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*** Drama ***

Drama im hohen Norden.

Da völlig überraschend fast übermorgen schon Advent und quasi hinterher sofort Weihnachten ist – fiel Frau Spätlese gestern aus allen Wolken und stellte fest: Es muss gebacken werden. Wie konnte sich dieser Zeitpunkt nur wieder einmal so völlig heimlich und hinterrücks heranschleichen?

Und zwar muss gebacken werden:

Stollen (muss mindestens 2 Wochen ruhen vor dem Anschneiden)

Lebkuchen (muss mindestens 2 Wochen ruhen vor dem Anschneiden)

Braune Pfeffernüsse (müssen mindestens 2 Wochen ruhen vor dem Anbeißen)

Huch.

Also stürzte Frau Spätlese in den örtlichen Supermarkt und erlitt dort einen Quasi-Herzinfarkt, weil die Fächer mit den Zutaten für das Weihnachtsbackwerk geradezu leergefegt waren. Gerade konnte sie noch Hirschhornsalz und Lebkuchengewürz und Orangeat ergattern, aber schon bei Pottasche und Zitronat und Früchtemix und sogar Puderzucker (Hallo? Puderzucker?) verließ sie ihr Glück.

Drama. Es wird keinen Stollen und keine Lebkuchen und keine braunen Pfeffernüsse geben dieses Jahr.

Schweren Herzens schob sie all ihre Büroarbeit weit von sich weg und sattelte zur Sicherheit alle verfügbaren Pferdestärken (es muss ja schnell gehen – also zur Sicherheit ein paar mehr!) und machte sich auf den nächst größeren aber weiter weg gelegenen Supermarkt ihres Vertrauens.

Dort erbeutete sie mehrere Familiengroßpackungen Mandeln (ungeschält) und Rosinen (noch ohne Rum). Sie sicherte auch Zitronat und Früchtemix und einen großzügigen Vorrat an Puderzucker.

Allein – wo ist das Regal mit den Weihnachtsbäckereizutaten? Auch schon weg, dieses Jahr?

Drama!

Aber glücklicherweise erinnerte sich Frau Spätlese daran, dass sie einen Mund zum Fragen hat und Verkäuferinnen üblicherweise Ohren zum Hören und einen Mund zum Antworten haben. Es dauerte auch gar nicht lange und viele Minuten, bis sie endlich eine Verkäuferin fand und den richtigen Weg gewiesen bekam.

(Diese blöde Umsortiererei der Regale aber auch immer, kaum hat man sich mal daran gewöhnt, wo etwas steht – zack, steht es im nächsten Jahr ganz woanders.)

Jedenfalls konnte sie nun auch noch Pottasche in das Körbchen tun und mit siegessicherer Miene nach Hause fahren.

Dann noch einen Vormittag die Büroarbeit ganz nach hinten schieben und die schicke neue rot-weiße Küchenschürze umgehängt und aus diesem unsortierten Haufen (jedenfalls Teilen davon)

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Dieses hier gezaubert:

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Und damit Ende vom Drama!

Uff.

(P.S. Und jetzt, wo das so lieblich duftet hierm freut sie sich schon ein ganz kleines bisschen auf das Dekorieren in zwei Wochen . . . gnihihi.)

*** Haushaltstipp Nr. 16 ***

Nachdem nun lange Zeit genug im Haus die weihnachtlichen Gerüche nach Zimt und Lebkuchen vorherrschen durften, braucht die perfekte Hausfrau schon einen besonderen Trick, um diese Gerüche dauerhaft (zumindest bis zum nächsten Advent) zu entfernen.

Eine besonders empfehlenswerte Methode ist hier das Kochen eines Kohlgerichtes (als Vorschlag hier Krautgulasch). Es genügt auch das schnelle Aufwärmen eines solchen Gerichtes. Um die Wirkung deutlich zu erhöhen, sollte unbedingt auf häufiges Umrühren verzichtet werden. Der duftende schwarze Bodensatz, der sich bereits nach wenigen Minuten bildet, vertreibt selbst den hartnäckigsten Lebkuchengeruch aus Küche, Wohnzimmer und dem restlichen Haus.

*** Qualitätskontrolle Lebkuchen ***

Für alle diejenigen, welchen es nicht möglich ist, sich ein Stückchen von dem leckeren Lebkuchen aus unserem Hausanschlussraum vom oberen Schrank zu holen. 😉

Für 1 Blech benötigt Ihr:

250 g Honig
125 g Zucker
125 g Sirup
125 g Butter

Dieses musst Ihr erwärmen, bis es eine ‚Suppe’ ist (nicht zu heiß und auf keinen Fall
kochen) & anschließend auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.

750 g Mehl
1 Esslöffel Kakao
1 Ei
1 Päckchen Lebkuchengewürz

Diese trockenen Zutaten tut Ihr in eine große Schüssel und anschließend die abgekühlte Masse mit Ei dazu und dann langsam einarbeiten.

5 g Pottasche & 5 g Hirschhornsalz in etwas Rum auflösen

Auch dieses unter die Masse verrühren & kneten

Und jetzt alles kneten, kneten, kneten und nochmals kneten. Je mehr und besser Ihr knetet umso homogener wird die Masse.

Lebkuchenteig

Lebkuchenteig

Nun könnt Ihr alles eine Nacht im Kühlschrank. Zwei schaden aber auch nix. So zieht es gut durch.

In der Zeit macht Ihr Euch auf die Suche nach Quittenmarmelade und Marzipan – welches Ihr beides für die Füllung braucht. Pech für Euch, dass Ihr an die weltbeste Quittenmarmelade der Schwiegermutter auch nicht kommt – da müsst Ihr jetzt kreativ sein und einen passenden Ersatz finden. (Mehr cremig als wässrig und nicht zu süß!)

Dann kommt der fisselige Teil der Übung.

Die kalte Masse müsst Ihr am nächsten Tag wieder warm kneten – damit Ihr sie ausrollen könnt. Ihr müsst aus dieser Masse 2 Teile ausrollen. Jedes 4 mm dick in Backblechgröße.

Nun schichtet Ihr die Geschichte wie folgt auf das Backblech:

Zuerst 4 mm Lebkuchen dann die Füllung wie folgt:

Anschließend Marzipan dünn ausrollen
obendrauf 450g Quittenmarmelade

dann wieder 4mm Lebkuchen
Wir backen das Ganze backen bei 160°C bis 170°C Dauer 25 min
Wobei ich darauf hinweisen muss, dass das IMMER ofenabhängig ist. Greift also bitte immer auf Eure Erfahrungswerte mit Eurem eigenen Herd zurück.

Ganz wichtig: Nach dem Backen IM geschlossenen Ofen auskühlen lassen – damit er nicht zusammenfällt.

Nun tütet Ihr den Lebkuchen ein und lasst ihn 10 Tage ruhen (und haut allen auf die Finger, welche so frech sind, da vorher schon von zu naschen!)

Jetzt kommt der leckerste Teil der ganzen Aktion: Das Schokolieren!

Nehmt bitte Edelkuvertüre und verdünnt sie je nach Gusto mit Kakaobutter – je nachdem wie dick Ihr die Schokoschicht haben wollt. Das Mengenbedürfnis hierzu lässt sich ganz, ganz schwer abschätzen. Das hängt nämlich von der Art der Kuvertüre und von der Menge der verwendeten Kakaobutter ab. Wir persönlich haben gestern (wegen dieser Mengenangabe konnte ich den Artikel erst heute schreiben – sonst kauft Ihr nachher einen Pack Kuvertüre und schimpft mit mir, dass der nicht im Geringsten reicht) nämlich 3 Packen Kuvertüre (je 150 g) mit 1 gehäuften Esslöffel Kakaobutter vermenguliert (nach dem Schmelzen natürlich) und haben nur die Hälfte der Würfel schokolieren können. Heißt also: noch einmal 3 Packen kaufen . . .

Dann darf eine Vertrauensperson Eurer Wahl (sie sollte sehr, sehr satt sein) den Lebkuchenteig in Dominostein-übliche Größe schneiden – und die einzelnen Würfel in die Kuvertüre tunken (welche Ihr selbstverständlich nach Anleitung erst erwärmt, dann abgekühlt und anschließend wieder auf die angegebene Temperatur erwärmt habt. – Habt Ihr doch – oder?)

Dominosteine

Dominosteine

Jetzt noch erkalten und fest werden lassen und gut vor dem Rest der Familie an einem nur Euch bekannten Ort verstecken.

So dass Ihr in der Advents- und Weihnachtszeit immer ein kleines Leckerli zur Hand habt.

Kurzer Tipp am Rande: Es ist wirklich gut, die Kuvertüre so dünn wie möglich aufzutragen – sonst wird das nämlich zu süß und zu mächtig und man mag die Dinger nicht wirklich gern essen. Aber so eine dünne, dünne, dünne knackige Kakaoschicht und darin der Lebkuchen mit der saftigen Marzipan/Marmeladeschicht – hmmmm . . . *MomentichmussmalkurzandenSchrankgehen-Qualitätskontrolle . . .*

*** Qualitätskontrolle ***

WAS? IST? DAS?

Der Hausherr stemmt entrüstet die Arme in die Seiten und deutet auf das Backblech mit dem darauf abkühlenden Lebkuchen. Ganz links vorne, fehlt ein winziges Eckchen. Deutlich kann man die Messerspuren sehen. Nur ein paar Krümelchen deuten auf einen kürzlichen großen aber verlorenen Kampf hin. Da Leugnen hier zwecklos ist, kann Frau Spätlese nur bei der Wahrheit bleiben. Sie nickt in Richtung fehlender Lebkuchenecke und sagt völlig selbstverständlich „Qualitätskontrolle!“

Logisch – oder?

Aber der Hausherr lässt sich nicht besänftigen. ‚Nix Qualitätskontrolle. Das geht so nicht. Der muss noch reifen. Der schmeckt noch gar nicht.‘

„Hast Du eine Ahnung! Der ist jetzt schon sooo lecker.“ Antwortet Frau Spätlese und greift wie nebenbei nach dem Messer.

Wag‘ es nicht! Der Hausherr wird energisch. Und während er den Lebkuchen eintütet und zum Reifen im Hausanschlussraum oben auf den Schrank legt, brummelt er vor sich hin. So was aber auch. Der muss doch noch reifen. Der schmeckt doch noch gar nicht. Wenn ich das mit deinem Stollen gemacht hätte . . .

Als er grummelnd zurück in die Küche kommt, muss Frau Spätlese bereits aufpassen, dass sie vor Lachen nicht platzt. „Du weißt, dass ich da hoch komme?“ Und deutet auf das Lebkuchenversteck.

 
Lebkuchen
Lebkuchen

Wag‘ es nicht! Sagt der Hausherr.

*** Alle Jahre wieder . . . ***

Ich hab heut für unseren kleinen Haushalt ein paar Besorgungen erledigen müssen. Es kocht sich halt schlecht, wenn einen aus dem Kühlschrank die Mäuse mit rotgeweinten Augen anschauen. Und außerdem mach ich das ja auch gern. Mal raus aus dem Haus. Unter Leute kommen und sei es nur zu kommerziellen Zwecken ohne dass ein Paar Schuhe abfällt. Aber ich schweife ab . . .

Jedenfalls wehte draußen ein laues Lüftchen, dass Thermometer zeigte fröhliche 21°C. Kaum ein Wölkchen am Himmel. Eigentlich ein erstaunlich schönes Wetter für Mitte September. Aber zurück zum Thema. Ich verzichtete auf eine Jacke und radelte kurzärmelig zum Supermarkt meines Vertrauens.

Und dort hat es mich eiskalt erwischt.

Lebkuchen, Stollen, Spekulatius.

Uuaaarrghh . . .

Ich meine, ich liebe dergleichen. Ehrlich. Ich kann mir im Advent nichts schöneres vorstellen, als in der warmen, heimeligen Butze in ein weiches, wehrloses, aromatisches Lebkuchenstück zu beißen.
Aber bitte, wir haben SEPTEMBER! Hallo, es ist IMMERNOCH SOMMER! Auch wenn wir irrtümlicherweise einen ‚WirverabschiedenfastdenSommerundfreuenunsaufdenNächsten-Abend‘ hatten. NOCH ist Sommer.

Aber:

Immer wieder jedes Jahr, dieses Drama im September.

Und wenn ich dann Ende November loslaufe und solches Zeugs kaufen will,  weil der Advent vor der Tür steht, dann sind die besten Sachen schon weg.

Wmpf.