*** Gegen das Novembergrau – 1 ***

Essen hält Leib und Seele zusammen und vertreibt die bösen Geister. 

Also gehört etwas Leckeres gekocht. Bei uns gab es heute Spaghetti mit Tomatensoße. Nicht sehr spektakulär – ich weiß. Trotzdem war es so lecker, dass mir nicht einmal Zeit für ein Foto blieb.

Dafür zeige ich Euch eine Zutat, die ich verwendet habe. Da hatte ich doch glatt schon beim Kochen ein Lächeln auf den Lippen. 

Nun, da kann ja auch gar nix mehr schiefgehen – oder?

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*** Herbst ***


*


Kann auch schön sein.

*** Fahr‘ ich halt Zug . . . ***

Ich stehe vor Wagen 7 und möchte zu meinem reservierten Platz. Blöd ist, dass die Tür nicht aufgeht. Dabei habe ich diese vorhin schon offen gesehen, als ich nämlich meinen ökologisch und politisch absolut inkorrekten Kaffee kaufte. Aber jetzt ist sie zu und einige andere auch. Der Schaffner rennt aufgeregt am Zug entlang. Ich aber bin typisch norddeutsch, stehe entspannt vor der verschlossenen Tür, nippe an meinem Kaffee und denke ‚Wird schon.‘ Und es wird.

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Die erste Ansage des Zugbegleiters lautet: ‚Sehr geehrte Fahrgäste, wir fahren heute leider ohne Wagen 14. Da wir komplett ausgebucht sind kann ich Ihnen leider keine Alternativen zu Ihren Reservierungen anbieten.‘ Ich schaue mich im Wagen um und denke ‚Aaahhh jaaa.‘

Aber o.k. es steigen doch noch Leute ein und mit jedem Halt füllt sich der Zug mehr. Ab Berlin ist es dann komplett voll, die Leute sitzen teilweise in den Gängen auf dem Boden und ich freue mich über den vorhandenen Wagen zu  meiner Reservierung.

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Leipzig Hbf. Ich muss jedesmal der irren Versuchung widerstehen in den Passagen shoppen zu gehen. Aber ich habe nur 40 Minuten Umsteigezeit. Reicht also gerade mal für einen Kaffee. Sorry. Dann sitze ich schon im nächsten Zug, stricke ein wenig und verspeise meine mitgebrachten Brote, Tomaten und Möhren  wie so ’ne Omi vom Dorf während die Räder unter mir die Kilometer forthämmern.

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Zwei Tage später die Rückfahrt. Ich entere die Regiobahn. Die Platzsituation ist entspannt, ich habe freie Wahl. Ich entdecke ein ‚Frauenabteil‘ muss lachen und nehme darin Platz. Frauenparkplätze kenne ich schon. Nun auch Frauenabteile. Die Oma, die schon drin sitzt als ich dazu komme, amüsiert sich auch und guckt jeden männlichen Platzinteressenten streng an. Keine Chance. Als wir drei Frauen sind und wieder ein männlicher Platzbewerber abgewiesen wird, biete ich an, den jungen Mann trotzdem zuzulassen – wir wären schließlich in der Überzahl. Aber da ist der junge Mann schon erschreckt weitergezogen. 

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Für den Umstieg in Leipzig in den IC entschuldigt sich die Bahn, dass leider die Sitzplatzreservierungsanzeige nicht funktioniert. Nun, so lange mein Wagen angehängt ist, habe ich keine Probleme. Ich finde meinen Platz und freue mich wieder über meine Reservierung, denn der Zug ist rappelvoll. Aber nur bis Berlin Hbf. Dann leert sich der Zug. Fast kommen mir Bedenken hinsichtlich der Weiterfahrt – aber alles ist gut. Es ist halt nur wie auf der Autobahn. Wenn die A24 sich von der A19 trennt, dann wird es leer auf der A19. Sehr leer.

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Für die letzten zwei Stunden krame ich wieder mein Strickzeug hervor. Jede Reihe zählt. Ein Typ aus dem Nachbarsitz labert den Typen mir gegenüber voll über die Vorteile eines D1-Vertrages. Mein Gegenüber hat blöderweise verlauten lassen, dass er O2-Kunde ist. Jetzt hat er verloren. Ich setze mir die Ohrstöpsel ein und versuche so zu tun als höre ich ein extrem spannendes Hörspiel. Die Fahrt zieht sich. Aber vielleicht hat der Typ im Nachbarsitz sonst niemanden mit dem er reden kann und der Typ mir gegenüber tut einfach nur ein gutes Werk indem er zuhört. Bewundernswert.

*

Aber die Bahn fährt und fährt und die Räder unter mir hämmern die Kilometer fort. Und dann bin ich auch schon pünktlich da und der Mann steht auf dem Bahnsteig und holt mich ab.

Mobil sein ist schon in Ordnung – aber zu Hause ist es halt doch am schönsten. 

*** Was nicht so schön ist ***

Was nicht so schön ist, ist, dass wir seit einer Weile die A20 vor der Tür haben. 

Da sich auf Höhe Tribsees die A20 ins Moor verabschiedet hat wird der Verkehr folgerichtig umgeleitet. Das tut mir außerordentlich leid für alle die Kraftfahrer, die nun Zeit und Nerven verlieren, während sie über die dörflichen Endlosigkeiten unseres Flächenlandes geführt werden. Aber es tut mir auch leid, um alle die, die an dieser Umleitungsstrecke wohnen und jetzt mit Macht realisieren, welchen Verkehrsdruck die A20 tatsächlich von unseren Straßen nimmt. 

Unsere Straßen sind derzeit ein tatsächlich sehr sehr heikles Thema und ich muss jetzt ganz vorsichtig und bedächtig schreiben, weil ich nämlich sonst gleich wieder in eine Tüte atmen muss. 

Unser schönes Bundesland ist ja ein ein schöner Abenteuerspielplatz für Naturschützer, weil wir hier nämlich noch Natur haben. Diese gilt es zu schützen und, wo sie in Mitleidenschaft gezogen ist, zu renaturieren. 

Wenn man nun also eine wunderschöne Moorlandschaft renaturiert, dann steigen die Wasserstände und stellen errichtete Bauwerke auf die Probe. Sämtliche errichtete Bauwerke. Bei der A20 munkelt man von kostensparenden Innovationen, welche auf die Probe gestellt wurden. Und nun nachgaben. Welches natürlich ein bloßes Gerücht ist, aber nun liegt die Straße im Moor und der schwarze Peter ist unterwegs und keiner will ihn haben.

Währenddessen schieben sich Kolonnen von großen und kleinen Metallkarossen durch kleine und kleinste Orte. Wir selbst kommen kaum aus unserer Seitenstraße, selbst die Postfrau wird angehupt, wenn sie anhalten muss, um Briefe und Pakete auszuliefern. Dann lässt man sie nicht wieder auf die Straße. Jeder will nur so schnell wie möglich die Umleitung hinter sich bringen. 

Das kostet zum Beispiel die Postfrau so viel Zeit, dass die Strecke durch ein zweites Fahrzeug bedient wird, denn Pakete sind hier auf dem Land wichtig, vor allem jetzt in den Zeiten des goldenen Internetzes. 

Früher wäre man vielleicht wegen einer Augenschraube zum örtlichen Schmied gegangen, hätte einen Schwatz gehalten und nach ein paar Tagen sein Ersatzteil abgeholt. Heute aber bestellt man das Teil im Netz. Denn heute hat der Schmied – wahlweise – aufgegeben, weil alle ohnehin im Internet einkaufen, oder aber er ist fit und modern und im Netz aktiv und fertigt gerade irgendwelche Bauteile für einen Kunden in Bayern. Also bestellt man sein Ersatzteil bei einem Großhändler in Bayern, der (durchaus möglich) bei einem Schmied in Mecklenburg fertigen lässt. Vielleicht.

Also sind schon wieder noch mehr Autos unterwegs. Und diese Autos werden außerdem auch immer größer und schwerer. 

Als ob nun das Dilemma mit der A20 nicht reicht, ist nun zusätzlich auch noch Jahresende und in einigen behördlichen Geldtöpfen liegt noch ein wenig Geld herum, was dringend ausgegeben werden muss. Das führt unter anderem dazu, dass ich die große Stadt seit einigen Monaten nur über Um- und Schleichwege errreiche. Die direkte Bundesstraße wird nämlich saniert. Es ist immer wieder ein großes Abenteuer herauszufinden, bis wohin man jetzt noch fahren kann und welche Kreuzungen noch funktionieren. 

Als ob das nicht schon anstrengend genug ist, wird im kommenden Monat auch noch unsere eigene Ortsdurchfahrt konplett gesperrt – die Straßendecke muss erneuert werden. Im gesamten Ort! Und dann anschließend noch weiter südwärts. 

Die Frage ist dann die, was mit der A20-Umleitung passiert – durch unseren Ort geht es dann ja 4 Wochen nicht mehr?

Und die Frage ist, ob und an welcher Stelle dann kostensparende Innovationen verbaut werden und wie lange dann alles hält? Bevor es wie die Autobahn in die feuchte Wiese wegbrichtt. 

Und das ist wirklich nicht schön.

*** Was schön war 41. KW ***

Schön war, dass sich endlich die Regenwolken verzogen und man statt grauem, nassen Himmel mal ein wenig Blau sehen konnte.


Das war so schön, dass ich prompt Wäsche gewaschen habe und diese draußen in die Sonne hing. 

Schön war, dass ich bei diesem Wäscheaufhängen von lautem Kranichgeschrei abgelenkt worden bin und mehrere Minuten das Spektakel am Himmel beobachtet habe. (Kann mir mal jemand erklären, warum die auf dem Foto so klein sind? Die waren so schön dicht und groß – menno!) 


Außerdem war schön, dass wir bei diesem Sonnenschein einfach mal eine Mittagspause unterm Haselnuss eingelegt haben und dort glatt 20 Minuten verschlafen haben.  Noch schöner war, dass wir danach noch sitzen bleiben und Sonne und Wärme und Glück genießen konnten. 


Schön.

*** Aaaarrrggghhhh ***

Bitte ignoriert das Flattern meines rechten Augenlides. 

Und das Zucken des Kopfes hört bestimmt auch bald auf. 

Ich schreibe diese Zeilen unter äußerster Anstrengung mit letzter Kraft als mahnende Erinnerung an mich. 

Sekunde bitte.

O.k. – Geht wieder.

Es gibt auf dieser Welt Dinge, die blendet man nicht umsonst aus. Weil man sich nämlich AUF GAR KEINEN FALL an dieses Elend erinnern möchte. Das führt natürlich dazu, dass man diese noch einmal tut. Nur um sich an die Stirn zu schlagen und zu sagen: ‚Verdxxxte Schexxxe, genauso war das damals auch, ich IDIOT.‘

*atmetmehrereMinutenineineTüte*

Also bringe ich es hinter mich. Es geht um Hagebuttenmarmelade.

Hä? Werdet Ihr jetzt sagen, ‚Hagebuttenmarmelade‘ – nie davon gehört. 

Zu Recht, sage ich Euch. ZU RECHT!

Wie auch immer ich unseren letzten diesbezüglichen Versuch vor vielen Jahren vergessen konnte – es ist passiert. Und weil dieses Jahr in unserem Garten ein schlechtes Obstjahr war und wir deutlich weniger Marmeladen als letztes Jahr eingeweckt hatten, war ich auf der Suche nach weiteren Marmeladengelegenheiten. Und irgendwo in meinem Hinterkopf sagte ein kleines winziges Stimmchen: ‚Wie wäre es mit Hagebuttenmarmelade?‘ (Mach das noch ein einziges Mal, Du winziges kleines Stimmchen. Noch ein einziges Mal – und ich hau Dir sowas von auf die . . . )

Äh – Moment, wo war ich? 

Also Hagebutten. 

Wir fanden auch tatsächlich noch einige wenige nicht überreife und sammelten diese ein. 

Oh weh, oh weh, wie konnten wir diesen mahnenden Fingerzeig des Schicksales nicht erkennen, als es uns nur diese wenigen Früchte zuteilte. Warum nur waren wir so blind gewesen?

Wir nahmen die Hagbutten also mit. Nachdem wir die Früchte gewaschen hatten und unseren Arbeitsplatz eingerichtet hatten, schnitten wir die Frucht auf, schließlich mussten die Kerne entfernt werden. Das war uns schon noch klar. 


Aaahhh – ja. Die Kerne. Ganz langsam dämmerte uns etwas. Der Hausherr und ich tauschten einen erkennenden Blick. Erstens sind nämlich diese Hagebutten nur ein wenig verwertbare Hülle, vollgefüllt mit vielen, ach was sage ich, Unmengen von Kernen. Und zweitens sind diese auch nicht locker. Nein, nein, im Gegenteil. Diese Mistviecher hängen fest. 

Das Schicksal in der Ecke hatte seinen ersten Lachflash. 

Aber wenn den Hausherren und mich etwas auszeichnet, dann unsere Sturheit. Folglich pulten wir Kerne. Nach einer Stunde (Zum Mitschreiben: EINE! STUNDE!) war der Boden des Topfes knapp bedeckt. 


Es fiel uns mit jeder Frucht schwerer, diese zu ergreifen, aufzuschneiden und die Kerne zu entfernen. Missgelaunt hackte ich auf die Kerne in einer Hagebutte ein, um diese vom Fruchtfleisch zu lösen, als der Hausherr innehielt, einen langen Blick auf mich richtete und sprach: ‚Ich erkenne hier einen deutlichen Anstieg des Aggressionsniveaus.‘ Ich gab einen langen Blick zurück und wir legten gleichzeitig Messer und Hagebutten beiseite. Dieser Weg war hier zu Ende. 

Flotte Lotte? Könnte man das Problem vielleicht mit der flotten Lotte lösen? Wir waren so entnervt – wir würden alles, ALLES, versuchen, nur um nicht weiter diese elenden Hagebutten entkernen zu müssen. Also schnitten wir nur die Blütenkelche und Stiele ab und gaben die so vorbereiteten Früchte in den Topf um sie kurz aufzukochen. 


Der Hausherr holte die flotte Lotte und das Schicksal in der Ecke hielt sich den Bauch vor Lachen.

3 (in Worten: DREI!) Esslöffel verwertbares Mus gewannen wir auf diese Weise. 

Resigniert zuckten wir die Schultern. Aber um aus dieser kleinen Menge an Fruchtschalen überhaupt etwas Marmeladenähnliches zu bekommen, gaben wir etwas Rharbarber hinzu. Wir ergänzten um die erforderliche Menge Gelierzucker, ich aromatisierte etwas mit Vanillemark und wir versuchten die Masse aufkochen zu lassen. 

Und so begann ich zu rühren. Zäh zog sich die Zeit, die zum Erwärmen benötigt wurde und zäh wurde die Masse. Wir begutachteten den Topfinhalt und befanden, es müsse ein ein wenig anpürriert werden. Denn niemand würde sich eine Hagebuttenschale im Stück auf das Brötchen legen wollen. Folglich pürrierten wir.

Das Schicksal in der Ecke rieb sich voller Vorfreude die Hände. 

Quasi sofort begann die Masse am Topfboden anzusetzen. Ich konnte gar nicht so schnell rühren, wie es sofort wieder am Topf klebte. 

Mein rechtes Augenlid begann zu flattern. 

Gleichzeitig erreichte die knetähnliche Masse im Topf eine kritische Temperatur (zu kalt zum Einwecken und zu heiß für menschliches Gewebe) und begann kleine Marmeladenlavabröckchen in die Umgebung zu schleudern. Hier half nur noch schnelleres Rühren. Allein – die Rührgeschwindigkeit, die erforderlich ist, um fast kochende Paste vom Bröckchenschleudern abzuhalten muss erst noch erfunden werden. Also rührte ich wie Don Quichote gegen meine Marmeladenpastenwindmühlen an. 

Und mit jedem Bröckchen Marmeladenlava welche meine Haut versengte, zuckte mein Kopf unkontrolliert vor Schmerz. 

Das Schicksal in der Ecke prustete vor Schadenfreude. 

In aller Eile und Hast spachtelte (!) der Hausherr die Masse in die Gläser um noch Schlimmeres zu verhindern. Mit äußerster Not verhinderte er eine Eskalation der beteiligten Parteien.


Nachdem wir diesen, wenn auch kleinen, Sieg errungen hatten, räumten wir das Hagebuttenschlachtfeld auf und säuberten und renovierten die Küche. 

Bitte.

Bitte, bitte, sollte ich jemals wieder auf die Idee kommen, Hagebuttenmarmelade kochen zu wollen, bitte fesselt und knebelt mich und gebt mir Bach und meinetwegen auch Händel zu hören und unbedingt diesen Text zu lesen, auf dass ich mich ERINNERE!

Jetzt muss ich erst einmal zusehen, wie ich dieses Flattern und Zucken wieder loswerde. 

Und morgen schneiden wir uns ein Stück von der Hagebuttenmarmeladenpaste ab und werden diese genüsslich verspeisen.

Und wehe nicht!

*** Blogging on Demand – das Konzert ***

Weißt Du, sagt der Kronsohn, Du könntest ja mal über den gestrigen Abend bloggen. Über das Konzert, frage ich und versuche den Blick von meinem Strickzeug zu lösen, bei welchem ich gerade mal wieder dabei bin, vier Reihen rückwärts zu stricken.

Ja, über das Konzert, bekräftigt der Sohn und sieht mich erwartungsvoll an. 

Nun ja. Warum eigentlich nicht? 

Also, das Konzert:

*** Schnitt – 10 sich überschlagende Tage später, seufz ***

Öhm, also das Konzert. 

Wir hatten also Karten für das Abschlusskonzert der Festspiele MV in der Konzertkirche Neubrandenburg. Aus mehreren Gründen. Einer davon ist die Neubrandenburger Konzertkirche selbst. Ich sag es Euch –  die Neubrandenburger Konzertkirche MÜSST Ihr erleben!

Jedenfalls stand uns dieses Konzert bevor. Die Musiker der Elbphilharmonie spielen Prokofiew und Schostakowitsch. 

Prokofiew und Schostakowitsch. Oh weh. 

Dazu kam erschwerend, dass der Kronsohn mit den Anfängen einer mittelschweren Erkältung kämpfte und wir außerdem Schmorkohl zum Mittag hatten – womit ich kämpfte. 

Aber wir WOLLTEN das Konzert. 

Also Prokofiew und Schostakowitsch.

Das ist keine leichte Kost. Das sage ich Euch. Deswegen hatte auch der Hausherr mich bereits zum Einhören gezwungen, indem er mich an den Stuhl fesselte und knebelte und mir die beiden Konzerte schon mal vorab vorspielte. – Nein Quatsch – natürlich nicht. Alles war völlig freiwillig und ungeknebelt. Und während zweier Angewöhnungsphasen hatte ich mir auch bereits Strategien überlegt, wie ich das Konzert überstehen könnte. Alle Musikliebhaber mögen mir verzeihen, aber zu den beiden Komponisten fehlte mir der Zugang. 

Und dann setzte das Orchester ein.

Vergessen waren alle Befürchtungen. Ich beobachtete die Musiker, wie sie mit Hingabe spielten, freute mich über die Pianistin, welche völlig in ihrer Aufgabe aufging. Und Sehen und Hören verschmolzen zu einem Erlebnis. Zwischendurch linste ich immer mal rüber zum Kronsohn. Aber auch der ließ kein Anzeichen von Schwäche erkennen. Kein Husten, Niesen, Schnauben. Mustergültig verfolgte er mit seinem Monokular das Konzert. An ihm hätten sich einige andere Konzertbesucher ruhig mal ein Beispiel nehmen können. Ich war so stolz auf ihn!

Und dann war schonnPause. Die Zeit war vergangen wie im Fluge. Prokofjew war überstanden und es war gar nicht schlimm. Um Gegenteil – alles war gut. 

Nach der Pause dann mein persönliches Highlight. In Schostakowitschs 5. Sypmhonie hatte ich mich schon ein bisschen besser eingehört und freute mich folglich darauf. Ich wusste, dass ich einige Stellen wiedererkennen würde  und war gespannt vor Erwartung. Ich wurde nicht enttäuscht. Die zweite Hälfte des Konzertes gefiel mir noch besser als die erste und ich freute mich darüber, dass ich mich auf diese beiden Komponisten eingelassen hatte.  Ganz am Rande überlegte ich, ob auch das Orchester am 2. Teil des Abends mehr Spaß hatte? 

Das allerschönste aber war, dass auch der Kronsohn Gefallen an diesem Abend hatte. Trotz Erkältung genoss er die Musik und war offen für das Neue. 

Sicherlich werden wir Schostakowitschs 5. in Kürze auch wieder auflegen und uns dabei an dieses Konzerterlebnis erinnern. 

Wenn Ihr also mal Gelegenheit habt, Schostakowitschs 5. Symphonie im Konzert zu hören – tut es, lasst Euch darauf ein. Es lohnt sich.

Und ich muss jetzt wieder zurück an mein Strickzeug.