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*** Der Hahn ***

Stolz steht der Hahn. Still, aufrecht, wachsam und hält den Blick auf seine herumwuselnden Hühner. Er ist ein mittelgroßer Hahn. Sein schwarzes Gefieder glänzt im Sonnenschein auf seiner breiten Brust. Er ist ein Kraftpaket. Still und wachsam steht er und hat seine Hühner im Blick. Diese scharren und picken eifrig und sorglos.

Er plustert sich auf, reckt die Brust heraus. Schön sind sie, seine Damen. Makellos weiß das Gefieder.

Nun gut, bei der einen vielleicht ein wenig zerzaust. Aber das ist ja auch seine Lieblingshenne. Die hat aber auch einen rassigen roten Kamm. Und dann dieser süße puschelige Popo.

Wohlig schüttelt sich der Hahn. Jetzt bloß schnell ablenken, sonst glaubt sie nachher, er denke an nichts anderes.

Also schnell ein prüfender Blick in den Himmel und ein kurzer Warnschrei. Dort ist zwar nur eine Taube da oben. Aber wer weiß, die sollen ruhig wissen, dass er aufmerksam ist. Es könnte ja auch mal etwas anderes sein als nur eine Taube.

Unbeeindruckt von seinem Warnruf scharren die vier Damen, haben ihn wohl durchschaut. Es ist aber auch zu verlockend. Die großen Zweibeiner haben nämlich heute nicht nur den Rasen schön sauber abgesammelt, sondern auch am Zaun entlang eine Reihe gefräst. Dort ist jetzt ein lockerer brauner Boden voller verlockender Köstlichkeiten. Und dazu ist der Rasen wieder sauber und gepflegt. Sogar abgeharkt haben ihn die Großen, das alte braune Gras aus dem Vorjahr weggenommen.

Ein bisschen stolz ist er ja schon auf seine großen Zweibeiner. Die wissen, was Hühner wollen. Auch wenn es heute früh ein wenig knapp mit der Futterration war. Wahrscheinlich hat ihnen wieder einmal jemand erzählt, ihre Hühner wären fett.

Ts.

Fett. Die haben ja keine Ahnung. Wer will denn schon so magere Leistungsleger? An einer Dame muss auch etwas körperliches sein. So wie an seiner Rosalie. Ach, da kommt sie gerade wieder vorbei, wackelt aufreizend mit ihrem herrlich wuscheligen Popo – Moment –

Der Hahn ergreift die Gelegenheit und nimmt die Einladung an. Dann schüttelt er kurz sein Gefieder und steht wieder wachsam und passt auf seine Damen auf.

Still und stolz steht er, der Hahn.

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*** Goldene Eier ***

Weil ja nun schon wieder einmal Ostern ist, dachte ich mir, ich singe einfach mal ein Loblied auf unsere Hühner.

Haben die ja auch irgendwie verdient.

Ich habe derzeit 5 Hühner und einen Hahn. Ich hatte auch schon mal nur Hühner und keinen Hahn – aber mit Hahn sind die Hühner einfach glücklicher. Also haben wir einen Hahn. Unser Hahn heißt Spatzi und passt sehr gut auf seine Hühnerdamen. Auf. Also ich meine, er passt sehr gut auf seine Hühnerdamen auf, die da heißen weißes Althuhn, braunes Kuschelhuhn, Tupfenlola, großes beklopptes Huhn und kleines beklopptes Huhn.

Jeden Morgen sammle ich die hinterwärtigen Abfälle vom Kackbrett und gucke, dass auch auf dem Stallboden keine Tretminen herumliegen.

Auch der Hühnerhof wird abgesammelt. Hygiene ist wichtig. Wenn ich mich dabei in gebückter Haltung über den Hof bewege, springt Tupfenlola mir auf den Rücken, puschelt kurz an meiner Pudelmütze und springt, nachdem sie alles für in Ordnung befunden hat, nach einer Minute wieder herunter. Das braune Kuschelhuhn wird jeden Morgen auf den Arm genommen und dann erzählen wir uns, wie der vergangene Tag so war. Dabei lässt sie ganz entspannt die Beine baumeln, während ich ihr vorsichtig über das Gefieder streichle – auf gar keinen Fall soll eine Feder geknickt werden.

Ich werde dabei mistrauisch von Spatzi beobachtet – schließlich sind es seine Hühner. Da sich die Hühner aber nicht beschweren, sieht er keine Veranlassung einzugreifen.

Jeden Morgen füttere ich meine Hühner. Sie bekommen einen Mix aus geriebenen Äpfeln / Möhren und zerstampften Eierschalen und Grit und Haferflocken und gekochten Kartoffeln. Bei den Kartoffeln gebe ich mir besonders viel Mühe. Ich habe mir vieles zusammengelesen und glaube jetzt, dass Zwiebeln und Knoblauch gut sind für die Darmhygiene bei Hühnern. Ebenso Chili (in Maßen) und Thymian. Außerdem soll Mohn gut sein gegen Durchfall. Außerdem gebe ich immernoch einen großen Anteil Möhren dazu – um das ganze etwas aufzulockern. Wenn ich jetzt also die Kartoffeln koche für mein Hühnerpack, riecht es im Keller, als ob wir irgendetwas außerordentlich Leckeres  für uns selbst kochen. Meine fetten Hühner danken es mir. Sie lieben dieses Futter. Alle 5 Tage muss ich Kartoffeln kochen und stampfen.

Außerdem hängt im Stall ein Futterautomat mit Weizen. Quasi als Notreserve, wenn das Weichfutter draußen alle ist und meine Lieblinge am Verhungern sind. In diesen Futterautomat fülle ich pro Woche ungefähr 3 kg Weizen.

Für all diese liebevolle Zuwendung legen mir meine Hühner im Schnitt so drei Eier pro Tag. Im Winter weniger, im Sommer mehr. Je nachdem. Geld verdienen kann ich mit den Eiern nicht. Aber ich habe das außerordentliche Glück wohlschmeckende Eier von glücklichen Hühnern essen zu können.

Wohlschmeckende, vergoldete unbezahlbare Eier von meinen glücklichen Hühnern.

Danke, meine Lieben.

  

*** Erziehung in der Villa Huhn ***

Nein, ich rede nicht vom Hühnerdrehen. Ich rede von der Erziehung, wie sie auf dem Hühnerhof völlig selbsttätig ohne menschliches Eingreifen erfolgt.

Unser Hahn Willi nämlich, der erzieht seine Hühnerdamen.

Kleines Beispiel gefällig?

Ich rede wieder einmal von Waltraut. Von unserem schönen schwarzen Huhn. Waltraut hatte, gleich nach ihrer Ankunft auf unserem Hof im Frühjahr einen ziemlich schweren Stand – sie war das einzige andersfarbige Huhn. Die anderen waren alle weiß. Aus diesem Grund dauerte ihre Integration besonders lange – ich war drauf und dran einen Blogbeitrag über ‚Rassismus bei Hühnern’ zu schreiben. Bis sich das allmählich in Wohlgefallen auflöste und unsere schwarze Waltraut in der Rangfolge sofort nach dem Chefhuhn die Lieblingsnebenhenne des Hahnes wurde. Könnt Ihr folgen? Dann ergänzten wir im Herbst unser Hühnervolk erneut – und diesmal mit braunen Hühnern. Um gleich mal klar zu stellen, dass hier bitte schön friedliches Multikulti angesagt ist.

Ob Ihr es glaubt oder nicht. Es gab nur ein Huhn, welches es den Neuankömmlingen besonders schwer machte.

Kommt Ihr drauf?

Na klar. Es war Waltraut.

Ganz besonders schlimm wurde es, als wir vor einigen Wochen unser Chefhuhn Berta dem Kochtopf überantworteten und das Hühnerdamenvolk sich rangordnungstechnisch neu sortieren musste.

Und von diesem Augenblick an war Waltraut gar nicht mehr auszuhalten.  Sie hackte und zickte nach allen Seiten, drängelte sich in allem vor und schikanierte die restlichen Hühner, bis . . .

Ja, bis Willi die Faxen dicke hatte, sich einmischte und Waltraut kurzerhand ins Abseits stellte. Oups. Jetzt zeigte er ihr, wer der Chef im Hause ist. Er jagte sie über den Hühnerhof, zwang sie zum hinducken um sie dann unbeachtet links liegen zu lassen, trat und hackte ebenfalls nach ihr. Bis sie irgendwann morgens nicht einmal mehr aus dem Hühnerstall kommen wollte. Da sie für die Dauer der Stallreinigung (und zum Fressen) natürlich trotzdem aus dem Stall sollte, nahm der Hausherr sie in die Hände und wollte sie durch die Luke nach außen schieben. Und was macht dieses dumme Huhn? Legt sich auf die Seite. Getreu dem Motto: ‚Mach was Du willst – aber da raus gehe ich nicht.’

😉

Dieses liegt jetzt aber auch schon 2 Wochen zurück. Zwischenzeitlich habe ich tatsächlich beobachten können, wie alle (!) Hühner einträchtig neben dem Hahn über die Wiese liefen und nach Futter pickten. Aha – es geht also. Ich dachte schon: Lektion gelernt.

Aber nein – heute sitzt sie wieder schmollend in der Hecke.

Blödes Volk, das.

*** Früher oder Später . . . ***

. . .  musste es ja passieren.

Genau genommen, habe ich schon darauf gewartet.

Und erst recht, nachdem sich Nachbar’s Hahn letzte Woche über den Zaun geschwungen und die Straße erkundet hat.

Da wusste ich, irgendwann ereilt es uns auch. Irgendwann schwingt unser dicker Willi die Flügel und zeigt, was er drauf hat.

Heute nachmittag war es dann soweit. Der Kronsohn wollte ‚Hühnergucken‘ gehen. Kam aber recht schnell und erschrocken zurück. „Der Willi ist draußen! Ich war’s nicht!“

Glücklicherweise spaziert er nur durch unseren Garten – der Zaun zur Straße ist deutlich höher.

Da sich Willi ganz praktisch veranlagt natürlich einen Moment ausgesucht hat, wo der Hausherr NICHT zu Haus ist – haben also wir zwei den Hahn mit Futter zurück in’s Gehege locken müssen.

Tür zu – alles wieder gut.

Auf dem Weg zum Haus hören wir kurzes Flügelschlagen, dann freudiges ‚Tocktocktock‘ und Willi ist wieder draußen. Na super. Tür wieder auf, Hahn rein!

Auf dem Weg zum Haus hören wir kurzes Flügelschlagen, dann freudiges ‚Tocktocktock‘ und Willi ist wieder draußen. Na super. Tür wieder auf, Hahn rein!

Auf dem Weg zum Haus . . .

Muss ich viel erzählen?

Das blöde Vieh weiß jetzt wie’s geht. Ich hab dann aufgegeben und hab‘ mir gedacht, dass er zur Schlafenszeit bestimmt zurück will.

Wollte er! Jetzt sind alle 5 brav im Stall und ich hab Ruhe bis morgen früh.

Und dann nimmt der Hausherr die Schere. Versprochen!