragend beide Augenbrauen hoch.

‚Hast Du es eilig heute? Musst Du noch weg? Zum Zug?‘

Ach so. Ach das. DESWEGEN hat er aufgehört, mit dem Fuß zu wippen – weil ich einfach im Verlaufe des Liedes immer schneller geworden bin.

Ooohhmm.

Also noch einmal. Jetzt ganz in Ruhe. Ich atme tief durch und beginne zu spielen, besonnen, gleichmäßig.

Dann unterbricht er mich mittendrin und zeigt auf einen Takt. Mist, das habe ich eben auch gehört, dass ich mich da verspielt habe.

Ich spiele den Takt erneut.

‚Falsch‘ sagt er und ‚Noch einmal bitte.‘

Ich spiele den Takt erneut.

‚Falsch‘ sagt er und ‚Noch einmal bitte.‘

Ich spiele den Takt erneut.

‚Falsch‘ sagt er und ‚Noch einmal bitte.‘ Und: ‚Das können wir jetzt den ganzen Abend so machen!‘

Da fällt es mir – endlich – auch auf. Auch das zweite C des Taktes ist ein Cis, auch wenn das Vorzeichen nur vor dem ersten C steht. Logisch. Eigentlich weiß ich das.

Eigentlich.

Und doch, auch wenn es gerade gar nicht danach klingt, aber Saxophon üben macht immer noch Spaß.

🙂

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*** Erstaunlich ***

Es ist schon erstaunlich.

Da übt Frau dieses eine Lied und es kling nicht.

Komisch.

Sie spielt es erneut. Sie übt und übt.

Aber es klingt nicht.

Da bei den tiefen Tönen, da passt was nicht.

Sie spielt zur Übungs-CD und auch da passiert es. Bei den tiefen Tönen.

Sie mustert ihr Saxophon.

Sie fixiert die Noten.

Und da fällt es ihr wie Schuppen von den Augen. Das ist gar nicht C- sondern G-Dur!

Und von da an fängt das Üben wieder an Spaß zu machen . . .

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*** Saxophonunterricht ***

‚Na, wie ist’s?‘ Der Saxophonlehrer entert den Raum ohne meine Zorneskurve auf der Stirn zu beachten. ‚Hast Du die Achtelnoten bezwungen?‘
Ich schweige.
‚Na, dann zeig mal, wie weit Du gekommen bist‘
Sein fröhliches Geplapper erstirbt, als er auf die aufgeschlagenen Noten auf dem Notenständer schaut. Das Notenheft ist aufgeschlagen bei -Spring comes-. Er zieht die Augenbrauen hoch und schaut mich fragend an.
‚Weißt du,‘ sage ich, ‚Weihnachtslieder werden doch total überschätzt!‘
‚Dieses Gefiepe!‘ Setze ich noch hinterher und beobachte mit vor der Brust verschränkten Armen seine Reaktion.

‚Ach komm,‘ sagt er, und: ‚Du wirst Dich doch davon nicht unterkriegen lassen. Guck mal, was Du bisher alles in der kurzen Zeit hinbekommen hast . . . ‚ Er lächelt motivierend.

‚Erinnerst Du Dich, was ich Dir vorgestern am Telefon erzählt habe?‘ So schnell gebe ich meinen Trotz nicht auf. ‚Bei Takt 25 habe ich die Noten erhängt, das Saxophon verbrannt und mich hinter den Zug geschmissen!‘

Aber er zuckt mit keiner Wimper. Stattdessen blättert er bis zu ‚Jingle Bells‘ grinst mich an und sagt: ‚Na los, lass mal hören!‘

*

45 Minuten später wissen wir folgendes: -Leise rieselt der Schnee- passt! Mit -Oh Tannenbaum- kann ich prima Ungeziefer verjagen. -Jingle Bells- geht nur ohne Playback. Und bei -The first Noel- komme ich nur bis zum Tonartwechsel.

*

Aber egal! Ich bin wieder stolz und motiviert und fühle mich für Weihnachten gerüstet.
Ich liebe mein Saxophon!
😀