Archiv der Kategorie: Küche & Co

*** Gegen das Novembergrau – 2 ***

Tu Käse drauf.

Überbacke es!

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*** Gegen das Novembergrau – 1 ***

Essen hält Leib und Seele zusammen und vertreibt die bösen Geister. 

Also gehört etwas Leckeres gekocht. Bei uns gab es heute Spaghetti mit Tomatensoße. Nicht sehr spektakulär – ich weiß. Trotzdem war es so lecker, dass mir nicht einmal Zeit für ein Foto blieb.

Dafür zeige ich Euch eine Zutat, die ich verwendet habe. Da hatte ich doch glatt schon beim Kochen ein Lächeln auf den Lippen. 

Nun, da kann ja auch gar nix mehr schiefgehen – oder?

*** Aaaarrrggghhhh ***

Bitte ignoriert das Flattern meines rechten Augenlides. 

Und das Zucken des Kopfes hört bestimmt auch bald auf. 

Ich schreibe diese Zeilen unter äußerster Anstrengung mit letzter Kraft als mahnende Erinnerung an mich. 

Sekunde bitte.

O.k. – Geht wieder.

Es gibt auf dieser Welt Dinge, die blendet man nicht umsonst aus. Weil man sich nämlich AUF GAR KEINEN FALL an dieses Elend erinnern möchte. Das führt natürlich dazu, dass man diese noch einmal tut. Nur um sich an die Stirn zu schlagen und zu sagen: ‚Verdxxxte Schexxxe, genauso war das damals auch, ich IDIOT.‘

*atmetmehrereMinutenineineTüte*

Also bringe ich es hinter mich. Es geht um Hagebuttenmarmelade.

Hä? Werdet Ihr jetzt sagen, ‚Hagebuttenmarmelade‘ – nie davon gehört. 

Zu Recht, sage ich Euch. ZU RECHT!

Wie auch immer ich unseren letzten diesbezüglichen Versuch vor vielen Jahren vergessen konnte – es ist passiert. Und weil dieses Jahr in unserem Garten ein schlechtes Obstjahr war und wir deutlich weniger Marmeladen als letztes Jahr eingeweckt hatten, war ich auf der Suche nach weiteren Marmeladengelegenheiten. Und irgendwo in meinem Hinterkopf sagte ein kleines winziges Stimmchen: ‚Wie wäre es mit Hagebuttenmarmelade?‘ (Mach das noch ein einziges Mal, Du winziges kleines Stimmchen. Noch ein einziges Mal – und ich hau Dir sowas von auf die . . . )

Äh – Moment, wo war ich? 

Also Hagebutten. 

Wir fanden auch tatsächlich noch einige wenige nicht überreife und sammelten diese ein. 

Oh weh, oh weh, wie konnten wir diesen mahnenden Fingerzeig des Schicksales nicht erkennen, als es uns nur diese wenigen Früchte zuteilte. Warum nur waren wir so blind gewesen?

Wir nahmen die Hagbutten also mit. Nachdem wir die Früchte gewaschen hatten und unseren Arbeitsplatz eingerichtet hatten, schnitten wir die Frucht auf, schließlich mussten die Kerne entfernt werden. Das war uns schon noch klar. 


Aaahhh – ja. Die Kerne. Ganz langsam dämmerte uns etwas. Der Hausherr und ich tauschten einen erkennenden Blick. Erstens sind nämlich diese Hagebutten nur ein wenig verwertbare Hülle, vollgefüllt mit vielen, ach was sage ich, Unmengen von Kernen. Und zweitens sind diese auch nicht locker. Nein, nein, im Gegenteil. Diese Mistviecher hängen fest. 

Das Schicksal in der Ecke hatte seinen ersten Lachflash. 

Aber wenn den Hausherren und mich etwas auszeichnet, dann unsere Sturheit. Folglich pulten wir Kerne. Nach einer Stunde (Zum Mitschreiben: EINE! STUNDE!) war der Boden des Topfes knapp bedeckt. 


Es fiel uns mit jeder Frucht schwerer, diese zu ergreifen, aufzuschneiden und die Kerne zu entfernen. Missgelaunt hackte ich auf die Kerne in einer Hagebutte ein, um diese vom Fruchtfleisch zu lösen, als der Hausherr innehielt, einen langen Blick auf mich richtete und sprach: ‚Ich erkenne hier einen deutlichen Anstieg des Aggressionsniveaus.‘ Ich gab einen langen Blick zurück und wir legten gleichzeitig Messer und Hagebutten beiseite. Dieser Weg war hier zu Ende. 

Flotte Lotte? Könnte man das Problem vielleicht mit der flotten Lotte lösen? Wir waren so entnervt – wir würden alles, ALLES, versuchen, nur um nicht weiter diese elenden Hagebutten entkernen zu müssen. Also schnitten wir nur die Blütenkelche und Stiele ab und gaben die so vorbereiteten Früchte in den Topf um sie kurz aufzukochen. 


Der Hausherr holte die flotte Lotte und das Schicksal in der Ecke hielt sich den Bauch vor Lachen.

3 (in Worten: DREI!) Esslöffel verwertbares Mus gewannen wir auf diese Weise. 

Resigniert zuckten wir die Schultern. Aber um aus dieser kleinen Menge an Fruchtschalen überhaupt etwas Marmeladenähnliches zu bekommen, gaben wir etwas Rharbarber hinzu. Wir ergänzten um die erforderliche Menge Gelierzucker, ich aromatisierte etwas mit Vanillemark und wir versuchten die Masse aufkochen zu lassen. 

Und so begann ich zu rühren. Zäh zog sich die Zeit, die zum Erwärmen benötigt wurde und zäh wurde die Masse. Wir begutachteten den Topfinhalt und befanden, es müsse ein ein wenig anpürriert werden. Denn niemand würde sich eine Hagebuttenschale im Stück auf das Brötchen legen wollen. Folglich pürrierten wir.

Das Schicksal in der Ecke rieb sich voller Vorfreude die Hände. 

Quasi sofort begann die Masse am Topfboden anzusetzen. Ich konnte gar nicht so schnell rühren, wie es sofort wieder am Topf klebte. 

Mein rechtes Augenlid begann zu flattern. 

Gleichzeitig erreichte die knetähnliche Masse im Topf eine kritische Temperatur (zu kalt zum Einwecken und zu heiß für menschliches Gewebe) und begann kleine Marmeladenlavabröckchen in die Umgebung zu schleudern. Hier half nur noch schnelleres Rühren. Allein – die Rührgeschwindigkeit, die erforderlich ist, um fast kochende Paste vom Bröckchenschleudern abzuhalten muss erst noch erfunden werden. Also rührte ich wie Don Quichote gegen meine Marmeladenpastenwindmühlen an. 

Und mit jedem Bröckchen Marmeladenlava welche meine Haut versengte, zuckte mein Kopf unkontrolliert vor Schmerz. 

Das Schicksal in der Ecke prustete vor Schadenfreude. 

In aller Eile und Hast spachtelte (!) der Hausherr die Masse in die Gläser um noch Schlimmeres zu verhindern. Mit äußerster Not verhinderte er eine Eskalation der beteiligten Parteien.


Nachdem wir diesen, wenn auch kleinen, Sieg errungen hatten, räumten wir das Hagebuttenschlachtfeld auf und säuberten und renovierten die Küche. 

Bitte.

Bitte, bitte, sollte ich jemals wieder auf die Idee kommen, Hagebuttenmarmelade kochen zu wollen, bitte fesselt und knebelt mich und gebt mir Bach und meinetwegen auch Händel zu hören und unbedingt diesen Text zu lesen, auf dass ich mich ERINNERE!

Jetzt muss ich erst einmal zusehen, wie ich dieses Flattern und Zucken wieder loswerde. 

Und morgen schneiden wir uns ein Stück von der Hagebuttenmarmeladenpaste ab und werden diese genüsslich verspeisen.

Und wehe nicht!

*** Große Liebe ***

Wenn ich ja irgend etwas so richtig toll finde und von ganzem Herzen liebe, dann sind das Ringelblumenblüten.


Ringelblumenblüten bringen Sonne in mein Herz und es gibt sie: 

Im Brot: 


Im Brötchen: 


In der Butter: 


Und auch im Tee:


Im Sommer geht es nicht ohne. 😊

*** Kochtipps ***

Für das Gelingen der Speisezubereitung und ein hervorragendes Geschmackserlebnis benötigt es viele Tricks und Kniffe. Einen davon möchte ich heute verraten. 

Wenn Ihr es einrichten könnt, dann kocht mit LIEBE


So geht das!

*** Von-allem-was-Frühjahrs-Pesto ***

Im Frühjahr geht alles los. Alles! Das Viehzeug ploppt, die Bäume schlagen aus und von überall her kommen plötzlich kleine grüne Triebe, dass es eine wahre Freude ist.

Und weil im Frühjahr eben alles möglich ist, gibt es bei uns auch nur im Frühjahr unser ‚Von-Allem-Was-Frühjahrs-Pesto‘.

Die Zutaten hierfür sind ganz einfach zu ermitteln, nämlich von allem was. Wie der Name schon sagt.

Der Hausherr und ich bewaffnen uns also mit Körbchen und Messer und stiefeln in den Garten und sammeln Zeugs ein. Vorher besprechen wir uns kurz und vereinbaren, wirklich nur eine kleine, eine sehr, sehr kleine Menge Pesto zu machen. Die Erfahrung aus den Vorjahren zeigt nämlich, dass das erste Glas Pesto sehr schnell leergegessen ist, beim zweiten dauert es etwas und das dritte wird durchaus schon mal schlecht im Kühlschrank – aufgrund der nicht verwendeten Konservierungsstoffe.

Also wissen wir, dass wir wirklich nur wenige Kräuter sammeln brauchen. Wir werden also ratzfatz fertig sein.

Wir schneiden uns also voller Vorfreude durch den erwachenden Garten und sammeln ein . . . Brennnesseln . . . Giersch . . . Rauke . . . Petersilie . . . Bärlauch und so Zeugs. Von allem wirklich nur ein wenig. Allmählich füllt sich der Korb.

Am Ende ist der Korb voll und ich muss noch etwas in der Hand tragen und ein wenig dämmert mir, dass wir die Maßgabe ‚nur ein wenig‘ wieder einmal ganz knapp verpasst haben.

Und dann liegt alles in der Küche und das ganze Ausmaß unserer Sammelleidenschaft wird deutlich.


Uff. 

Es dauert ein wenig, alle Blätter von den Stielen zu zupfen. Aber irgendwann ist auch das geschafft und ganz langsam wird deutlich, dass es doch etwas mehr als die geplanten drei Gläser werden. Aber egal, wir werden tricksen. Und zwar frieren wir den Anteil, der über 3 Gläser hinausgeht einfach in einem Becherchen ein und haben dann im Sommer oder im Herbst noch einmal eine kleine Pestoportion. Wir sind nämlich schlau.

 

Als dann der Käse gerieben und die Nüsse gemahlen und gemeinsam mit Salz und Öl unter die klein gehackten Kräuter gerührt sind, zeigt sich, dass wir wohl eher 3 Becher einfrieren werden.  Aber egal. Es ist ja lecker.


Und jetzt genießen wir erst einmal unser ‚Von-Allem-Was-Frühjahrs-Pesto‘.

 

Und nächstes Jahr machen wir wirklich eine kleine Portion.

*** Von der Kunst dem Leben die richtige Würze zu geben ***

Mein Küchenschrank quillt über von Gewürzmischungen. Neben den Standardeinzelgewürzen wie Salz, Pfeffer, Knoblauch, Paprika, Thymian und so weiter gibt es dort Brotgewürz, Kürbiskönig, Kartoffel-Gemüse-Gewürzsalz, italienische Kräutermischung, Sieglindes Erdäpfelgewürz , Gaumenschmaus, Himmel auf Erden, Gute Laune Gewürz und sogar Gewürzblütenmischungen. Um nur eine sehr kleine Auswahl zu nennen.

Ich bin also ein Gewürzmischungenfan und -Sammler. Zugegeben.Und zu alledem gibt es auf diesem Hof eine große Besonderheit. Der Hausherr hat nämlich einen großen Garten und in diesem großen Garten hegt und pflegt er mit Liebe diverse Kräuter, welche er natürlich auch in der Küche verwendet wissen möchte. Natürlich! Daran gibt es bei Koriander, Dill, Bohnenkraut und Basilikum auch gar nichts auszusetzen, denn der Garten liefert hocharomatische Biokräuter, welche der Hausherr außerdem liebevoll und schonend trocknet. Ich möchte wirklich bitte nie, nie wieder getrocknetes Basilikum kaufen müssen. Zum Beispiel.

Mein Problem beginnt nun aber bei den Gewürzmischungen. Es erfordert nämlich großes Geschick von mir, alle meine verschiedenen Gewürzmischungsdöschen immer ausreichend befüllt zu halten. Denn wenn ich dieses ein einziges Mal versäume und der Hausherr findet eine leere Gewürzmischungsdose, dann befüllt er diese selbst. Und natürlich mit den Kräutern aus dem eigenen Garten. 

Seit der Hausherr mich nämlich einmal beim Nachfüllen von ‚Italienische Kräuter‘ mit einem gekauften Nachfüllpack erwischt hat und daraufhin die Inhaltsbeschreibungen SÄMTLICHER Gewürzmischungen durchgelesen hat und dieses mit: ‚Ha, die Kräuter habe ich ALLE selbst!‘ kommentierte – seitdem hat er im Keller eine 1 kg Dose mit seiner individuellen Gartenkräutermischung stehen und sobald eine Kräutermischung in meinem Gewürzregal sich dem Ende neigt- zack – wird diese damit nachgefüllt. 

Bei uns schmecken also die italienischen Kräuter nach Gartenkräutermix, die Kräuter der Provence schmecken nach Gartenkräutermix, die Gute-Laune-Gewürzmischung aus dem Reformladen schmeckt nach – Ihr wisst es bereits – Gartenkräutermix! Seufz.

Aber ich bin nicht umsonst seit 20 (ZWANZIG!) Jahren mit dem Hausherren verheiratet, ich weiß, wie ich mir helfen kann.

Jetzt müsst Ihr mich aber einmal kurz entschuldigen, der Hausherr verlässt gerade den Hof. Ich muss schnell meine italienischen Kräuter nachfüllen. 

Wenn ich nur wüsste, wo ich den Nachfüllpack versteckt habe . . .