Schlagwort-Archive: Geburtstag

*** Geschafft ***

Alles pünktlich da.

Alles verpackt.

Und nur ein Gutschein. Und das auch nur, weil es nicht anders geht. 

  
Uff.

*** X – der besondere Tag ***

Es ist Samstag. DER Samstag. Heute ist es soweit. Nachdem alle Pflichten im Haus und auf dem Hof soweit erledigt sind, packen wir unsere Sachen.

Der Hausherr zieht noch schnell seinen Anzug zur Probe an. Das ist natürlich extrem früh, dass ihm das jetzt einfällt, denn wenn er ihm jetzt nicht mehr passt – ist eh nix mehr zu ändern. Aber alles passt. Er bittet mich ebenfalls um Anprobe. Ich schlüpfe in die Strumpfhose und in mein tolles rotes Kleid und ziehe die schicken schwarzen Peeptoes dazu an. Beim anschließenden Blick in den Spiegel verliebe ich mich spontan in mich. Und in den Hausherren auch gleich noch einmal dazu. Hach!

Anschließend nehme ich wegen leichter Befindlichkeit eine Kopfschmerztablette. In so frühem Stadium genommen, kann ich das Gröbste eigentlich abwimmeln. Anschließend: Abfahrt und ich habe die ganze Zeit das unbestimmte Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben.

*

Später im Hotel sortieren wir im Saal die Platzkärtchen an die Gläser. Alles passt. Ob die Sitzordnung funktionieren wird? Die Spannung steigt. Als die ersten Gäste kommen, freuen sie sich über unser kleines bereitgestelltes Kuchenangebot. Denn schließlich ist es bis zum Abendbrot noch eine Weile hin.

*

Unser Musikschaffender ist eingetroffen und beginnt engagiert und hektisch sein Equipment aufzubauen. Kurze Abstimmung zur geplanten Tanzfläche. Wir beschließen, uns jetzt schon umzuziehen, denn mit voranschreitender Zeit werden die Zeitabstände zwischen den einzeln eintrudelnden Gästen kleiner. Ich nehme eine weitere Kopfschmerztablette. Jetzt muss es aber helfen. Unabhängig davon: Ich bin die Schönste!

*

Dann wird das Kuchenbüfett abgeräumt und der Sektempfang mit den Häppchen vorbereitet. Zwischenzeitlich müssen die Gäste warten, bis sie mit dem Gratulieren dran sind. Bereits eingetroffene und begrüßte Gäste begutachten die Sitzordnung. Kritische Blicke. Unser Sohn fängt noch einzelne freilaufende Gäste vor dem Hotel ein und geleitet diese zum Empfang.

Der Hausherr und ich laufen mit Sektgläsern in der Hand durch die Gästeschar, stoßen an, stellen vor, halten Smalltalk. Ich bin die Schönste!

*

Unser Musikschaffender (Gitarre) beginnt mit einem kleinen plattdeutschen Musikprogramm um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken. Es ist aber noch zu wenig Alkohol in den Menschen, die Begeisterung ist nicht so groß wie erhofft und angenommen. Aber er ist flexibel und wechselt die Stilrichtung. Da entspannen sich auch die Gäste wieder.

*

Kurz vor dem Abendessen hält der Hausherr seine Rede an die Gäste. Er ist aufgeregt, aber das nimmt ihm keiner übel. Er weist darauf hin, dass Zwischenrufe und Zwischenfragen das ganze nur verlängern und es somit später Abendbrot geben wird. Der Lacher ist auf seiner Seite und es gibt (natürlich) pünktlich Abendessen. Ich bin so aufgeregt, dass ich gar nicht essen kann. Trinken darf ich auch nicht – ich habe ja noch etwas vor, wobei ich mich konzentrieren muss.

*

Unser zweiter Musikschaffender (Saxophon) trifft ein und beginnt sein Equipment mit dem des ersten abzustimmen. Währenddessen beginnt ringsherum die Lauferei zum Büfett. Meine Aufregung steigt. Ich kann nichts essen. Dann ziehe ich mich mit dem Saxophonisten in den Wellnessbereich zurück – um die Instrumente zusammenzubauen und abzustimmen. Ich bin dabei aber zu aufgeregt, um das Blatt ordentlich zu wässern und das Instrument gründlich aufzuwärmen. Anschließend gehe ich völlig neutral und unbeteiligt an meinen Platz zurück, während der Saxophonist anschließend ganz beiläufig auch mein Saxophon und meine Noten bereitstellt.

*

Ich sitze am Tisch und schwitze Blut und Wasser. Das schwarze Bolerojäckchen habe ich schon ausgezogen, es würde beim Spielen ohnehin stören. Der Saxophonist bittet mich nach vorn und während ich mir unter den ungläubigen Blicken der Gäste mein Saxophon umhänge, erklärt er ihnen, dass er mich erst seit einem halben Jahr unterrichtet, damit ich meinem Mann hier und heute als Überraschung ein Geburtstagsständchen bringen kann. Mein Mund ist komplett trocken. Auch ich halte eine kurze Ansprache und dann ist es soweit, dann muss ich.

*

Und jetzt rächt sich die stümperhafte Vorbereitung. Das Blatt ist zu trocken. Das Instrument kalt. Mein Saxophon quietscht und pfeift wie in den ersten Übungswochen. Aber es gibt kein Zurück. Außerdem bin ich (natürlich) so aufgeregt, dass ich mich verspiele. Ich finde mich furchtbar. (Ganz tief in mir drinnen hockt eine bitterlich weinende Frau Spätlese, die weiß, dass sie das eigentlich viel besser kann, als das, was da jetzt zu hören ist.) Aber das Quieken lässt langsam nach, die Fehler werden weniger und als ich nach dem dritten Titel fertig bin, applaudiert der ganze Saal begeistert weil es endlich vorbei ist weil ich so mutig war. Wir haben eben eine klasse Familie und prima Freunde. Anschließend werde ich von allen geherzt und gedrückt und mir wird reihum versichert: Ich habe heute das emotional schönste Geschenk überreicht. Und, für den Fall, dass ich es noch nicht erwähnt habe: Ich bin die Schönste!

*

Da ich jetzt endgültig die Nase voll habe, nehme ich die nächste Kopfschmerztablette mit einem Sauvignon Blanc ein. Und kippe einen zweiten gleich hinterher . . .

*

Der restliche Abend verschwimmt in guter Laune. Wohin ich blicke, sehe ich sich angeregt und amüsiert unterhaltende Menschen. Unsere beiden Musikschaffenden geben ihr Bestes. Es wird getanzt. Und ich werde geherzt und gedrückt. Alles ist schön. Und: Ich bin die Schönste! Die Zeit plätschert dahin und langsam verabschieden sich die ersten Gäste. Der Rest tanzt und lacht und redet bis morgens 04:30 Uhr. Dann dürfen auch wir endlich ins Bett.

*

Ein schöner Tag!

20131030-214458.jpg

*** X minus drei ***

Heute: Das Gästepuzzle. Ein Drama in mehreren Akten.

Wem das Wort nichts sagt, „Gästepuzzle“ bedeutet schlicht und einfach nichts anderes als: Wir basteln eine Sitzordnung.

Ein Drama. Ich sagte es bereits.

Schon im Vorfeld erreichten uns Wünsche und Warnungen, was nun gar nicht ginge.

Bitte nicht zwischen Ehepaare. Bitte nicht dorthin. Bitte nicht dahin. Also da kann ich gar nicht.

Leute, die einfach mal sagten „setz mich irgendwohin, das passt schon“,sogenannte Joker‘ haben wir leider, leider nicht wirklich viele.

Wir bemühten Herrn Knigge, damit uns dieser Tipps gab und stellten fest, dass meine Schwiegermutter der ‚Ehrengast‘ ist. Höhöhö. (entschuldigung bitte, aber das musste jetzt dringend raus!) Wir fanden den ‚britischen Weg‘ bei der Sitzordnung.

Und alles wurde immer verwirrender.

Wir sitzen nun also vor über 50 kleinen Kärtchen mit Namen drauf (und Lebensgeschichten dahinter) und versuchen, diese möglichst sinnvoll aneinanderzulegen.

Denn es gibt zwei Sachen, die wir auf gar keinen Fall wollen:

1. Möchten wir nicht der Ausgangspunkt einer neuen Völkerschlacht sein und

2. möchten wir aber auf gar keinen Fall als langweiligste Geburtstagsfeier ever in die Geschichte eingehen.

In diesem Sinne, wir puzzeln dann mal noch ein bisschen . . .

*** Alles der Reihe nach! Nach welcher?***

Eigentlich ist es ganz normaler Alltag. Der Hausherr fragt, wie ich mit der Steuer vorankomme – huch – auch das noch. Das Kind fragt, wann ich mit ihm mal gemeinsam am Rechner . . .  Und im Büro läuft der ganz normale Wahnsinn aus FiBu, Lohn und Selbstverwaltung. Außerdem ist endlich Frühling und es macht herrlich Spaß, draußen in der Sonne zu prokrastinieren. Denn: morgen soll es ja ohenhin wieder regnen. Dann kann ich immer noch wieder im Büro was schaffen.

*

So!

*

Und plötzlich wird mir klar, dass der Kronsohn schon in 3 Wochen (in Worten: drei Wochen) Geburtstag hat, und dass ich das von mir bereits im letzten Herbst (!) geplante (!) Fotobuch doch jetzt vielleicht mal langsam anfangen sollte?

Also sitze ich jetzt zwar trotzdem im Büro – aber von wegen Steuer – ich wühle mich durch Fotoalben und scanne wie ein Weltmeister und freue mich auf die Bilder der letzten Jahre, weil die liegen dann schon digital auf dem Rechner. Jetzt liegen also nur noch 40 leere Seiten vor mir . . .

Aus diesem Grund habe ich – sorry dafür – leider im Moment recht herzlich wenig Zeit für Euch.

 

*** Es ist abends . . . ***

Langsam werden die Augen immer kleiner, beim Lesen kommt man nicht mehr voran, die Stricknadel ist mir schon zwei Mal aus der Hand gerutscht.

Wir beschließen, es ist Bettzeit. Stellen die Gläser in die Küche, legen die Decke auf der Couch ordentlich zusammen. Der Hausherr verschwindet schon mal im Bad.

Ich beginne, den Küchentisch leer zu räumen. Das hört der Hausherr. Und als er mit Zahnbürste im Mund aus dem Bad kommt und neugierig guckt, bin ich gerade dabei, eine weitere Platte in unseren Küchentisch einzulegen.

„Warum ziehst Du den Tisch aus?“ Halbverwundertes Staunen.

Naja . . .  pfft . . . es ist wegen der . . . naja . . . pfft . . . wegen der ganzen Aufbauten. Ich rudere mit den Armen als wollte ich die ganze Welt umfassen. Warum muss ich das jetzt erklären?

„. . . der ganzen Aufbauten . . .  ?“ Er will es tatsächlich erklärt haben.

Erneutes weltumamendes Rudern auf meiner Seite . . . naja . . . wegen der AUF-BAU-TEN doch! Ich verdrehe die Augen.

Dann dämmert es ihm. „Ach, DAS meinst Du. Na, du aber auch wieder . . . “ Er lächelt.

Und außerdem, sage ich, brauche ich den Platz für die 49 Kerzen.

„Och, nö! Ich will aber keine 49 Kerzen!“ Dafür geht sogar die Zahnbürste aus dem Mund.

Natürlich! Das gehört dazu! Selbstverständlich kriegst Du 49 Kerzen! Und jetzt geh‘ schon mal hoch ins Bett, ich hab hier noch zu tun.

„Ich will aber keine 49 Kerzen.“ Brummelt er auf dem Weg ins Bett. „Dann stehe ich morgen nicht auf!“

Ich bin kurz vor einem Lachanfall und dekoriere den Tisch schnell mit Tischdecke, Blumen und den vorbereiteten Geschenken. Als ich mich dann auch endlich ins Bett sinken lassen, höre ich aus der anderen Betthälfte erneut: „Ich will aber keine 49 Kerzen. Dann stehe ich morgen nicht auf!“

Ich beuge mich herüber, küsse ihn auf die Nasenspitze. Schlaf gut, Du brauchst keine Angst zu haben, Du bekommst keine 49 Kerzen. „Na, denn ist ja gut“ seufzt der Hausherr und kann nun in Ruhe einschlafen.

*

*

*

Irgendwann am nächsten Morgen noch vor dem Weckerklingeln fängt mein Gehirn an zu arbeiten. Das tut es manchmal. Also, das Arbeiten VOR dem Weckerklingeln, zu nachtschlafender Zeit also. Und ein kleiner mahnender Zeigefinger klopft sanft an meine Gehirnwindungen und fragt an, ob ich denn Bitte noch einmal nachrechnen könnte . . . Irritiert tue ich das.  Rechne noch einmal nach. Vergleiche mit dem Alter seiner Schwester . . .

oooohhhmmm . . . und halte mir vor Scham die Hände vor die Augen.

Als wenige Minuten später der Wecker klingelt und der Hausherr die Augen öffnet, gratuliere ich ihm zum Geburtstag. Und raune ihm ganz leise ins Ohr. Du brauchst keine Angst zu haben. Es gibt keine 49 Kerzen. Es sind nur 48!

😉

*** Genügend gute Gründe ***

Irgendwann kommt fast jeder einmal in das Alter, in welchem die Gratulanten zum Geburstag einfach mal die Zahlen verdrehen und einem zum 14. gratulieren. Damit es anders herum nicht so weh tut . . .

(Getreu dem Motto: Wenn man schon soooo alt ist, muss man nicht zusätzlich leiden . . .)

Danke, für die Blumen!

Darüber habe ich mir nun so meine Gedanken gemacht. Und es ist, wie es ist. Es gibt genügend gute Gründe, warum ich lieber 41 als 14 bin.

Ehrlich.

Zum Beispiel:

Muss ich mit 41 nicht mehr darum betteln, länger als bis 22:00 Uhr auf der Disco bleiben zu dürfen. Nein, ganz im Gegenteil. Ich kann ganz frei und eigenständig entscheiden, dass ich viel lieber den Abend ruhig und gemütlich mit dem Hausherren und einem schönen Rotwein zu Hause verbringe und eventuell sogar schon um 21:00 Uhr in’s Bett gehe. So als Luxus, quasi.

Außerdem darf ich mir im Kino P18-Filme anschauen, wann und so oft ich möchte. Und wenn ich unbedingt möchte, kann ich sogar warten, bis sie nicht mehr im Kino sind und endlich auf DVD erscheinen. Warten war mir mit 14 nämlich unerträglich. Ging so zu sagen gar nicht.

Ich muss nicht mehr irgendwelchen modischen Zwängen hinterher-hippen. Hab‘ ich ohnehin nie geschafft. Jetzt ziehe ich an, was mir gefällt. Und wenn das 6 Jahre hintereinander derselbe rote Mantel im Herbst ist. Ja, der! So alt ist der schon. Und wenn ich mir eine nichtpassende Modesünde kaufe, hänge ich sie ruhigen Gewissens in den Schrank und warte, bis das Teil vom vielen Rumhängen auf meine Größe ausgeleiert ist. Oder auch nicht.

Mit 41 habe ich viel weniger und seltener Pickel als mit 14. Und die Lachfalten von damals sind einfach nur ein wenig größer geworden.

Mit 41 weiß ich im Großen und Ganzen, was ich vom Leben zu erwarten habe und wittere nicht hinter jede Ecke eine verpasste Chance. Vielleicht verpasse ich dadurch ein paar . . .   Aber ich kann ganz entspannt und glücklich sein, mit dem, was ich habe. Und ich weiß das.

Ich habe einen tollen Mann, bin stolz auf meinen Sohn und glücklich mit meiner Arbeit und mit unserem Häuschen sowieso.

Ich bin also tatsächlich viel lieber 41 als 14. Dazu stehe ich. Dieses Jahr noch.

Mal sehen, ob ich das nächste Jahr die 42 auch so gut gegen die 24 verteidigen kann . . .?