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*** Sie und Er. In der Küche. ***

Sie steht fröhlich pfeifend in der Küche. Am Herd. Zwiebeln sind glasig angedünstet, mit Spinat aufgefüllt und aufs leckerste abgeschmeckt. Die Kartoffeln köcheln sanft vor sich hin. Es fehlt nur noch eine Kleinigkeit.

Schatz! Ruft sie. Möchtest Du ein Ei oder zwei? Für die Entscheidungsfindung hält sie ihm in jeder ausgestreckten Hand ein Ei entgegen.

Gebraten? Fragt er

Ja, gebraten! Antwortet sie und wedelt erwartungsvoll mit den eihaltenden Händen.

Er überlegt kurz und sagt: Zwei! Ich möchte zwei Eier!

Sie stockt, hört auf zu wedeln, sinniert, guckt die Eier an, dann den Hausherren und sagt: Es ist aber ungesund, soviel Eier zu essen. Und außerdem gibt es ja noch Nachspeise. Sonst wird das nur alles zuviel. Ich mache Dir EIN Ei.

Sprichts und schlägt für jeden ein Ei in die Pfanne.

Entscheidungsfreiheit? Kann sie!

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*** Ich wollt ich wär ein Huhn . . . ***

. . . Ich wollt ich wär ein Huhn, ich hätt nicht viel zu tun,  ich legte täglich ein Ei und Sonntags auch mal zwei . . . Juchhei . . .

Summte ich in der Vorweihnachtszeit so passend vor mich hin. Allerdings mit einem leicht grimmigen Unterton in der Melodie – denn ganz offensichtlich kennen unsere Hühner diesen Text nicht – oder sie haben ihre Stellenbeschreibung nicht aufmerksam genug gelesen.

. . . ich legte täglich ein Ei und sonntags auch mal zwei . . .

Wer unsere Hühner kennt, fällt spätestens an dieser Stelle vor Lachen vom Stuhl. Im täglichen Wer-hat-wieviel-Eier-Wettbewerb zwischen der Nachbarin fällt es mir zunehmend schwer zu lächeln. ‚Fühünf!’ ruft es siegessicher von der anderen Seite des Zaunes – ‚Eins’ brummelgrummel ich mir in meinen nichtvorhandenen Bart. Hmpf. (Auch zwei oder drei klingt nicht wirklich besser.)

Dann stehe ich am Zaun und beobachte unsere Hühner. Diese stehen auf der anderen Seite des Zaunes und beobachten zurück. ‚Kommst Du und gibst uns Leckerli?’ fragen sie. ‚Legst erst mehr Eier’ erpresse ich. – Selbstverständlich ergebnislos.

Unsere Hühner bekommen jeden Tag ausreichend Weizen, dazu eine Portion Dreikorngequetschtes und außerdem gemahlene Knochen und Eierschalen. Manchmal Reste von unserem Essen, geriebene Äpfel, Rüben . . . und jeden Tag Grünfutter.

Außerdem laufen sie auf einer riesigen Rasenfläche, welche vom Hausherren nur äußerst selten zusätzlich gemäht werden muss.

Jetzt sag mir noch mal einer, dass das kein Hühnerparadies ist. Und was ist der Lohn?

Unsere Hühner genießen ihr Leben. Sie sonnen sich, freuen sich über Sonne und Rasen, brüten was das Zeug hält und mausern, was das Zeug hält.

Eier?

Immer nur die Mindestliefermenge – geradeso, dass wir nicht verzweifeln und die Hühner austauschen. Ich wette, dass haben die knallhart kalkuliert.

Dann kommt der Winter. Mit Macht. Schnee, Kälte und Eis machen aus der grünen Oase eine weiße kalte Wüste. Unsere Hühner verweigern den Ausgang, bis ich ihnen einen Streifen Rasen frei schiebe. Einen schmalen Streifen grün. Nur mehr symbolisch, damit sie nicht mit zwei angezogenen Beinen duldend im 20 cm hohen Schnee aushalten müssen.

Nun passiert tatsächlich ein kleines Wunder. Die nächsten Tage pendeln sie sich ziemlich genau auf drei Eier am Tag ein. Das heißt zwar immer noch, dass jedes Huhn nur alle zwei Tage ein Ei legt – aber immerhin. Wir können unser Glück kaum fassen. Bi uns ein Licht aufgeht.

Und jetzt sag ich Euch was. Dieses Pack stopft sich den Kropf mit Rasen und was weiß ich voll und nicht mit lecker Körnerkraftfutter. Wie soll aus Rasen bitte schön regelmäßig täglich ein Ei werden können? Für das tägliche Ei muss in das Huhn auch täglich mehr Energie oben reingestopft werden als eben nur solch Wellnessleckerkramrasen.

Wir haben also Wellnesshühner! Und jetzt ist zu allem Überfluss auch der ganze schöne Schnee wieder weggetaut und der Rasen liegt wieder frei. Na toll.

Ich hätte gern wieder 15 cm Schnee. So bis März durchgehend bitte. Damit ich auch mal bei der Nachbarin punkten kann. (Deren Hühner im übrigen auf einem unbegrünten Stückchen Erde zu Hause sind.)

*** So ein blödes Huhn . . . ***

. . . schimpft Frau Spätlese und kommt kopfschüttelnd ins Haus. So etwas dämliches aber auch.

Lautstark beschwert sie sich beim Hausherren. Nun haben unsere Hühner so einen schönen Stall, mit sauberen, weichen und gemütlichen Nestern. Und was macht dieses dumme Huhn? Legt sein Ei in die Hecke. Und auch noch so beschxxx, dass ich auf das Nachbargrundstück musste, um das Ei aus der Hecke zu pulen.

Frau Spätlese holt theatralisch Luft und beschwert sich: Wir haben ein Heckenlegerhuhn!

Der Hausherr guckt kurz von der Zeitung auf, denkt kurz nach und antwortet bloß: Na immer noch besser als einen Heckenschützen!

*** Es war ein schöner Traum ***

Es war ein schöner Traum.

Ich konnte es ganz genau vor mir sehen. Unsere glückliche Mutter Martha mit ihren 11 kleinen hinter ihr her trippelnden Küken. Kleine flauschige gelbe Federbällchen, vielleicht sogar ein oder zwei schwarze. (Wenn wir ein Ei von Waltraut mit erwischt hatten).

Ich sah den stolzen Vater Willi den Familiennachwuchs überwachen, während dieser sich lustig im Gras mit dem Fangen von Sommerinsekten vergnügt, gelegentlich zur Ordnung gerufen von Martha. Ich sah sie alle aneinander geschmiegt Mittagsschlaf halten unter den schützenden und wärmenden Flügeln der Mutter

Ich sah  sie aufwachsen zu stolzen Hähnen und fleißigen Hennen und sah im Geiste schon ihr zukünftiges Leben vor mir. Einen Hahn würden wir unseren Nachbaren schenken, damit diese ihr zickiges und angriffslustiges Exemplar austauschen konnten. Ein oder zwei würden wir für uns behalten, als eigenen Zuchterfolg. Und für die anderen sah ich eine erfüllte Zukunft als Frikassee, Hühnerbrühe oder herzhaft knusprigen Broiler voraus.

Es war ein schöner Traum.

Heute verging er wie eine Seifenblase im Wind.

Nachdem unser Marthahuhn schon nach den ersten zwei Wochen 3 Eier aussortierte (sprich zerbrach) blieben nur noch acht, für die wir unsere Hoffnungen hegen konnten.

Freitag nun, schlüpfte das erste Küken. Ein kleines flauschiges gelbes Federbällchen. Was waren wir stolz. Aber es schlüpfte am Freitag eben nur das Eine. Und als wir am Samstag nachschauten, hatte dieses die Nacht nicht überlebt. Trauer im Hause Spätlese.

Dann aber im Verlaufe des Tages die erlösende Botschaft. Es piepst erneut unter Martha. Ein Blick unter das Huhn zeigte uns ein kleines Löchlein in einem Ei, durch welches man einen winzig kleinen Schnabel erahnen konnte. Wir störten nicht weiter. Abends dann piepste es nicht mehr. Das kleine Küken hatte es nicht aus seinem Ei geschafft. Traurig begruben wir es auf unserem Kompost. Aber wir hatten noch Hoffnung, Aus den Eiern unter Martha piepste es immer noch. Wir hofften auf die verbleibenden sechs und ließen Martha in Frieden.

Heute früh nun kein Piepsen mehr. Nichts. Keine Löcher im Ei, kein Küken, kein Piepsen. Nichts.

Schweren Herzens hoben wir Martha vom Nest und öffneten die Eier. Das eine, in dem es gestern noch piepste, war ein kleines schwarzes Küken. Still, ganz still und regungslos lag es, nachdem es den Kampf gegen die Eierschale verloren hatte. Die anderen fünf waren nicht befruchtet.

Aus der Traum von der glücklichen Hühnerfamilie. Schade. Aber wir versuchen es wieder – nächstes Jahr. Bestimmt!

*

P.S. Es gibt übrigens kaum etwas Wirkungsvolleres um einen anständigen Brechreiz hervorzurufen, als ein 3 Wochen lang bei 40°C bebrütetes unbefruchtetes Ei. Bei akkuratem Verlauf bilden sich derart viel Schwefelwasserstoff in dem Ei, dass es bei kleinster Beanspruchung der Schale explodiert und seinen zartgrünen sämigen Inhalt weitsprenkelnd in der Gegend verteilt. Der Erhöhung der Intensität wegen empfiehlt es sich, derartige Eier unbedingt im Innern von sehr kleinen Räumen zu öffnen.

*

P.P.S. Nach der Explosion sah man den Hausherren und Frau Spätlese heftig würgend aus der Tür des Hühnerhauses stürzen, während 2 Hühner die Räumlichkeiten ähnlich fluchtartig durch die Hühnerklappe verließen. Ob diese auch gewürgt haben ist nicht überliefert.

*** Ein Ei! Ein Ei! ***

Man glaubt es kaum. Unsere Entenmama hat ein Ei gelegt! Das ist zwar nun so an sich nichts Besonderes. Sicherlich. Es ist Frühling und folglich die Zeit dafür.

Das Problem ist nur, sie hat es nicht in das Entenhaus, in die dort vorhandenen (und schon erprobten) Nester gelegt. Nein, sie hat uns das gute Stücke liebevoll auf die Holzterasse gelegt.

Entenei

Entenei

Warum nur das?

Hat sie vielleicht aus den 2 Monaten gemeinsam mit den Hühnern einen psychischen Schaden in der Art davon getragen, dass sie nun davon ausgeht, dass wir auch IHRE Eier täglich haben und einsammeln wollen? Weiß sie am Ende gar nicht, wie ‚brüten‘ geht?

Himmel hilf, muss sie am Ende zum Psychologen auf die Couch?