*** Fahr‘ ich halt Zug . . . ***

Ich stehe vor Wagen 7 und möchte zu meinem reservierten Platz. Blöd ist, dass die Tür nicht aufgeht. Dabei habe ich diese vorhin schon offen gesehen, als ich nämlich meinen ökologisch und politisch absolut inkorrekten Kaffee kaufte. Aber jetzt ist sie zu und einige andere auch. Der Schaffner rennt aufgeregt am Zug entlang. Ich aber bin typisch norddeutsch, stehe entspannt vor der verschlossenen Tür, nippe an meinem Kaffee und denke ‚Wird schon.‘ Und es wird.

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Die erste Ansage des Zugbegleiters lautet: ‚Sehr geehrte Fahrgäste, wir fahren heute leider ohne Wagen 14. Da wir komplett ausgebucht sind kann ich Ihnen leider keine Alternativen zu Ihren Reservierungen anbieten.‘ Ich schaue mich im Wagen um und denke ‚Aaahhh jaaa.‘

Aber o.k. es steigen doch noch Leute ein und mit jedem Halt füllt sich der Zug mehr. Ab Berlin ist es dann komplett voll, die Leute sitzen teilweise in den Gängen auf dem Boden und ich freue mich über den vorhandenen Wagen zu  meiner Reservierung.

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Leipzig Hbf. Ich muss jedesmal der irren Versuchung widerstehen in den Passagen shoppen zu gehen. Aber ich habe nur 40 Minuten Umsteigezeit. Reicht also gerade mal für einen Kaffee. Sorry. Dann sitze ich schon im nächsten Zug, stricke ein wenig und verspeise meine mitgebrachten Brote, Tomaten und Möhren  wie so ’ne Omi vom Dorf während die Räder unter mir die Kilometer forthämmern.

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Zwei Tage später die Rückfahrt. Ich entere die Regiobahn. Die Platzsituation ist entspannt, ich habe freie Wahl. Ich entdecke ein ‚Frauenabteil‘ muss lachen und nehme darin Platz. Frauenparkplätze kenne ich schon. Nun auch Frauenabteile. Die Oma, die schon drin sitzt als ich dazu komme, amüsiert sich auch und guckt jeden männlichen Platzinteressenten streng an. Keine Chance. Als wir drei Frauen sind und wieder ein männlicher Platzbewerber abgewiesen wird, biete ich an, den jungen Mann trotzdem zuzulassen – wir wären schließlich in der Überzahl. Aber da ist der junge Mann schon erschreckt weitergezogen. 

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Für den Umstieg in Leipzig in den IC entschuldigt sich die Bahn, dass leider die Sitzplatzreservierungsanzeige nicht funktioniert. Nun, so lange mein Wagen angehängt ist, habe ich keine Probleme. Ich finde meinen Platz und freue mich wieder über meine Reservierung, denn der Zug ist rappelvoll. Aber nur bis Berlin Hbf. Dann leert sich der Zug. Fast kommen mir Bedenken hinsichtlich der Weiterfahrt – aber alles ist gut. Es ist halt nur wie auf der Autobahn. Wenn die A24 sich von der A19 trennt, dann wird es leer auf der A19. Sehr leer.

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Für die letzten zwei Stunden krame ich wieder mein Strickzeug hervor. Jede Reihe zählt. Ein Typ aus dem Nachbarsitz labert den Typen mir gegenüber voll über die Vorteile eines D1-Vertrages. Mein Gegenüber hat blöderweise verlauten lassen, dass er O2-Kunde ist. Jetzt hat er verloren. Ich setze mir die Ohrstöpsel ein und versuche so zu tun als höre ich ein extrem spannendes Hörspiel. Die Fahrt zieht sich. Aber vielleicht hat der Typ im Nachbarsitz sonst niemanden mit dem er reden kann und der Typ mir gegenüber tut einfach nur ein gutes Werk indem er zuhört. Bewundernswert.

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Aber die Bahn fährt und fährt und die Räder unter mir hämmern die Kilometer fort. Und dann bin ich auch schon pünktlich da und der Mann steht auf dem Bahnsteig und holt mich ab.

Mobil sein ist schon in Ordnung – aber zu Hause ist es halt doch am schönsten. 

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