Archiv der Kategorie: Neues aus der Villa Huhn

*** Stallpflicht – wozu? ***

Es tut mir ja außerordentlich leid, dass ich Euch schon wieder damit nerve. Aber das Thema liegt mir sehr am Herzen und je mehr Widerspruch verbreitet wird, desto größer ist hoffentlich die Chance, dass dieser Bockmist bald zu Ende ist. 

Aber es gibt Hoffnung. 

Ich bin ganz unbedingt FÜR eine solche Klage und jetzt auf der Suche nach einem Verband, der dieses hier in Mecklenburg-Vorpommern auch tut.

Und hier Aktion Vogelfrei ganz unbedingt lesen und verbreiten und unterstützen!

Außerdem wäre es sehr wichtig, wenn möglichst viele Leute diese Petition unterschreiben. Damit der Bockmist bald ein Ende hat.

Bitte!

*** Meuterei ***

Fröhlich betrete ich den Stall und begrüße meine bunte Hühnerschar. ‚Puuut putt putt putt – guten Morgen ihr Lieben, es gibt Frühstück‘ locke ich und klappere mit dem Futtertrog. Dieses ist ein unwiderstehliches Geräusch für meine kleinen gefiederten Freunde. Oft können sie es gar nicht abwarten, bis das Futter im Trog ist und springen mir schon  vorher auf die Futterschüssel.

Allerdings nicht heute. Es herrscht Grabesstille im Stall. 

Nanu?

Ich locke erneut. ‚Tupfenlola! Kuschelhuhn! Es gibt Frühstück. Wo seid Ihr?‘

Nichts rührt sich. Ich bekomme keine Antwort. Das wird mir jetzt aber ein bisschen komisch. Ich schaue um die Ecke in Richtung Nachtkackbrett. 

Und dort sitzen sie. Tupfenlola, Kuschelhuhn, Althuhn, Fredhuhn. Und der Hahn. Und alle schauen mich mit stiller Verachtung an.

‚Nanu,‘ sage ich ‚welche Laus ist Euch denn über die Leber gelaufen? Seit wann freut Ihr Euch nicht über das Frühstück? Ich habe heute auch wieder ein paar Sonnenblumenkerne und Nüsse dabei.‘

Die Hühner verdrehen ob meiner blöden Fragerei die Augen, Tupfenlola dreht sich demonstrativ um und zeigt mir ihr flauschiges Hinterteil. Fast klingt es, als ob der Hahn genervt seufzt.

Natürlich ist es eine saublöde Frage. Natürlich weiß ich, was sie wollen. Sie wollen raus! Oh nein, Moment, das ist so nicht korrekt. Richtig muss es heißen: SIE.WOLLEN.RAUS! Verdammt noch mal. Diese blöde Stallpflicht dauert jetzt schon  11 (!) Wochen. Und langsam geht das hier aber auch wirklich jedem auf die Ketten. 

11 Wochen nur Stall und der kleine Volierenbereich. Dort ist alles schon zum hundertsten Male umgegraben und durchsucht, während nebenan auf der anderen Seite des Zaunes leckerstes grünes Gras wächst. 

Jetzt sitzen sie nun hier auf der Stange. Gelangweilt, resigniert, frustriert und verstehen die Welt nicht mehr. Aber soll ich ihnen allen Ernstes erklären, dass Sie in Stall und Voliere sicher sind, wenn die Vogelgrippe sogar in geschlossenen Ställen ausbricht, weil sie da angeblich durch die Lüftung gekommen ist? 

Soll ich ihnen allen ernstes erklären, dass sie eingesperrt bleiben müssen, obwohl wir nicht einmal innerhalb einer Vogelflugroute wohnen? 

Macht das alles Sinn? Und wenn ja, welchen? 
Mir geht so vieles durch den Kopf, während ich ihnen ihr Futter einfülle. Dann greife ich mir das Kuschlhuhn und verpasse ihm ein paar Streicheleinheiten, bevor ich es an den Futtertrog lasse, an welchem sich die anderen mittlerweile schon gütlich tun.

Da hilft nix. 

Wir müssen da durch. Ob Sinn oder Unsinn. Ob mehr oder weniger schlecht verhüllte Repressalie. Wir müssen da durch.

Aber aufgeben werden wir nicht. Das verspreche ich meinen Hühnern. Und dann werfe ich ihnen noch ein paar Rosenkohlblätter in die Voliere. Wenigstens ein bisschen Grün.

*** Geflügel-Kurz-und-Klein ***

Sagen wir mal so: Im allgemeinen Geräuschkulissewettbewerb dieses Dorfes belegen unsere Gänse nicht wirklich einen der letzten Plätze.

*

Es ist später Nachmittag, die Dämmerung setzt ein und die Gewerkschaft ‚Flügel und Feder‘ findet sich auf unserer Terasse ein um nachdrücklich kundzutun, dass sie die weitere Verzögerung der fälligen Abendbrotversorgung Scheixxe findet. Der Hausherr und ich losen aus, wer rausgeht um die Terasse wieder begehbar herzurichten.

*

Der Hühnerhof sieht aus, als wäre dort eine Bettfedernfabrik explodiert und meine Hühner stehen mißmutig zerzaust und entfedert im Regen. Wir alle warten sehnsüchtig auf das Ende der Mauser.

*** Gelernt ***

Ich habe heute Folgendes gelernt:

Wenn man sich morgens im Hühnerstall wundert, dass das Nachtkackbrett nicht – und zwar überhaupt GAR NICHT – vollgekackt ist, man also folglich auch gar nicht saubermachen braucht, dann wird es eher nicht daran liegen, dass die Hühner letzte Nacht mal nicht gekackt haben, sondern eher daran, dass die Hühner sehr wahrscheinlich die Schließzeit der Hühnerklappe verpasst haben – das ist ein Nachteil der Automatik – und somit draußen ohne den Schutz des Hühnerstalles übernachtet haben. 

Und da wir ausgerechnet gestern eben mal ausnahmsweise NICHT kontrolliert haben, konnten wir sie auch nicht manuell in den Stall verfrachten. 

Oohhhmmm.

Als kleine Entschuldigung habe ich beim Pflücken der Sauerkirschen für den ‚Altdeutschen Kirschkuchen‘ heute auf dem Hühnerhof immer mal eine Kirsche runterfallen lassen.

Jetzt haben alle meine Hühner tiefrote Kirschkussmünder.

*** Goldene Eier ***

Weil ja nun schon wieder einmal Ostern ist, dachte ich mir, ich singe einfach mal ein Loblied auf unsere Hühner.

Haben die ja auch irgendwie verdient.

Ich habe derzeit 5 Hühner und einen Hahn. Ich hatte auch schon mal nur Hühner und keinen Hahn – aber mit Hahn sind die Hühner einfach glücklicher. Also haben wir einen Hahn. Unser Hahn heißt Spatzi und passt sehr gut auf seine Hühnerdamen. Auf. Also ich meine, er passt sehr gut auf seine Hühnerdamen auf, die da heißen weißes Althuhn, braunes Kuschelhuhn, Tupfenlola, großes beklopptes Huhn und kleines beklopptes Huhn.

Jeden Morgen sammle ich die hinterwärtigen Abfälle vom Kackbrett und gucke, dass auch auf dem Stallboden keine Tretminen herumliegen.

Auch der Hühnerhof wird abgesammelt. Hygiene ist wichtig. Wenn ich mich dabei in gebückter Haltung über den Hof bewege, springt Tupfenlola mir auf den Rücken, puschelt kurz an meiner Pudelmütze und springt, nachdem sie alles für in Ordnung befunden hat, nach einer Minute wieder herunter. Das braune Kuschelhuhn wird jeden Morgen auf den Arm genommen und dann erzählen wir uns, wie der vergangene Tag so war. Dabei lässt sie ganz entspannt die Beine baumeln, während ich ihr vorsichtig über das Gefieder streichle – auf gar keinen Fall soll eine Feder geknickt werden.

Ich werde dabei mistrauisch von Spatzi beobachtet – schließlich sind es seine Hühner. Da sich die Hühner aber nicht beschweren, sieht er keine Veranlassung einzugreifen.

Jeden Morgen füttere ich meine Hühner. Sie bekommen einen Mix aus geriebenen Äpfeln / Möhren und zerstampften Eierschalen und Grit und Haferflocken und gekochten Kartoffeln. Bei den Kartoffeln gebe ich mir besonders viel Mühe. Ich habe mir vieles zusammengelesen und glaube jetzt, dass Zwiebeln und Knoblauch gut sind für die Darmhygiene bei Hühnern. Ebenso Chili (in Maßen) und Thymian. Außerdem soll Mohn gut sein gegen Durchfall. Außerdem gebe ich immernoch einen großen Anteil Möhren dazu – um das ganze etwas aufzulockern. Wenn ich jetzt also die Kartoffeln koche für mein Hühnerpack, riecht es im Keller, als ob wir irgendetwas außerordentlich Leckeres  für uns selbst kochen. Meine fetten Hühner danken es mir. Sie lieben dieses Futter. Alle 5 Tage muss ich Kartoffeln kochen und stampfen.

Außerdem hängt im Stall ein Futterautomat mit Weizen. Quasi als Notreserve, wenn das Weichfutter draußen alle ist und meine Lieblinge am Verhungern sind. In diesen Futterautomat fülle ich pro Woche ungefähr 3 kg Weizen.

Für all diese liebevolle Zuwendung legen mir meine Hühner im Schnitt so drei Eier pro Tag. Im Winter weniger, im Sommer mehr. Je nachdem. Geld verdienen kann ich mit den Eiern nicht. Aber ich habe das außerordentliche Glück wohlschmeckende Eier von glücklichen Hühnern essen zu können.

Wohlschmeckende, vergoldete unbezahlbare Eier von meinen glücklichen Hühnern.

Danke, meine Lieben.

  

*** Egon, wir brauchen einen Plan! ***

Heute ist also der Tag, an welchem die Hühner gelernt haben, dass das Tor zum Hühnerhof für sie keine Hürde darstellt. Es kann nämlich problemlos überflogen werden.

Das stellte die Frau fest, als sie das braune Kuschelhuhn und Tupfenlola in den Johannisbeerbüschen einfing und auf den Hühnerhof bugsierte.

Das stellte der Hausherr fest, als er den Hahn, das weiße Althuhn und das braune Kuschelhuhn aus der Hecke fischte und auf den Hühnerhof bugsierte.

Maßnahme der Stunde war also, das Eingangstor um eine Kükendrahthöhe zu verstärken. Den winzig kleinen Moment, den der Hausherr brauchte, um den Kükendraht aus dem Keller zu holen, nutzten Tupfenlola, der Hahn, das braune Kuschelhuhn und das weiße Althuhn um erneut das Weite zu suchen. Glücklicherweise ist der Schradder unter den Johannisbeerbüschen interessant genug um die Hühner in der Nähe zu halten.

Und noch während wir den Kükendrahlt installierten und die Fluchtmöglichkeit somit erheblich verringerten, inspizierte Tupfenlola eindeutig und nachdenklich den restlichen Zaun um das Hühnergelände.

Man konnte fast sehen, welche Gedanken ihr durch ihren Hühnerkopf gingen: ‚Mist! Alles so hoch! Da kommen wir nie darüber. Egon, wir brauchen einen Plan.‘

*** Leichte Tage – schwere Tage ***

Wer Hühner hält . . .

. . . muss schlachten können.

Erstaunlicherweise lernte ich diesen Spruch erst viel später nach der Anschaffung meiner Hühner kennen. Denn zu Anfang ist immer alles gut. Es ist genau die richtige Anzahl von quickebendigen, gesunden, glücklichen Hühnern auf dem ausreichend großen Hof unterwegs.

Wer Hühner kennt, weiß, dass das nicht so bleibt. Entweder es sind plötzlich viel zu viele (Oh weh – der arme Rasen und wer soll all die Eier essen?) oder aber es geht einem Huhn nicht gut, oder aber (und das ist noch viel trauriger) es stellt sich heraus, dass der Lieblingskuschelhahn (!) sich zu einem wahren Riesen entwickelt hat. So groß und so schwer, dass sich die Hühner unter Geschrei wehren, wenn er seine Hahnespflicht erfüllen will.

Und deswegen gibt es auf jedem Hühnerhof auch immer schöne Tage und schwere Tage.

Und deswegen ist es heute ein schwerer Tag.

Wir sind ein bisschen traurig.

Unabhängig davon hat aber jede Medaille auch zwei Seiten.

Und wir sind trotzdem auch ein bisschen glücklich.