*** Was nicht so schön ist ***

Was nicht so schön ist, ist, dass wir seit einer Weile die A20 vor der Tür haben. 

Da sich auf Höhe Tribsees die A20 ins Moor verabschiedet hat wird der Verkehr folgerichtig umgeleitet. Das tut mir außerordentlich leid für alle die Kraftfahrer, die nun Zeit und Nerven verlieren, während sie über die dörflichen Endlosigkeiten unseres Flächenlandes geführt werden. Aber es tut mir auch leid, um alle die, die an dieser Umleitungsstrecke wohnen und jetzt mit Macht realisieren, welchen Verkehrsdruck die A20 tatsächlich von unseren Straßen nimmt. 

Unsere Straßen sind derzeit ein tatsächlich sehr sehr heikles Thema und ich muss jetzt ganz vorsichtig und bedächtig schreiben, weil ich nämlich sonst gleich wieder in eine Tüte atmen muss. 

Unser schönes Bundesland ist ja ein ein schöner Abenteuerspielplatz für Naturschützer, weil wir hier nämlich noch Natur haben. Diese gilt es zu schützen und, wo sie in Mitleidenschaft gezogen ist, zu renaturieren. 

Wenn man nun also eine wunderschöne Moorlandschaft renaturiert, dann steigen die Wasserstände und stellen errichtete Bauwerke auf die Probe. Sämtliche errichtete Bauwerke. Bei der A20 munkelt man von kostensparenden Innovationen, welche auf die Probe gestellt wurden. Und nun nachgaben. Welches natürlich ein bloßes Gerücht ist, aber nun liegt die Straße im Moor und der schwarze Peter ist unterwegs und keiner will ihn haben.

Währenddessen schieben sich Kolonnen von großen und kleinen Metallkarossen durch kleine und kleinste Orte. Wir selbst kommen kaum aus unserer Seitenstraße, selbst die Postfrau wird angehupt, wenn sie anhalten muss, um Briefe und Pakete auszuliefern. Dann lässt man sie nicht wieder auf die Straße. Jeder will nur so schnell wie möglich die Umleitung hinter sich bringen. 

Das kostet zum Beispiel die Postfrau so viel Zeit, dass die Strecke durch ein zweites Fahrzeug bedient wird, denn Pakete sind hier auf dem Land wichtig, vor allem jetzt in den Zeiten des goldenen Internetzes. 

Früher wäre man vielleicht wegen einer Augenschraube zum örtlichen Schmied gegangen, hätte einen Schwatz gehalten und nach ein paar Tagen sein Ersatzteil abgeholt. Heute aber bestellt man das Teil im Netz. Denn heute hat der Schmied – wahlweise – aufgegeben, weil alle ohnehin im Internet einkaufen, oder aber er ist fit und modern und im Netz aktiv und fertigt gerade irgendwelche Bauteile für einen Kunden in Bayern. Also bestellt man sein Ersatzteil bei einem Großhändler in Bayern, der (durchaus möglich) bei einem Schmied in Mecklenburg fertigen lässt. Vielleicht.

Also sind schon wieder noch mehr Autos unterwegs. Und diese Autos werden außerdem auch immer größer und schwerer. 

Als ob nun das Dilemma mit der A20 nicht reicht, ist nun zusätzlich auch noch Jahresende und in einigen behördlichen Geldtöpfen liegt noch ein wenig Geld herum, was dringend ausgegeben werden muss. Das führt unter anderem dazu, dass ich die große Stadt seit einigen Monaten nur über Um- und Schleichwege errreiche. Die direkte Bundesstraße wird nämlich saniert. Es ist immer wieder ein großes Abenteuer herauszufinden, bis wohin man jetzt noch fahren kann und welche Kreuzungen noch funktionieren. 

Als ob das nicht schon anstrengend genug ist, wird im kommenden Monat auch noch unsere eigene Ortsdurchfahrt konplett gesperrt – die Straßendecke muss erneuert werden. Im gesamten Ort! Und dann anschließend noch weiter südwärts. 

Die Frage ist dann die, was mit der A20-Umleitung passiert – durch unseren Ort geht es dann ja 4 Wochen nicht mehr?

Und die Frage ist, ob und an welcher Stelle dann kostensparende Innovationen verbaut werden und wie lange dann alles hält? Bevor es wie die Autobahn in die feuchte Wiese wegbrichtt. 

Und das ist wirklich nicht schön.

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6 Antworten zu “*** Was nicht so schön ist ***

  1. Es gibt überall auf deutschen Straßen momentan viel Innovation. Wir konnten uns in den letzten Monaten allumfassend davon überzeugen.Warum also sollte Meck-Pomm da eine Ausnahme machen? Und Ihr habt jetzt Großstadtfeeling, ist doch auch was 😉

    • Frau Spätlese

      Das stimmt ja. Wenn man MV verlässt sieht es baustellentechnisch überall gleich aus. Und es sieht nicht aus, als ob das alles irgendwann einmal fertig ist. Es kommt immer neues dazu. Seufz.

  2. Wir sind zwar keine Umleitung für eine Autobahn aber…. mich regen die Raser auf die meinen sie müssen am Ortsschild schon 100 drauf haben… und das noch mindestens bis Dezember. Ihr habt mein vollstes Mitgefühl!

    • Frau Spätlese

      Ja, als ob man dadurch etwas gewinnen würde.
      Auch Du hast mein vollstes Mitgefühl.

  3. Sogar Fefe berichtete über die Infrastrukturapokalypse:
    http://blog.fefe.de/?ts=a7251a12
    Wir haben hier in der Gegend mit der Vollsperrung von Wallhausen gerade was Ähnliches am Start, allerdings halten A6 und A7 noch ganz ordentlich.