Archiv der Kategorie: Rezeptetester

*** Die ungerechtfertigte Glorifizierung von Kindheitserinnerungen ***

Ich muss gestehen, ich habe keine (also ganz wirklich KEINERLEI) Ahnung, wieso ich glaube, mich lebhaft daran erinnern zu können, früher gern Amerikaner (*) gegessen zu haben. Ich weiß ganz sicher, dass ich ein großer Fan von Berlinern (**) war. Das auf jeden Fall. Aber seit einigen Jahren schleicht immer, wenn die Rede auf Amerikaner kommt, so ein nostalgisches ‚Hach ja‘ durch meinen Hinterkopf. 

WIESO?

Nun beschloss ich, es wäre an der Zeit, dieser Nostalgie mal auf den Zahn zu fühlen. Ruckzuck fand ich ein Rezept im Internet und mindestens genauso schnell waren die Dinger zusammengerührt, gebacken, zuckerglasiert und als straubtrocknes Mehlgebäck auf meiner Zunge. 

Pfui – pfah. Also DAS war auf gar keinen Fall das Geschmackserlebnis, welches von meiner nostalgischen Ader erwartet worden war.

Ich schob es auf das Rezept.

In der Zwischenzeit erzählte ich allen, die es hören wollten und den anderen auch, von meiner Amerikanernostalgie und dem falschen Rezept. Mit dem Ergebnis, dass ich zwei todsichere (!) Rezepte bekam, welche sich im Übrigen haargenau als das Rezept entpuppten, welches ich aus dem Netz gefischt hatte. 

Da Aufgeben ein Fremdwort in einer Sprache ist, welche in diesem Haus nicht gesprochen wird, schaute ich mit meinen backerfahrenen Augen auf das Rezept und optimierte ein wenig an Mehlmenge (runter), Milchmenge (rauf) und Bittermandelaroma (dazu) herum und probierte das ganze noch einmal. 

Also der Teig war ja schon mal lecker und die Hümpelchen auf dem Blech ließen sich auch schön anschauen.


Damit ist der schöne Teil der Geschichte dann aber auch bereits beendet.

Nach dem Backen offenbarten sich mir meine Amerikaner als zusammengewachsene Plattitüden.


Trotz alledem versorgte ich die Unterseiten noch mit hinreichend (?) Zuckerguss. 


Ich fand es eine hervorragende Idee, den Zuckerguss für ein paar Teile auch mit rotem Fruchtsaft anzurühren. Das würde einen tollen Farbtupfer UND Fruchtgeschmack geben. Und außerdem war der Zitronensaft alle. 

Dann ging es an’s Verkosten. Nun, was soll ich sagen? Es war erneut genau, also wirklich exakt GENAU, das straubtrockne Mehlgebäck vom letzten Mal, welches ich da auf der Zunge hatte.

Pfui – pfah!

Ich bin jetzt also damit durch und möchte bitte in Zukunft keine Amerikaner mehr backen und und auch nicht essen. Ganz sicher nicht. Und wenn ich irgendwie noch mal ‚Hach ja‘ seufzen sollte, wenn das Gespräch auf Amerikaner kommt – könntet Ihr mir dann bitte diesen Artikel um die Ohren hauen? 

Danke.

(*) Also das Gebäck, keine echten, lebenden!

(**) Auch hier nicht die echten, lebenden. Sondern Pfannkuchen oder Krapfen oder wie auch immer Ihr die in Eurer Ecke dieses Landes nennt.

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*** Käsefüße ***

Nein, es geht hier jetzt nicht um Körperhygiene. Es wird wesentlich leckerer. Sie brauchen also nicht panisch weiterklicken. Es bleibt angenehm. 

Glücklicherweise ist es nämlich so, dass man in diesem Internetz nicht nur grässliches sondern auch jede Menge schönes Zeugs findet. 

Aber gehen wir zeitlich ein kleines Stück zurück . . . 

Weißt Du, Frau, sprach der Hausherr (zum wiederholten Male), es wäre schön, wenn man so abends zum Gläschen Wein etwas ganz kleines, ganz leichtes zum knabbern hätte. 

Der Grund, warum bei diesem Satz bisher immer meine beiden Ohren zum Einsatz kamen (eines für rein und das andere für raus) war ganz einfach der, dass ich wusste, ich bräuchte dem Hausherren nicht mit irgendwelchen gekauften Wasauchimmer kommen. Es sollte doch bitte selbstgemacht sein. Und bio und lecker und am besten ohne Kalorien. So weit so gut und so realitätsfern. Deshalb kamen also regelmäßig meine zwei Ohren zum Einsatz. 

Allerdings ist der Hausherr nicht umsonst schon seit – ähem – Millionen von Jahren mit mir verheiratet. Da er mich folglich schon ziemlich gut kennt wusste er, er brauchte diese Anforderung nur häufig genug wiederholen und irgendwann würde der stete Tropfen den Stein schon höhlen.

Seufz.

Und dann rettete mich ganz schlicht und ergreifend das große weite Internet. Und zwar als ich glücklicherweise mal wieder auf Wolframs Seite landete. Und da war sie. Die Idee, nach der ich solange gesucht hatte. Da waren sie. Die Käsefüße

Umgehend befreite ich meine (immer vorrätigen) Blätterteigscheiben aus dem Frost und rieb mir voller Vorfreude die Hände.

Und stutzte. Und zögerte. Und fluchte. 

VERDAMMT! Ich hatte keine Großmutter von der ich mir einen Fußformausstecher borgen konnte.

Aber ich wäre ja schließlich nun mal nicht da wo ich jetzt bin, wenn ich mir nicht zu helfen wüsste.

Da der Hausherr begeisterter Angler ist habe ich selbstverständlich eine Fischform als Ausstecher. Tadaaa – Problem gelöst.

Obwohl – nicht ganz. Das Verwenden einer Ausstechform führt ja zu heftig vielen unausstechbaren Resten. Das befand ich für hinreichend doof um auf die Verwendung der Ausstechform zu verzichten. Ich vermanschte die bereits entstandenen Reste zu irgendwelchen Pseudovierecken und entschied mich für den restlichen Teig für die praktische Rautenform.

Und ich entschied mich gegen Käse. Auch wenn ich die Nullkalorienrichtlinie bereits verpeilt hatte (Blätterteig – hahaa-haaa) so musste ich ja nicht auch noch Käse drauf tun. Ich probierte stattdessen Salz, Pfeffer und italienische Kräutermischung.

  
Beim Backen musste ich im Gegensatz zu Wolfram die Backzeit erheblich reduzieren und erhielt trotzdem knusprige Schmackerli.

  
Wenn man diese dann auch noch  hübsch auf einem Teller anrichtet, sehen die ja gleich noch einmal so lecker aus.

  
Da ich außerdem dem Hausherren das Vorhandensein von Kalorien in diesem Naschwerk einfach verschwieg (und er so tat, als ob er nicht von selber drauf kommen würde) fanden wir die Nascherei einfach super gelungen.

Ganz konkret fanden wir sie sogar so super gelungen, dass es diese am folgenden Abend gleich noch einmal gab – als Naschereibewirtung unserer Gäste. 

  
Als ich dann für Euch den letzten verbliebenen Nichtkäsefuß fotografieren wollte, griff der Hausherr zu steckte sich diesen einfach in den Mund. Da konte ich für Euch bloß noch den leeren Teller fotografieren. So kann’s kommen.

  
Danke an Wolfram für diese tolle Idee!

*** Rezeptetester: Linsensuppe ***

1. Der Hausherr wünschte sich Linsensuppe. 

2. Ich sah neulich im Fernsehen den Herrn Rainer Sass diese Linsensuppe kochen. Also beschloss ich 

3. genau diese Linsensuppe zu kochen.

Rezepte nachkochen ist ja einer meiner leichtesten Übungen. 

Allerdings begann das Problem schon bei den 2 Möhren. 

2 (in Worten: zwei, ZWEI (!)) Möhren. Hallo – gehts noch? Wer kocht denn hier noch mit NUR ZWEI Möhren? Ich meine, mal ganz ehrlich, erstens sind die gesund und zweitens lecker. Also verdoppel ich das gleich mal. Ach was, gib gleich 6, die sind ohnehin so klein.

Nun als nächstes meinte der Hausherr, er äße ja sehr gern Sellerie und warum denn da nur 1/4 Sellerie ran soll? Und weil natürlich, was mir Recht ist, ihm nur billig sein kann, bekam er seine halbe Sellerie. 

Dann steht da ‚2 Zwiebeln‘. Das ist doch das nächste Problem. Soll ich jetzt große oder kleine nehmen? Ach was, ich nehme einfach die großen. Eine anständige Zwiebel hat noch niemandem geschadet. 

Wir ergänzten das Gemüse um diverse Stangen Staudensellerie, mehrere Kartoffeln  und viele Scheibchen Ingwer. 

Die Möglichkeit der Zugabe einer Chilischote unterschlug ich Weichei dem Hausherren. Pssst, nicht verraten. 

Das ganze schön gewürfelte Gemüse verstauten wir im Kühlschrank . . . 

  
 . . . während wir aus allen, wirklich ALLEN (!) Putzresten (na gut, Ihr habt Recht – nämlich OHNE die Kartoffelschalen) unter Zugabe von Gewürzen 2 Stunden lang die erforderliche Gemüsebrühe kochten. 

Dann ging es an die Vollendung des Rezeptes.

Ich las die weitere Verfahrensnachweise nach. Und stutzte. Las noch einmal. Und rief den Hausherren an: ‚Sag mal, hier steht gar nix von Schinkenspeck. Das kann gar nicht sein. An jede anständige Linsensuppe gehört Schinkenspeck. Oder soll ich das so vegetarisch lassen?‘ Beim letzten Satz hörte man quasi die langen Zähne heraus. 

Glücklicherweise sah der Hausherr das genau wie ich und holte ganz schnell ein anständiges Stück Schinkenspeck für die Suppe.

Von nix kommt ja schließlich auch nix.

Nun zu den Linsen. 250 g Berglinsen steht im Rezept. Dazu ganz klar mein Kommentar:

Ham‘ wa nich!

Wir haben aber ca. 500 g Tellerlinsen. Das ist ja quasi das selbe. Linsen halt. Nun und wenn ich jetzt von der Tüte hier noch 250 g abwiegen soll, dann bleibt ja nur so ein fipselig kleiner Rest, der dann wieder zu nix gebraucht werden kann. Also alle Linsen in den Topf, Wasser drauf und KEIN Salz. Und nach der erforderlichen Garzeit hob ich den Topfdeckel und sagte ‚O!‘ Das waren aber deutlich viele Linsen. Sehr, sehr viele Linsen.

Nun je, es soll ja schließlich auch Linsensuppe werden. 

Dann endlich konnte ich die Zutaten kurz anschmoren, mit dem Gemüsesud ablöschen, 15 Minuten gar köcheln. Anschließend die Linsen dazu, kurz für eine gewisse Grundsämigkeit anpürrieren und mit Salz und Pfeffer abscmecken. 

Auf dem Teller dann noch mit Essig und Zucker verfeinern und: Guten Appetit!

  
Auch wenn wir jetzt das klitzekleine Problem haben, dass wir uns wahrscheinlich die nächsten 3 Monate ausschließlich von Linsensuppe ernähren werden . . . 

  
. . . eines muss man dem Herrn Sass lassen: 

Linsensuppe kann er!

*** Einmal im Jahr ***

Einmal im Jahr – und zwar immer wenn Frühling ist und der Holunder blüht gibt es bei uns Holunderbrot.

Das war noch nicht immer so. Das begann erst, als ich bei fräulein erpaufee ihr Rezept vom Hollerbrot fand.

Da der Hausherr Holunderblütenfan ist und ich außerdem Brot backen kann, dachte ich mir so: warum also nicht?

Schon das erste Brot war ein voller Erfolg, obwohl ich (zugegebenermaßen wie immer) natürlich am Rezept herumgepfuscht das Rezept auf mich optimiert hatte. Ich berichtete bereits darüber.

*räusper*

Jedenfalls hätten wir es dieses Jahr fast vergessen, unser Holunderbrot. Nur durch Zufall fiel es mir beim Umblättern der Brotrezepte in die Hände. Nun, ich brauchte bloß: ‚Oh – Holunderblütenbrot‘ zu sagen, da war der Hausherr schon aufgesprungen und aus der Küche.

Geht doch!

NATÜRLICH habe ich das Rezept wieder auf mich angepasst – ich kann nämlich gar nicht anders. (Dafür habe ich es jetzt so, wie ich es wirklich perfekt finde und für die Zukunft wohl auch behalten werde.)

Also: Am Vorabend setze ich 150 g Mehl mit 10 g Hefe und 200 ml Buttermilch an. Die Schüssel decke ich mit Klarsichtfolie ab, dann trocknet die Oberfläche nicht so an.
Am Backtag mische ich unter 350 g Mehl dann 2 Teelöffel Salz und noch einmal 10 g Hefe sowie die kleingeschnittenen Holunderblüten. Mit denen braucht man auch gar nicht zaghaft sein. 10 Blütendolden passen locker – ich habe sogar den Verdacht, dass mir der Hausherr noch mehr in die Schüssel getan hat . . .

Diese Masse gebe ich zu dem Vorteig vom Vorabend und dann knete ich unter Zugabe von 150 bis 200 ml Buttermilch (abhängig von Teigkonsistenz und Gefühl) dieses alles gründlich zu einem geschmeidigen, feuchten Teig. Der darf dann gehen. So ungefähr 2 Stunden. Genügend Zeit, um die Knetwedel abzuwaschen und den Mixer zu verstauen. Das brauchen wir nämlich nicht mehr!

Nach zwei Stunden forme ich einen runden Laib Brot und zwar auf die folgende Art und Weise: 1. Immer versuchen, die Blasen NICHT aus dem Teig zu kneten – also liebevoll zärtlich. Soviel vorneweg.
2. Nun ziehe ich den Teig auseinander und klappe die obere Hälfte nach unten (auf mich zu). Diesen Halbkreis drehe ich jetzt um 90 Grad gegen die Uhr und klappe erneut die obere Hälfte nach unten. Jetzt den Teig wieder ein wenig auseinanderziehen (bzw. vorsichtig breitdrücken) und wieder: obere Hälfte nach unten falten, 90 Grad gegen die Uhr, obere Hälfte nach unten. Und fortsetzen bei 2. . . .

Irgendwann ist dann die Teigfläche, die immer auf der Arbeitsplatte geblieben ist schön rund und gespannt. Diesen Teigklops befördere ich jetzt genauso (glatte, gespannte) Seite unten in mein Bastkörbchen und stelle dieses zum Gehen in den Ofen.

Irgendwann ist der Teig so gegangen, dass er über den Rand des Körbchens kommt. Dann wird das Brot (VORSICHTIG!) aus dem Körbchen gestürzt – und folglich ist jetzt die glatte Seite oben, nämlich da, wo wir sie für einen schönen Zusammenhalt und tolle Oberfläche auch haben wollen.

Jetzt sofort backen für 45 Minuten bei 190 Grad.

Belohnt werdet Ihr dann mit einem solchen Brot:

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Unglücklicherweise war dieses Brot aufgegessen, noch bevor wir lecker sagen konnten.
Aber die Holunderblütenzeit war ja noch nicht vorbei. Und auch wenn ich glaubte, dass der Hausherr es diesmal mit der Blütenmenge MIT SICHERHEIT übertrieben hätte – nö – alles gut.

Und wieder ausgesprochen lecker!

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Also von wegen, nur einmal im Jahr . . .

*** Update Topfbrot ***

Da ich jetzt ja wieder zu den Lebenden Essenden gehöre, kümmern wir uns jetzt mal um anständig was zu beißen. Und zwar nämlich um mein, wie schon mal ausführlich hier besprochenes Topfbrot.

Dieses war ja schon damals ausführlich gelobt worden. Aber mittlerweile ist es mir (auch wenn ich zugeben muss, dass es zufällig geschah) gelungen, dieses Brot derart zu verbessern, dass alle, also wirklich ALLE, von mir dieses Brot haben wollen.

Tschakka!

Aber der Reihe nach.

Bestimmt erinnert Ihr Euch an dieses Bild, welches ich Euch für die erste Gehphase von 18 Stunden zeigte:

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Eingesperrt, beengt.

Nun hatte ich vor einiger Zeit ausgerechnet diese Schüssel eben NICHT frei und nahm statt dessen meine große, überdimensionierte Hefeteigschüssel.
Diese sah am folgenden Morgen (ohne klebrige Fluchtversuche seitens des Hefeteiges so aus:

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Das Umwälzen erledigte ich dann in meine gebutterte Edelstahlschüssel, welche mittlerweile wieder frei war und nach zwei Stunden schob mein Hefeteig derartige Blasen:

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Dann die übliche Prozedur: den Römertopf schön vorheizen auf 200 Grad Celsius und den Teig in die heiße Form füllen. Den Rest entsprechend dem Rezept. Ich bleibe, das muss ich hier sagen, bei 200 Grad Celsius. Bräunung und Kruste möchte ich nicht noch intensiver haben – aber das ist Geschmackssache.

Heraus kam jedenfalls dieses Brot:

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Großporig, luftig, lecker.

Und der Nachbar sagte zu seiner Frau: „Frau, nimm noch schnell die letzte Scheibe, es ist gleich alle!“

Tschakka!

Ab jetzt also die 18 Stunden immer in der riesigen Schüssel.

Wollte ich Euch nur erzählt haben, vielleicht interessiert es Euch ja?

*** Rezeptetester – Das (!) Brot ***

Morgen backe ich ein Brot! Verkünde ich. Und fast sofort ruft der Hausherr: ‚Oja – ein Topfbrot!‘

So.so.

Das gibt mir also nun die Gelegenheit ein lang gegebenes Versprechen einzulösen.

Wie nämlich hier schon ganz, ganz, ganz lange versprochen, jetzt endlich der Rezeptetesterbeitrag zu: Das (!) Brot:

Gefunden habe ich das Rezept noch vor viel längerer Zeit hier bei http://www.esskultur.at/. Weiß der Geier, wie ich damals auf die Seite gekommen bin – aber nach dem Brotrezept kam ich da auch nicht mehr von weg. 😉

Was mich an diesem Rezept gereizt hat, war die angeblich so tolle Kruste. Denn, ich backe zwar selber tolle Brote, aber Kruste, Kruste kann ich nicht. Also habe ich auch dieses Rezept ausprobiert.

Los gehts:

435 gramm helles weizenmehl werden mit 12 gramm meersalz und 1/4 Würfel Frischhefe sowie knapp 350 ml wasser verrührt. Dabei kommt es nicht darauf an, sehr gründlich und energisch zu kneten. Es genügt, wenn die Zutaten gut verrührt sind, so das der Teig einen gleichmäßigen Eindruck macht. Nun deckt man ein Tuch darüber und lässt das Ganze ca. 18 (!) Stunden gehen. Das ist wichtig, damit der Teig durchsäuert. Das gibt hinterher die saftige Note. Wenn man nun etwas arglos ist, was die Gehfreudigkeit dieses Teiges angeht, erlebt man am folgenden Morgen eine solche Überraschung:

Das-Brot-1

Das-Brot-1

Und darf noch vor dem ersten Kaffee des Tages den Herd putzen. Muss man aber, glaube ich, Masochist sein dafür.

Weil ich das nicht bin, habe ich bei meinen nächsten Testversuchen mich für die ‚halbgeschlossene‘ Variante entschieden. Und die sieht so aus:

Das-Brot-5

Das-Brot-5

Da kann man dann auch ruhigen Gewissens schlafen gehen. 😉

Nach 18 Stunden wälzt man das Brot einfach um, mit ein wenig Mehl – und ganz wichtig: OHNE Kneten. Die Bläschen, welche schon im Teig sind, sollen nämlich erhalten bleiben.

Das-Brot-2

Das-Brot-2

So lassen wir den Teig weitere zwei Stunden rasten. Ich habe mich allerdings bei meinen weiteren Versuchen dann nicht wieder für die Backpapiervariante entschieden, sondern fülle in eine bemehlte Schüssel um. Das macht das Auskratzen leichter.

Während dieser 2 Stunden heize ich nun den Backofen auf 200°C vor. Ganz wichtig hierbei: der Topf, in welchem das Brot gebacken werden soll, muss mit im Herd stehen. Er wird also gleich mit erhitzt! Ich habe mich für einen Römertopf entschieden. Da entfällt die Bastelei mit irgendwelchen nicht hitzebeständigen Griffen.

Nach den oben beschriebenen zwei Stunden füllt man den Brotteig (wieder ohne Kneten) in die heiße Form um. Dann ganz wichtig: Deckel drauf! So bleibt der Teig schon feucht und entwickelt diese Kruste. Eine ganze Stunde bei 200°C backen und dann noch für weitere 15 Minuten den Topfdeckel abnehmen. Vorsicht – das ist alles verdammt heiß!

Das-Brot-3

Das-Brot-3

Das Ergebnis sieht so aus und sobald das Brot Anfasstemperatur hat, darf man kosten. Ich habe beim ersten Mal eine zu kurze Backzeit gewählt. Dadurch war das Brot klitschig und eh‘ ich mich versah, waren meine beiden Männer damit beschäftigt, sich ein Duell mit Brotkügelchen zu liefern.

Deswegen gibt es von meinem allerersten Topfbrot auch nur solche Bilder. Nämlich mit ‚Zupfkrater‘. Hmpf. (Aber wenn Ihr genau hinschaut, könnt Ihr erkennen, dass die Kruste schon weggenascht ist. 😀

Das-Brot-4

Das-Brot-4

Natürlich habe ich nicht aufgegeben.

Zwischenzeitlich habe ich Das (!) Brot schon mindestens  . . . ich weiß nicht wie oft gebacken und es gibt nur ein Problem – es ist immer so schnell alle, dass ich es kaum schaffe, davon ein anständiges Foto zu machen.

Aber einmal ist es mit tatsächlich gelungen. So schaut’s aus:

Das-Brot-6

Das-Brot-6

Und es ist wirklich absolut und oberlecker.

Kleiner Tipp am Rande: Das Topfbrot verzeiht sogar selbstgemahlenes Vollkornmehl.

Und deswegen hier und an dieser Stelle: 5 Sterne an : Das (!) Brot.

Hmmm.

*** Rezeptetester – Folge 2 ***

Irgendwie fehlte mir hier in letzter Zeit der Back- und Kochcontent. War ein bisschen sehr kalorienarm hier . . .  Da ist es doch ein glücklicher Zufall, dass fräulein erpaufee über Hollerbrot schreibt. Nun – ich backe unheimlich gern und der Hausherr liebt Holunderblüten. Da passte ganz klassisch alles zusammen. 😉

Wir sind dann extra am letzten Samstag um 05:30 Uhr zu unserer Holunderstelle gefahren um die im Morgentau am aromatischsten Blüten zu holen – aber Pustekuchen. Erst ein Drittel der Blüten war auf. Also musste das Brot warten . . . (Soviel zum Thema Nordfinnland, liebes fräulein erpaufee, Mecklenburg ist anscheinend schon nordisch genug)

Heute aber, heute war es soweit.

Es stiegen in den Ring: 500 g Mehl, 300 ml Buttermilch, 20 g Hefe, 10 g Salz, 5 g Zucker, Orangenschale, 7 große Holunderblüten und selbstverständlich Frau Spätlese. Einzige Abweichung vom Rezept (*hüstel*) ist meine Weißbrotbackvariation: Ich setze bereits am Abend vorher ein Teil des Mehles (150 – 200 g) mit 5 g Hefe an. Am nächsten Tag, dem Backtag kommen dann das restliche Mehl und die verbleibende Hefe dazu – das verleiht dem Teig so ein bisschen ‚Sauerteigtouch‘ und macht ihn saftiger.

Der Hausherr brachte die Holunderblüten (und schnippelte auch die Blüten von den Stielen *freu*) und ich brauchte lediglich alles anständig verkneten. Dann eine Stunde rasten lassen und dann das Brot formen. Nach dieser Rastzeit verzichte ich grundsätzlich auf das maschinelle Kneten – dabei verliert man die ganzen Lufteinschlüsse im Brot. Also per Hand den Teig ein bisschen stauchen und dann auseinanderziehen um ihn abschließend zu einer Rolle aufzurollen. (So bekomme ich eine schöne Oberflächenspannung und das Brot geht in die Höhe und nicht in die Breite.)

Dann ab in den Backofen und warten. Warten bis das Brot schön aufgegangen ist. Mindestens auf das Doppelte muss es gewachsen sein. Dann erst darf gebacken werden.

Ach und oups, da fällt mir noch die zweite Abweichung auf. Ich backe meine Weißbrote nur noch bei 150 °C, dafür aber etwas länger. Sie sind dann etwas feuchter und erinnern ein wenig an das Ciabattabrot.

Und das hier ist das Ergebnis:

Holunderbrot

Holunderbrot

 

Es ist ein schönes Brot mit einer zarten Holundernote, dass man auch schon pur mit Butter ganz außerordentlich genießen kann. Zu Marmelade kann ich es mir auch sehr schön vorstellen. Und der Hausherr will es jetzt gleich noch zum Abendbrot unter eine geräucherte Makrele tun.
Ansonsten ist das Fazit des Hausherren: „Gleich morgen noch einmal backen – mit noch mehr Holunder!“ – Ahhhh, jaaaa.

Liebes Fräulein Erpaufee, danke für das Teilen des Rezeptes. Es wird in unsere Familie aufgenommen. 😉