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*** Meuterei ***

Fröhlich betrete ich den Stall und begrüße meine bunte Hühnerschar. ‚Puuut putt putt putt – guten Morgen ihr Lieben, es gibt Frühstück‘ locke ich und klappere mit dem Futtertrog. Dieses ist ein unwiderstehliches Geräusch für meine kleinen gefiederten Freunde. Oft können sie es gar nicht abwarten, bis das Futter im Trog ist und springen mir schon  vorher auf die Futterschüssel.

Allerdings nicht heute. Es herrscht Grabesstille im Stall. 

Nanu?

Ich locke erneut. ‚Tupfenlola! Kuschelhuhn! Es gibt Frühstück. Wo seid Ihr?‘

Nichts rührt sich. Ich bekomme keine Antwort. Das wird mir jetzt aber ein bisschen komisch. Ich schaue um die Ecke in Richtung Nachtkackbrett. 

Und dort sitzen sie. Tupfenlola, Kuschelhuhn, Althuhn, Fredhuhn. Und der Hahn. Und alle schauen mich mit stiller Verachtung an.

‚Nanu,‘ sage ich ‚welche Laus ist Euch denn über die Leber gelaufen? Seit wann freut Ihr Euch nicht über das Frühstück? Ich habe heute auch wieder ein paar Sonnenblumenkerne und Nüsse dabei.‘

Die Hühner verdrehen ob meiner blöden Fragerei die Augen, Tupfenlola dreht sich demonstrativ um und zeigt mir ihr flauschiges Hinterteil. Fast klingt es, als ob der Hahn genervt seufzt.

Natürlich ist es eine saublöde Frage. Natürlich weiß ich, was sie wollen. Sie wollen raus! Oh nein, Moment, das ist so nicht korrekt. Richtig muss es heißen: SIE.WOLLEN.RAUS! Verdammt noch mal. Diese blöde Stallpflicht dauert jetzt schon  11 (!) Wochen. Und langsam geht das hier aber auch wirklich jedem auf die Ketten. 

11 Wochen nur Stall und der kleine Volierenbereich. Dort ist alles schon zum hundertsten Male umgegraben und durchsucht, während nebenan auf der anderen Seite des Zaunes leckerstes grünes Gras wächst. 

Jetzt sitzen sie nun hier auf der Stange. Gelangweilt, resigniert, frustriert und verstehen die Welt nicht mehr. Aber soll ich ihnen allen Ernstes erklären, dass Sie in Stall und Voliere sicher sind, wenn die Vogelgrippe sogar in geschlossenen Ställen ausbricht, weil sie da angeblich durch die Lüftung gekommen ist? 

Soll ich ihnen allen ernstes erklären, dass sie eingesperrt bleiben müssen, obwohl wir nicht einmal innerhalb einer Vogelflugroute wohnen? 

Macht das alles Sinn? Und wenn ja, welchen? 
Mir geht so vieles durch den Kopf, während ich ihnen ihr Futter einfülle. Dann greife ich mir das Kuschlhuhn und verpasse ihm ein paar Streicheleinheiten, bevor ich es an den Futtertrog lasse, an welchem sich die anderen mittlerweile schon gütlich tun.

Da hilft nix. 

Wir müssen da durch. Ob Sinn oder Unsinn. Ob mehr oder weniger schlecht verhüllte Repressalie. Wir müssen da durch.

Aber aufgeben werden wir nicht. Das verspreche ich meinen Hühnern. Und dann werfe ich ihnen noch ein paar Rosenkohlblätter in die Voliere. Wenigstens ein bisschen Grün.

*** Goldene Eier ***

Weil ja nun schon wieder einmal Ostern ist, dachte ich mir, ich singe einfach mal ein Loblied auf unsere Hühner.

Haben die ja auch irgendwie verdient.

Ich habe derzeit 5 Hühner und einen Hahn. Ich hatte auch schon mal nur Hühner und keinen Hahn – aber mit Hahn sind die Hühner einfach glücklicher. Also haben wir einen Hahn. Unser Hahn heißt Spatzi und passt sehr gut auf seine Hühnerdamen. Auf. Also ich meine, er passt sehr gut auf seine Hühnerdamen auf, die da heißen weißes Althuhn, braunes Kuschelhuhn, Tupfenlola, großes beklopptes Huhn und kleines beklopptes Huhn.

Jeden Morgen sammle ich die hinterwärtigen Abfälle vom Kackbrett und gucke, dass auch auf dem Stallboden keine Tretminen herumliegen.

Auch der Hühnerhof wird abgesammelt. Hygiene ist wichtig. Wenn ich mich dabei in gebückter Haltung über den Hof bewege, springt Tupfenlola mir auf den Rücken, puschelt kurz an meiner Pudelmütze und springt, nachdem sie alles für in Ordnung befunden hat, nach einer Minute wieder herunter. Das braune Kuschelhuhn wird jeden Morgen auf den Arm genommen und dann erzählen wir uns, wie der vergangene Tag so war. Dabei lässt sie ganz entspannt die Beine baumeln, während ich ihr vorsichtig über das Gefieder streichle – auf gar keinen Fall soll eine Feder geknickt werden.

Ich werde dabei mistrauisch von Spatzi beobachtet – schließlich sind es seine Hühner. Da sich die Hühner aber nicht beschweren, sieht er keine Veranlassung einzugreifen.

Jeden Morgen füttere ich meine Hühner. Sie bekommen einen Mix aus geriebenen Äpfeln / Möhren und zerstampften Eierschalen und Grit und Haferflocken und gekochten Kartoffeln. Bei den Kartoffeln gebe ich mir besonders viel Mühe. Ich habe mir vieles zusammengelesen und glaube jetzt, dass Zwiebeln und Knoblauch gut sind für die Darmhygiene bei Hühnern. Ebenso Chili (in Maßen) und Thymian. Außerdem soll Mohn gut sein gegen Durchfall. Außerdem gebe ich immernoch einen großen Anteil Möhren dazu – um das ganze etwas aufzulockern. Wenn ich jetzt also die Kartoffeln koche für mein Hühnerpack, riecht es im Keller, als ob wir irgendetwas außerordentlich Leckeres  für uns selbst kochen. Meine fetten Hühner danken es mir. Sie lieben dieses Futter. Alle 5 Tage muss ich Kartoffeln kochen und stampfen.

Außerdem hängt im Stall ein Futterautomat mit Weizen. Quasi als Notreserve, wenn das Weichfutter draußen alle ist und meine Lieblinge am Verhungern sind. In diesen Futterautomat fülle ich pro Woche ungefähr 3 kg Weizen.

Für all diese liebevolle Zuwendung legen mir meine Hühner im Schnitt so drei Eier pro Tag. Im Winter weniger, im Sommer mehr. Je nachdem. Geld verdienen kann ich mit den Eiern nicht. Aber ich habe das außerordentliche Glück wohlschmeckende Eier von glücklichen Hühnern essen zu können.

Wohlschmeckende, vergoldete unbezahlbare Eier von meinen glücklichen Hühnern.

Danke, meine Lieben.

  

*** Egon, wir brauchen einen Plan! ***

Heute ist also der Tag, an welchem die Hühner gelernt haben, dass das Tor zum Hühnerhof für sie keine Hürde darstellt. Es kann nämlich problemlos überflogen werden.

Das stellte die Frau fest, als sie das braune Kuschelhuhn und Tupfenlola in den Johannisbeerbüschen einfing und auf den Hühnerhof bugsierte.

Das stellte der Hausherr fest, als er den Hahn, das weiße Althuhn und das braune Kuschelhuhn aus der Hecke fischte und auf den Hühnerhof bugsierte.

Maßnahme der Stunde war also, das Eingangstor um eine Kükendrahthöhe zu verstärken. Den winzig kleinen Moment, den der Hausherr brauchte, um den Kükendraht aus dem Keller zu holen, nutzten Tupfenlola, der Hahn, das braune Kuschelhuhn und das weiße Althuhn um erneut das Weite zu suchen. Glücklicherweise ist der Schradder unter den Johannisbeerbüschen interessant genug um die Hühner in der Nähe zu halten.

Und noch während wir den Kükendrahlt installierten und die Fluchtmöglichkeit somit erheblich verringerten, inspizierte Tupfenlola eindeutig und nachdenklich den restlichen Zaun um das Hühnergelände.

Man konnte fast sehen, welche Gedanken ihr durch ihren Hühnerkopf gingen: ‚Mist! Alles so hoch! Da kommen wir nie darüber. Egon, wir brauchen einen Plan.‘

*** Leichte Tage – schwere Tage ***

Wer Hühner hält . . .

. . . muss schlachten können.

Erstaunlicherweise lernte ich diesen Spruch erst viel später nach der Anschaffung meiner Hühner kennen. Denn zu Anfang ist immer alles gut. Es ist genau die richtige Anzahl von quickebendigen, gesunden, glücklichen Hühnern auf dem ausreichend großen Hof unterwegs.

Wer Hühner kennt, weiß, dass das nicht so bleibt. Entweder es sind plötzlich viel zu viele (Oh weh – der arme Rasen und wer soll all die Eier essen?) oder aber es geht einem Huhn nicht gut, oder aber (und das ist noch viel trauriger) es stellt sich heraus, dass der Lieblingskuschelhahn (!) sich zu einem wahren Riesen entwickelt hat. So groß und so schwer, dass sich die Hühner unter Geschrei wehren, wenn er seine Hahnespflicht erfüllen will.

Und deswegen gibt es auf jedem Hühnerhof auch immer schöne Tage und schwere Tage.

Und deswegen ist es heute ein schwerer Tag.

Wir sind ein bisschen traurig.

Unabhängig davon hat aber jede Medaille auch zwei Seiten.

Und wir sind trotzdem auch ein bisschen glücklich.

  
 

*** Hilfe auf dem Hühnerhof ***

Oder: „Hilfe!“ auf dem Hühnerhof. 

Je nachdem.

Es ist so. Alle paar Tage muss der Hühnerhof aufgeräumt werden. Einerseits muss selbstverständlich die Hühnerkacke abgesammelt werden (Ich bin immer wieder erstaunt, was die so durchschieben.), und andererseits müssen nicht gefressene Reste (sprich Kohlstrunken, Melonenschalen und was sonst so nicht gewollt wurde) und natürlich Federn abgeräumt werden. Das alles muss weg. 

Ergo schnappe ich mir die Schubkarre, die Laubharke und das Kackeeimerchen und los gehts. 

Kaum dass ich auf dem Hof angekommen bin, umringen mich meine Hühner. Ich habe freundliche und glückliche Hühner, die von mir nur Gutes erwarten. Und zwar immer, wenn ich zu ihnen komme. 

Also zupfen sie an meiner Hose, untersuchen die Fussel auf meinen Schuhen und stehen mir außerdem außerordentlich preisverdächtig im Weg. 

Es sei denn, ich benutze die Laubharke. Die Laubharke ist toll! Die Zinken kann man nämlich jagen. Und außerdem bringt die Laubharke immer so tolle Sachen aus dem Rasen ans Licht. 

* * *

Aber Moooment – hey hallo – hallooo, warum tut sie das ganze gute Zeug auf die Schubkarre? Das ist doch noch gut. Hallooo? Aber wer sagt denn, dass ich nur hier unten picken soll? Pfft. Wozu hab‘ ich schließlich Flügel? So, also kurz Schwung holen, flattern, FLATTERN!, uff, geschafft. – Oha! Na das lohnt sich hier:

  
Hey Waldtraut, komm mal schnell hierher. Das ist der Hammer, das glaubst Du nicht. Natürlich kommst du hier auch hoch. Ich hab‘ es doch auch geschafft. Hör auf zu jammern. Siehst Du, was hab ich gesagt?

  
Och Mist, jetzt hat Bluna auch noch mitgekriegt, wo die Party steigt. Dabei braucht die das gar nicht. Die ist doch fett genug. Und dann bringt sie auch noch Reddis mit. Da mach ich mal lieber Platz. Orrr.

  
Obwohl, wenn die mir da oben jetzt alles wegfressen? So ein kleines Leckerli könnte ich schon noch vertragen. Rutscht mal beseite. 

  

* * *

Als ich mit den letzten zusammengeharkten Resten wieder bei der Schubkarre ankomme, schauen mich vier Hühnerdamen erwartungsvoll an.

Hach, ich liebe dieses Pack!

*** Das pralle Leben kann man nicht planen ***

Es ist verflixt – aber es ist wie es ist. Der Mensch plant und lenkt – und dann kommt es anders, als man denkt.

Aber von vorn.

Wir haben 4 Hühner. 4 Hühner sind übersichtlich, praktikabel und beherrschbar und liefern eine verwertbare Menge Eier. So weit so gut.

Allerdings werden Hühner auch irgendwann alt, dann hören sie a) auf zu legen und sind b) auch schon mächtig zäh für den Topf. Also entschlossen wir uns, eigenen Nachwuchs zu züchten. Mangels Hahn (sehr zum Bedauern der Hühner) bestellten wir also Bruteier im Internet und brüteten diese im Brutautomat aus. Alles sehr schön. Die Küken haben auch extra den Vorraum im Hühnerstall bekommen, von welchem sie einen Ausgang zu einem separaten Rasenstück haben. So gibt es keine Querelen und kein Hick-Hack mit den großen Hühnern.

Soweit der Plan.

Dann aber setzte sich eine unserer Hühnerdamen hin und gluckte. Und weil wir ein Herz hatten und sie nicht einfach erfolglos auf Kalkeiern sitzen lassen wollten, bekamen wir von einem Kumpel noch einmal 12 Eier. Obwohl wir so unsere Zweifel hatten – Mensch, das wird dann aber mächtig eng. Aber vielleicht hält sie ja gar nicht bis zu Ende aus. Und vielleicht macht sie es als Anfängerglucke ja auch falsch und es schlüpft keines? Und wer weiß, wie hoch die Schlupfquote überhaupt ist. Ach und Katzen, Marder und der Fuchs laufen hier ja auch noch rum.

Schauen wir einfach mal, was passiert.

Im Vorraum balgten und freuten sich ihres Lebens unsere Brutautomatenküken.

3 Wochen später schlüpften 11 (in Worten: elf(!)) Küken.

Und damit begann unser logistisches Problem. 3 ‚normale‘ Althühner, 1 Glucke mit 11 Küken und 13 Brutautomatenküken müssen räumlich getrennt aber glücklich auf 2 Rasenflächen und in zwei Räumen untergebracht werden. Ach, und nachts kommt noch die Gans in den Stall, natürlich.

Um es kurz zu machen, wir haben die Lösung noch nicht. Im Augenblick nutzen alle gemeinsam eine große Rasenfläche – und gehen sich halbwegs aus dem Weg. Wobei die Glucke ihre 11 Kleinen energisch und tapfer gegen alle und jeden verteidigt. Die 3 Althühner verteidigen natürlich ihr alteingesessenes Revier gegen allen und jeden. Und unsere zwischenzeitlich halbstarken Brutautomatenküken stecken sozusagen zwischen Baum und Borke.

Und wir machen uns ständig Gedanken, was wir verbessern und optimieren können, um das Zusammenleben zu erleichtern. Wir stellen Zäune und reißen diese wieder ab. Ziehen Absperrungen hier und dort und bauen sie hier und dort wieder ab. Platzieren Futtertröge und Trinkmöglichkeiten um Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen.

Und haben dabei ein wichtiges Problem übersehen. Nämlich, dass unsere Glucke mit ihren puscheligen Winzlingen auf dem nicht ausbruchsicheren Hühnergelände unterwegs ist. Mit der Folge, dass die Küken natürlich prompt durch die Maschen des Zaunes ausbüxen und auf dem angrenzenden Parkplatz unterwegs sind. Und Mutter Glucke sitzt auf der anderen Seite des Zaunes und lockt . . .

Das führt zu folgenden neuen Plänen:

1.) Wir ziehen jetzt Kükendraht um das gesamte Hühnergelände (wir haben ja auch sonst keine Hobbies) und

2.) Nächstes Jahr ziehen wir keine Küken groß!

Soweit unser Plan.

Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss mir jetzt die nächste Rolle Kükendraht greifen.

Ihr könnt Euch ja derweil mal über unseren anstrengenden allerliebsten Nachwuchs freuen.

Hier unsere Halbstarken:

  
  

Und hier der puschelige Nachwuchs:

  
 Eine stolze und aufmerksame Mama.

 
  

*** Pack ***

‚Die sind ja wohl völlig bescheuert. Ich glaub es nicht.‘ Der Hausherr steht am Fenster und schaut fassungslos nach draußen.  ‚Die sind komplett bekloppt. Ehrlich jetzt.‘ Er schüttelt den Kopf. 

Ich gehe zu ihm um zu sehen, was seinen Unmut erregt. Dazu stelle ich mich neben ihn, schaue in seine Blickrichtung und sehe . . . 

. . . 

und sehe: Hühner. Vier einträchtig scharrende, pickende, glücklicher Hühner. Um genau zu sein, UNSERE vier einträchtig scharrenden, pickenden, glücklichen Hühner. 



‚Siehst Du, was die machen?‘ Der Hausherr ist dabei sich aufzuregen. ‚Sie scharren?‘ Frage ich gegen und schaue ihn irritiert an. 

‚Oh nein – die scharren nicht. Die graben den ganzen verdammten Rasen um. Siehst Du das?‘ 

Nun, NATÜRLICH sehe ich, dass sie scharren. Nun je, es sind Hühner. Die sind so! Ich zucke emitionslos die Schultern. Es sind halt einfach Hühner.

Aber der Hausherr ist noch nicht fertig. ‚Wir hatten schon viele Hühner. Aber die hier, die hier sind so schlimm wie alle anderen zusammen.‘ Er schüttelt genervt den Kopf. ‚Wenn die so weitermachen, haben die bald den gesamten Rasen kaputt. ‚ 

Öhm – nun ja. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass diese – unsere jetzigen Hühner – tatsächlich extreme Scharrer sind. Geradezu hingebungsvoll scharren sie sich in Rage. Und hier noch ein Stückchen tiefer – und hier noch mal. Ach und dort sieht es auch extrem vielversprechend aus. 

Oohhhmmmm. 

Was tut man also?

Man siedelt die Hühner (befristet) um. Damit auf ihrem angestammten Hühnerhof der Rasen mal aufatmen und wieder wachsen kann. 

Nun also, wachse, Rasen, wachse! 



Damit der Hausherr endlich nicht mehr über meine Hühner schimpft.