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*** Sackgasse ***

Der deutsche Autofahrer ist in höchstem Maße individuell. Jeder fährt sein von ihm individuell gestaltetes Auto zu seiner individuell gewählten Musik zu einem individuell präferierten Ziel. Und jeder bewältigt die anstehenden Probleme auf seine Art. Erzielt dabei aber, dass muss ich hier anmerken, Lösungen wie sie die anderen vor ihm auch bereits exakt so gefunden haben.  Identisch. Einheitlich.

Nämlich: Ein Sackgasse ist eine Sackgasse ist eine Sackgasse!

Folgendes Szenario:

In einem mittelgroßen Dorf wird die Hauptstraße gesperrt, um den Straßenbelag zu erneuern. Anwohner wurden rechtzeitig informiert. Es gab eine Bürgerversammlung in welcher die einzelnen Bauphasen und die jeweiligen Umleitungskonzepte vorgestellt wurden. Dies alles in deutscher Gründlichkeit. Heißt: Wir sind vorbereitet und wissen, wann wir unseren Hof verlassen können oder auch nicht, wann wir welche Strecken fahren können oder auch nicht.

Pech nur, dass all die von weiter her Durchreisenden von diesen vorbereiten Maßnahmen nichts mitbekommen konnten. Für diese ergibt sich jetzt das übliche Baustellenszenario. Irgendwann während ihrer Fahrt wird auf der Strecke die Baustelle und die Umleitung ausgewiesen (teilweise sehr, sehr weit vorher) aber es wird weiter gefahren. Man kennt ja erstens diese Strecke nicht und zweitens sagt einem das Navi man möge doch bitte weiterfahren. Also fährt man weiter.

Und an dieser Stelle komme ich ins Spiel. Ich sitze nämlich derzeit am Anfang der Baustelle. Vor dem Baustellenschild zweigt ein Weg ab, als Sackgasse ausgewiesen. Und hier landen jetzt alle diese armen, fehlgeleiteten Autofahrer. Vor dieser Baustellenabsperrung mit dieser eine Umgehung verheißenden Seitenstraße. Weil ihnen ihr Navigationssystem hier nun ein mittleres, strukturiertes Wohngebiet zeigt, gehen diese Autofahrer logisch davon aus, dass dieses Sackgassenschild (so sie es gesehen haben) ein Fake ist und sie schon irgendwo wieder einen Ausweg auf die Bundesstraße finden werden. Vorzugsweise hinter der Baustelle.

Nun, das werden sie nicht. Dieses hier ist tatsächlich eine Sackgasse. Eine größere, das gebe ich zu. Eventuell ist es sogar eine Sacksiedlung. Aber in diese Siedlung hinein und hinaus zu kommen gibt es nur einen Weg. Diesen hier vorn, an mir und an der Baustellenabsperrung vorbei. Es nützt also nichts, hier hineinzufahren. Es sei denn man wohnt hier, aber das tun die wenigsten.

Also beobachte ich (nicht, dass ich nichts anderes zu tun hätte) Autofahrer mit den verschiedensten Kennzeichen, wie sie unsere nun ja mittelhübsche Sacksiedlung besichtigen. Erst rein, ein wenig herumirren und suchen und dann wieder heraus. Rein, raus.

Ich spiele nun mit dem Gedanken, mir vorm Tor ein kleines Hüttchen einzurichten. Dort könnte ich freundlich Saft, Wasser, Tee, Kaffee und Kekse kostenlos und Umleitungspläne zu 2,50€ das Stück anbieten.

Am Ende der Woche wäre ich dann wahrscheinlich Millionär. Ich sollte dann mal Tee kochen gehen.

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