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*** Psssst ***

Kommen Sie mal ein bisschen dichter. Ich muss Ihnen was verraten.

Noch ein bisschen dichter.

Ja -so.

Pssst.

Ein Trick.

Wenn Ihnen zwischendurch mal nach einen bisschen Ruhe ist und Sie nicht immerzu Ferienanimatöse in Vollzeitstellung für das Kind sein wollen – dann fragen Sie es einfach mal ganz beiläufig nach den Hausaufgaben. War da nicht ein Gedicht zu lernen, über die Herbstferien? Wie weit bist du denn schon?

Hab ich ausprobiert – funktioniert prima!

Sofort ist das Kind ausser Reich-, Sicht- und Hörweite. Und Sie können ganz entspannt tun, was immer Sie tun müssen.

Und sobald sich die Kinderzimmertür auch nur einen winzigen Spalt öffnet – rufen Sie laut durch die ganze Wohnung: ‚Willst Du mir das Gedicht jetzt aufsagen?‘ Und sofort wird eben diese Tür ganz leise und sanft wieder geschlossen werden ohne dass das Kind das Zimmer verlassen hat.

Probieren Sie’s aus!

🙂

*

P.S. Dabei sind die acht Strophem vom Erlkönig ja nun wirklich läppisch!

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*** Väterliche Organismen ***

Väterliche Organismen stehen nach einer solchen Nacht morgens um 7:00 Uhr in Sportkleidung auf der Matte, mit verständnislosem Blick und fragen: ‚Aber wir drei haben uns doch für heute früh zum Laufen verabredet?‘

Wie bitte?

Dabei stellen sich mir zwei Fragen:
1. Wo war der Mann heute Nacht?
Und zweitens, das scheint mir die wichtigere Frage zu sein: Wer lag dann heute Nacht neben mir?

*** Mütterliche Organismen ***

Mütterliche Organismen funktionieren.
Immer.
Auch mitten in der Nacht, wenn der Geist sich gerade wunderschön in die Watte der ersten Tiefschlafphase begeben hat.
Sobald leise schlurfende Kinderfüsschen zu hören sind und ein leise gehauchtes ‚Mama mir ist schlecht und im Bett ist auch schon was.‘
Dann nämlich schaltet das mentale Triebwerk von Null auf Hochleistung und der mütterliche Organismus wäscht das Kind, tröstet das Kind, wäscht das Bettzeug,tröstet das Kind, organisiert ein neues Bettzeug, tröstet das Kind, findet in den Tiefen des Arzneischrankes das letzte Zäpfchen gegen die auslösenden Kopfschmerzen, tröstet das Kind, bringt es wieder ins Bett, stellt eine Schüssel dazu und liegt danach stundenlang wach, um auf verdächtige Geräusche aus dem Kinderzimmer zu horchen.

Bäääh!

*** Kochen mit Gewürzen ***

Ich bin eigentlich von Haus aus jemand, der unheimlich gern mit ‚Eigengeschmack‘ kocht. Leute, die mit beiden Händen in das Gewürzfach greifen und anschließend ein Essen präsentieren, welchem man sich nur mit einem anständigen Feuerwehrschlauch nähern darf, sind mir schlicht und einfach suspekt.

Nun bin ich deswegen zwischenzeitlich oft genug gerügt worden. Und das hat auch Spuren hinterlassen. Auch wenn ich sonst ziemlich stur sein kann . . . 😉
Also greife ich nun auch gelegentlich in das Gewürzfach. Wenn ich mal mutig bin, auch etwas energischer und wenn ich übermütig bin auch schon mal ohne mit dem Teelöffel abzumessen . . . Ich wachse quasi über mich hinaus. Was das Würzen angeht. Zur Zeit.

Das Ergebnis eines Aus-dem-Handgelenk-mit-Paprika-würzen-Kochvorganges kann dann schon mal eine Soße entstehen, bei welcher der Sohn um Gnade bittet.

Originalton: „Papa, muss ich aufessen? Mich hat es besonders hart erwischt!“

(Ich hatte dem armen Kerl ZWEI statt wie uns anderen einen Löffel Soße aufgefüllt – Kinder BRAUCHEN schließlich Soße!)

Jedenfalls verwenden wir die restliche ‚Soße‘ jetzt als Würzpaste. Teelöffelweise!

*** Alles ist wie immer ***

Da isser wieder, der Kronsohn.
In den 4 Tagen Auszeit bei der Oma war dieses traute Heim hier irgendwie herrlich ruhig. Man verstand sein eigenes Wort. Es lagen kaum Krümel unter dem Tisch. Es lagen keine Kronsohnsachen irgendwo herum, hach ja.

Und gerade eben rannte ein frisch geduschter Elfjähriger vor Vergnügen laut quietschend aus dem Bad. Bestimmt klingeln demnächst die Nachbarn und fragen, ob bei uns noch alles in Ordnung ist.

Ist es das? Ich bin nicht sicher.

Unser Kronsohn hat nämlich vorhin sogar den Abendbrotstisch gedeckt. ALLEIN, aus freien Stücken, eigenem Antrieb, wie auch immer. Mit WEIßER Tischdecke, und obendrauf lustiger OSTER-Tischdecke. Und er hat sogar eine Mandarine geschält und aufgeteilt und Physalis auf den Tisch getan. Und es fehlte quasi auch nichts sonst weiter.

Ist das MEIN Sohn, den ich da nach Haus bekommen habe?

Ich muss gleich noch einmal mit meiner Mutter telefonieren.

(Aber pssst, wenn ich drüber nachdenke, find ich’s toll. Das könnte ruhig noch ein bisschen anhalten. Freu und ganz doll Daumen drück dafür!)

*** Und gebe mir mein täglich Mantra ***

ooohhhhmmm – ich bin gaaaaaanz ruuuuhiiig – ooooohhhhhhmmmmm

Vorhin vorm Frühstück:
Unser Krohnsohn ist in seinem Mathematikunterricht inzwischen in die Wunderwelt der Quadratzahlen vorgedrungen. Hausaufgabe von GESTERN zu HEUTE: mal eben die ersten  Quadratzahlen (von 1 zum Quadrat bis 20 zum Quadrat) auswendig lernen.

Aber das machen wir doch gern.

Die von 1 bis 10 kennen wir aus dem kleinen Einmaleins. Bleiben uns also nur die von 11 bis 20. Dafür eine kleine Eselsbrücke für das Kind: 11 hoch zwei kriegt man schnell raus mit 110 + 10 + 1. Analog alle anderen Zahlen . . . (12 hoch zwei = 120 + 20 + 4) uswusf . . .

Soweit die Vorgeschichte.

Heute früh vorm Frühstück kontrollieren wir während des Tischdeckens ob auch alles so klappt wie gestern einstudiert . . .
Und alles suuuupeeeer  – bis 15 hoch zwei kein Problem.
Aber dann.

Hausherr: „Ok, bis hierhin. Weiter: was ist 17 zum Quadrat?“
Krohnsohn leiert brav: „170 + 70 + 49.“
Hausherr: „Prima, und ausgerechnet?“
Krohnsohn: „ . . . „
Hausherr: „Na?“
Krohnsohn: „ 170 + 70 + 49 = 279?“
Hausherr: „Nein, falsch. Was ist 17 zum Quadrat?“
Krohnsohn (etwas lauter und deutlich betonter) : „279!“
Hausherr (etwas lauter und deutlich betonter) : „NEIN, FALSCH. WAS IST 17 ZUM QUADRAT?“
Krohnsohn (sehr laut, sehr langsam und sehr deutlich): „ 2 7 9, VERTRAU MIR!

Jedenfalls haben wir es dann irgendwie geschafft ihn zu überzeugen, dass er sich um eine klitzekleine Zehnerstelle vertan hat. Ufff.

DAS! Nenne ich Selbstbewustsein.

*** Gemeinsamer Unterricht ***

Ich hab es Euch ja hier versprochen, und jetzt komme ich dazu, Euch zu erzählen, wie es unserem Sohn so als ‚Besonderheit‘ an der Regelschule ergeht. Welche Anregungen des ISAR-Projektes ich von meinem Seminar bisher tatsächlich umgesetzt habe und was die Lehrer zu der neuen Herausforderung sagen.
Anlass hierfür waren die Eltern-Lehrer-Gespräche am Donnerstagabend.

Kurz zur Erinnerung: Nach den ersten zwei Wochen ohne Integrationshelfer (und folglich OHNE Bildschirmlesegerät in den Fachräumen) hatte ja unser Kerlchen schon resigniert und aufgegeben, sich geweigert den Ranzen überhaupt auszupacken und gleichzeitig die Lehrer mit sonstigen störenden Geräuschen zusätzlich begeistert.

Unsere Regionale Schule bot nun, nach 10 Wochen Schule an diesem 12. die Möglichkeit, mit den zuständigen Fachlehrern der Kinder zu sprechen. Also haben wir im 20-Minuten-Takt immer wieder die folgenden Fragen gestellt:

1.) Wie kommen Sie mit den besonderen Anforderungen im Allgemeinen und unserem Sohn im Besonderen klar?
2.) Sehen sie Probleme, was seine Aufnahme- und Lernfähigkeit betrifft?
3.) Gibt es etwas, was wir vom jetzigen Zustand ausgehend noch besser machen können?
4.) Gibt es etwas, was das Kind vom jetzigen Zustand ausgehend noch besser machen könnte? (O.K. zugegeben, dass ist eine SAUBLÖDE Frage. Es gibt immer GENÜGEND Sachen, die ein Schüler aus Sicht des Lehrers besser machen könnte!) Hab‘ ich jetzt auch gelernt und frag ich bestimmt nicht wieder danach.

Jedenfalls haben sich die Lehrer jetzt im Großen und Ganzen schon daran gewöhnt, dass des Kindes Arbeitsblätter bitte auf hellblau (weniger Blendeffekt als bei weißem Papier) und in großer Schrift (Arial 16) vorzulegen sind. Dass er in Arbeiten und Leistungskontrollen soviel Zeit bekommt, wie er benötigt – auch in Pausenzeiten herein- wird angemessen angewendet.
„Unsere“ Integrationshelferin, die dem Krohnsohn den Technikpark durch die Gegend schleppt, diesen auf und wieder abbaut, losläuft um zu kleinschriftige Arbeitsblätter auf die benötigte Größe zu kopieren und im Unterricht und bei Arbeiten neben ihm sitzt  wird teilweise sogar freundlich begrüßt. Sie ist eine Entlastung für die Lehrer. (Und welcher Lehrer wünscht sich keine Entlastung?)

Von all den Kleinigkeiten ringsumher, für die wir als Eltern Sorge tragen (extra Schreibpapier mit dickeren Linien und größeren Zeilenabständen und größeren Kästchen, farblich abgesetzte Geodreiecke und Lineale, dick schreibende und nicht verschmierende Stifte) davon war gar nicht die Rede. Und auch erst recht nicht davon, dass wir nachmittageweise neben dem Kind sitzen und ÜBEN!

Muss vielleicht auch nicht erwähnt werden. Schön war zu hören, dass die Lehrer zwischenzeitlich an unseren Sohn glauben und sich und ihm zutrauen, mit diesen Hilfen angemessen durch die Schule zu kommen.

Naja, aber einen Knackpunkt gab es doch. Die Disziplin! Unser Kind schaltet im Unterricht manchmal ab und träumt, es stört manchmal mit Erzählen die Klasse und im Werkunterricht macht es ihm vielmehr Spaß an der Werkbank zu sägen als am Werkstück . . .

Ähem, jaaaa, sicherlich . . .

Wir haben ja auch nur gesagt, dass er entsetzlich schlecht sehen kann. Mehr nicht. Ansonsten ist er ein normaler Junge.

Hurra!!!