Monatsarchiv: November 2017

*** Gegen das Novembergrau – 30 – Urlaub 6 ***

Weißt Du, sage ich zum Hausherren, während mein Blick auf der Wettervorhersage hängt. Weißt Du, sage ich, das Wetter soll hier schlechter werden. Und zu Hause zwei schöne Tage geben. 

Hmmm. Sagt der Hausherr und: Eigentlich haben wir doch alles getan, was wir im Urlaub so tun wollten? Wir sind am Strand gewandert und gelaufen.

Das stimmt, entgegne ich. Und wir waren in mehreren Angelläden und Du hast alles bekommen was Du wolltest. Sogar das Fischernetz.

Richtig! Jetzt leuchten die Augen des Hausherren vor Glück. Und wir haben frischen Fisch gegessen – auch mehrmals. Nur keinen Hummer!

Na gut, sage ich, dafür können wir aber nichts. Der Laden hatte zu. Und wir haben am Kamin geruht und gelesen und gestrickt. Magst Du noch einmal in die Sauna? 

Ach was, antwortet der Hausherr, da war ich auch genug und es ist jetzt außerdem auch ausreichend warm hier. (Da müssen wir beide grinsen, denn das Hüttchen mittels Kamin auf 27 Grad Celsius hoch zu heizen ist schon keine schlechte Leistung.)

Der Hausherr und ich schauen uns an und nicken und so kommt es, dass am nächsten Morgen um 07:00 Uhr der Wecker klingelt und wir zum ersten Kaffee schon mit Taschen packen beschäftigt sind. Kurz nach Öffnungszeit des Vermietungsbüros geben wir Schlüssel und Wäsche ab und machen uns auf die 500 km lange Heimreise.

Noch einmal halten wir kurz bei den rastenden Nonnengänsen und dann rollen wir los. 


Tschüss, bis zum nächsten Mal, liebe Bageri mit all deinem leckeren Kage, tschüss liebe Solbærmarmelade, lieber Familie-Pakke Budding Vaniljesmag, tschüss lieber frisk Fisk. Ich werde dich vermissen, lieber Dagli` Brugsen . . . 

Ist ja gut, ist ja gut, sagt der Hausherr. Du kannst aufhören, wir kommen ja wieder her! 

Tak Danmark!

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*** Gegen das Novembergrau – Urlaub 5 ***

Dieser Urlaub ist so erholsam – wir gewöhnen uns glatt noch das Langschläfertum an. Erst um 09:15 kommen wir aus dem Bett. Sowas aber auch. 

Und trotzdem: Weil es gestern so gut geklappt hat, machen wir das mit dem Laufen heute gleich noch einmal. Das muss sein. 

Zum Glück spielt das Wetter ein bisschen besser mit. 

Das Meer begleitet uns mit seinem Rauschen.


Unermüdlich schlagen die Wellen ans Ufer. Ich kann gar nicht genug bekommen vom Meer. Deswegen sind wir ja auch schließlich hier. Immer wieder bleibe ich stehen und fotografiere. 

Trotzdem ist der Lauf irgendwann zu Ende und nachdem wir einen Minieinkauf absolviert haben verlömern wir den restlichen Tag mit lesen und stricken am Kamin. 

Draußen wird das Wetter inzwischen leicht gruselig. Der Wind nimmt zu und treibt Wolken feines salzigen Nieselregens an die Fenster. 
Wir beginnen ganz langsam nach dem Wetter in der Heimat zu schielen . . . 

Aber ich schreibe erst einmal die obligatorischen Postkarten.

*** Gegen das Novembergrau – Urlaub 4 ***

Für heute hatten wir uns sportliche Betätigung vorgenommen. Es gibt zwar tausend Dinge, die ich lieber täte (z.Bsp. eine ganze Stunde regungslos aus dem Fenster schauen), aber beschlossen ist beschlossen. Und dann ist noch nicht mal der Himmel schön und wir laufen in Richtung Ende der Welt: (noch vor dem Frühstück!)


Aber das Meer ist da und rauscht beruhigend neben uns her. 


Was soll also alles Jammern? Augen zu, Pobacken anspannen und durch. 

Natürlich überlebe ich es und wir genießen anschließend unser hart erarbeitetes Frühstück, bevor es aus dem Hüttchen geht.

In Ringkœbing haben wir dann  ein Stückchen ziemlich ehrliche, unverblümte Gesellschaftskritik gefunden: 


Da kann man gar nicht genug drüber nachdenken und reden! 

Dort habe ich mich auch ganz spontan verliebt: 


(Paul wohnt jetzt bei uns.)

Und zum Abendbrot gibt es Lengfilet und Jacobsmuschelmedaillons in Butter gebraten an Sauvignon Blanc und Vanillepudding mit Früchten der falschen Saison.


Ein guter Tag!

*** Gegen das Novembergrau – Urlaub 3 ***

Man kann zum Beispiel auch ein Leuchten in den Tag bringen, indem man als Wunscherfüller fungiert.

Deswegen habe ich heute dem Hausherren einen Wunsch erfüllt. Er durfte so lange und so ausführlich wie er es selber wollte im Angelladen stöbern. Und zwar ohne dass ich drängele und genervt bin. (Auch wenn in den Weiten des Internetzes das Gerücht existiert, wir würden hier nur rumgammeln (*), das tun wir NICHT! denn als Frau in einem Angelladen nicht gelangweilt sondern entspannt zu sein, ist harte, sehr harte Arbeit!)

Ich jedenfalls habe mein Langeweileproblem schlicht und ergreifend damit gelöst, dass ich mich mit meinem Strickzeug ganz einfach auf einen bequemen Stuhl gesetzt habe und tiefenentspannt vor mich hin gestrickt habe. Und auch über mein Gesicht huschte dann ein Lächeln, als nämlich der Verkäufer anbot, mir einen Kaffee zu bringen.

So geht das!


Der Hausherr hat zwar nicht alles bekommen, was er sich gewünscht hat. Aber das stand nun einmal nicht in meiner Macht.

Dafür haben wir aber auf dem Weg richtig viele Nonnengänse zu sehen bekommen! Ich musste sogar verkehrswidrig anhalten, damit wir uns von Herzen an diesen Federviechern erfreuen konnten. (Wir sind nicht ausgestiegen!)

(*) Pfui schäme Dich, Herr Strempfer, Kinderarbeit! 

*** Gegen das Novembergrau – Urlaub 2 ***

In den Morgenstunden hat der Sturm nachgelassen. Das ist endlich die Gelegenheit für eine schöne Tiefschlafphase. Und irgendwann dann kann man sich von der Sonne auf der Nase und blauem Himmel wecken lassen, kurz frühstücken und nichts wie raus. 

An’s Meer.

Der November hat für heute kapituliert. Aber das Meer ist noch rauh und wild und aufgewühlt durch den Sturm. Es tobt immer noch. 


Es tost und braust und türmt sich auf und wirft die Wellen wie im Zorn an den Strand. 

Wir aber sind kuschelig warm eingepackt und genießen einen sonnigen und überraschend windstillen Tag am Meer. 

Und den November vermissen wir kein bisschen. 

*** Gegen das Novembergrau – Urlaub 1 ***

Eine Möglichkeit, etwas gegen das Novembergrau zu unternehmen, wäre zum Beispiel, den ungastlichen, novembergrauen Ort zu verlassen.

Nach einer mehrstündigen Autofahrt könnte man in Hoffnung auf besseres Wetter zum Beispiel in einem zwar leider ebenfalls novembergrauen Ort, dafür aber in einem gut durchgekühlten Ferienhaus ankommen und ersteinmal den Kamin anwerfen, weil man nicht kapiert, wie die Heizung programmiert wird. Ganz wichtig: die Ferienhausverwaltung anrufen und jammern!

Wenn dann später der Verantwortliche der Ferienhausvermietung kommt, wehen ihm kuschelige 25 Grad Celsius entgegen und ein fröhliches Schulterzucken unsererseits: ‚Wir wissen aber nicht, wie wir es hinbekommen haben? Und wird es morgen auch heizen oder kalt bleiben?‘

Hier zeigt sich, dass Dänen sehr, sehr freundliche und höfliche Menschen sind, die auch an ihrem freien Tag und obwohl sie eigentlich ihr Kind in’s Bett bringen wollen, unendlich geduldig dusseligen Urlaubern erklären, wie die Heizung bedient wird. 

In der Nacht zeigt uns der November sein wahres Gesicht. Wir sind ihm nicht entkommen. Es stürmt. Es tost. Der Wind wirft sich wie ein wildes Tier gegen das Haus (*), rüttelt am Dach, streicht an den Fenstern vorbei und klappert an den Türen. Das Haus ächzt und knarzt und knackt bei dem Bemühen, sich vor dem Sturm möglichst tief in die Dünen zu drücken. 

Wir kennen dieses Haus nicht, alle Geräusche sind uns fremd. Immer wieder nimmt der Wind Anlauf und immer neue Böen schlagen an’s Haus. Die Kiefern vorm Haus beugen sich gespenstisch tief. Wir wollten das nicht. Wir wollten keinen November im Urlaub. Wir kuschln uns tief in die Decken. 

Es tost und stürmt und ruckelt und klappert und knarrt. Die ganze Nacht.

Und wir schlafen sehr, sehr schlecht. 

(*) Nicht, dass jemals irgendein wildes Tier auf die Idee gekommen wäre, sich gegen ein Haus zu werfen – aber es klingt so gut.

*** Gelesen: Die Wand ***

‚Die Wand‘ – das Buch von Marlen Haushofer, habe ich mir vor allem deshalb gekauft, weil ich irgendwann bei youtube den Trailer zum dazugehörigen Film gesehen hatte und mir dachte, ach nö, diese Thematik würde ich mir viel lieber als Buch erlesen. 

Gedacht – getan.

Es geht, laut Klappentext, um eine Frau, welche mit ihrer Kusine und deren Mann ein paar Tage in einem Jagdhaus in den Bergen verbringen will. Die beiden anderen gehen abends noch einmal ins Dorf – und kehren nicht zurück. 

Die Frau geht am nächsten Tag auf die Suche nach den beiden und stößt aber auf ihrem Weg gegen ein unsichtbares Hindernis. Die Wand. Schnell stellt sich diese als unüberwindbar heraus und die Frau muss, ganz auf sich allein gestellt, sich um ihr Überleben sorgen. 

Soviel zur Geschichte – mehr sei nicht verraten. 

Ich habe dieses Buch in einem Rutsch durchgelesen. Es ist gut geschrieben und angenehm lesbar. Die Thematik und deren Aufarbeitung hat mich sehr berührt und beschäftigt mich auch nach dem Weglegen des Buches noch. 

Zwischenzeitlich hat es auch der Hausherr gelesen und auch wenn er am Anfang ein wenig an der ‚konstruierten‘ Wand herumkrittelte, so hat dieses Buch irgendwann auch ihn in seinen Bann gezogen. 

Das ist klasse, denn jetzt können wir unsere Gedanken dazu teilen – und immer wieder kommen wir in unseren Gesprächen darauf zurück. 

Ein gutes Buch, das man gelesen haben sollte.

Gibt es auf Papier gedruckt, als eBook und auch (leider in gekürzter Form*) als Hörbuch. (Und natürlich auch als Film.)

Worauf wartet Ihr noch?
*(Korrigiert mich, wenn Ihr irgendwo eine ungekürzte Ausgabe findet.)