Monatsarchiv: Oktober 2017

*** Herbst ***


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Kann auch schön sein.

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*** Fahr‘ ich halt Zug . . . ***

Ich stehe vor Wagen 7 und möchte zu meinem reservierten Platz. Blöd ist, dass die Tür nicht aufgeht. Dabei habe ich diese vorhin schon offen gesehen, als ich nämlich meinen ökologisch und politisch absolut inkorrekten Kaffee kaufte. Aber jetzt ist sie zu und einige andere auch. Der Schaffner rennt aufgeregt am Zug entlang. Ich aber bin typisch norddeutsch, stehe entspannt vor der verschlossenen Tür, nippe an meinem Kaffee und denke ‚Wird schon.‘ Und es wird.

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Die erste Ansage des Zugbegleiters lautet: ‚Sehr geehrte Fahrgäste, wir fahren heute leider ohne Wagen 14. Da wir komplett ausgebucht sind kann ich Ihnen leider keine Alternativen zu Ihren Reservierungen anbieten.‘ Ich schaue mich im Wagen um und denke ‚Aaahhh jaaa.‘

Aber o.k. es steigen doch noch Leute ein und mit jedem Halt füllt sich der Zug mehr. Ab Berlin ist es dann komplett voll, die Leute sitzen teilweise in den Gängen auf dem Boden und ich freue mich über den vorhandenen Wagen zu  meiner Reservierung.

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Leipzig Hbf. Ich muss jedesmal der irren Versuchung widerstehen in den Passagen shoppen zu gehen. Aber ich habe nur 40 Minuten Umsteigezeit. Reicht also gerade mal für einen Kaffee. Sorry. Dann sitze ich schon im nächsten Zug, stricke ein wenig und verspeise meine mitgebrachten Brote, Tomaten und Möhren  wie so ’ne Omi vom Dorf während die Räder unter mir die Kilometer forthämmern.

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Zwei Tage später die Rückfahrt. Ich entere die Regiobahn. Die Platzsituation ist entspannt, ich habe freie Wahl. Ich entdecke ein ‚Frauenabteil‘ muss lachen und nehme darin Platz. Frauenparkplätze kenne ich schon. Nun auch Frauenabteile. Die Oma, die schon drin sitzt als ich dazu komme, amüsiert sich auch und guckt jeden männlichen Platzinteressenten streng an. Keine Chance. Als wir drei Frauen sind und wieder ein männlicher Platzbewerber abgewiesen wird, biete ich an, den jungen Mann trotzdem zuzulassen – wir wären schließlich in der Überzahl. Aber da ist der junge Mann schon erschreckt weitergezogen. 

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Für den Umstieg in Leipzig in den IC entschuldigt sich die Bahn, dass leider die Sitzplatzreservierungsanzeige nicht funktioniert. Nun, so lange mein Wagen angehängt ist, habe ich keine Probleme. Ich finde meinen Platz und freue mich wieder über meine Reservierung, denn der Zug ist rappelvoll. Aber nur bis Berlin Hbf. Dann leert sich der Zug. Fast kommen mir Bedenken hinsichtlich der Weiterfahrt – aber alles ist gut. Es ist halt nur wie auf der Autobahn. Wenn die A24 sich von der A19 trennt, dann wird es leer auf der A19. Sehr leer.

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Für die letzten zwei Stunden krame ich wieder mein Strickzeug hervor. Jede Reihe zählt. Ein Typ aus dem Nachbarsitz labert den Typen mir gegenüber voll über die Vorteile eines D1-Vertrages. Mein Gegenüber hat blöderweise verlauten lassen, dass er O2-Kunde ist. Jetzt hat er verloren. Ich setze mir die Ohrstöpsel ein und versuche so zu tun als höre ich ein extrem spannendes Hörspiel. Die Fahrt zieht sich. Aber vielleicht hat der Typ im Nachbarsitz sonst niemanden mit dem er reden kann und der Typ mir gegenüber tut einfach nur ein gutes Werk indem er zuhört. Bewundernswert.

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Aber die Bahn fährt und fährt und die Räder unter mir hämmern die Kilometer fort. Und dann bin ich auch schon pünktlich da und der Mann steht auf dem Bahnsteig und holt mich ab.

Mobil sein ist schon in Ordnung – aber zu Hause ist es halt doch am schönsten. 

*** Was nicht so schön ist ***

Was nicht so schön ist, ist, dass wir seit einer Weile die A20 vor der Tür haben. 

Da sich auf Höhe Tribsees die A20 ins Moor verabschiedet hat wird der Verkehr folgerichtig umgeleitet. Das tut mir außerordentlich leid für alle die Kraftfahrer, die nun Zeit und Nerven verlieren, während sie über die dörflichen Endlosigkeiten unseres Flächenlandes geführt werden. Aber es tut mir auch leid, um alle die, die an dieser Umleitungsstrecke wohnen und jetzt mit Macht realisieren, welchen Verkehrsdruck die A20 tatsächlich von unseren Straßen nimmt. 

Unsere Straßen sind derzeit ein tatsächlich sehr sehr heikles Thema und ich muss jetzt ganz vorsichtig und bedächtig schreiben, weil ich nämlich sonst gleich wieder in eine Tüte atmen muss. 

Unser schönes Bundesland ist ja ein ein schöner Abenteuerspielplatz für Naturschützer, weil wir hier nämlich noch Natur haben. Diese gilt es zu schützen und, wo sie in Mitleidenschaft gezogen ist, zu renaturieren. 

Wenn man nun also eine wunderschöne Moorlandschaft renaturiert, dann steigen die Wasserstände und stellen errichtete Bauwerke auf die Probe. Sämtliche errichtete Bauwerke. Bei der A20 munkelt man von kostensparenden Innovationen, welche auf die Probe gestellt wurden. Und nun nachgaben. Welches natürlich ein bloßes Gerücht ist, aber nun liegt die Straße im Moor und der schwarze Peter ist unterwegs und keiner will ihn haben.

Währenddessen schieben sich Kolonnen von großen und kleinen Metallkarossen durch kleine und kleinste Orte. Wir selbst kommen kaum aus unserer Seitenstraße, selbst die Postfrau wird angehupt, wenn sie anhalten muss, um Briefe und Pakete auszuliefern. Dann lässt man sie nicht wieder auf die Straße. Jeder will nur so schnell wie möglich die Umleitung hinter sich bringen. 

Das kostet zum Beispiel die Postfrau so viel Zeit, dass die Strecke durch ein zweites Fahrzeug bedient wird, denn Pakete sind hier auf dem Land wichtig, vor allem jetzt in den Zeiten des goldenen Internetzes. 

Früher wäre man vielleicht wegen einer Augenschraube zum örtlichen Schmied gegangen, hätte einen Schwatz gehalten und nach ein paar Tagen sein Ersatzteil abgeholt. Heute aber bestellt man das Teil im Netz. Denn heute hat der Schmied – wahlweise – aufgegeben, weil alle ohnehin im Internet einkaufen, oder aber er ist fit und modern und im Netz aktiv und fertigt gerade irgendwelche Bauteile für einen Kunden in Bayern. Also bestellt man sein Ersatzteil bei einem Großhändler in Bayern, der (durchaus möglich) bei einem Schmied in Mecklenburg fertigen lässt. Vielleicht.

Also sind schon wieder noch mehr Autos unterwegs. Und diese Autos werden außerdem auch immer größer und schwerer. 

Als ob nun das Dilemma mit der A20 nicht reicht, ist nun zusätzlich auch noch Jahresende und in einigen behördlichen Geldtöpfen liegt noch ein wenig Geld herum, was dringend ausgegeben werden muss. Das führt unter anderem dazu, dass ich die große Stadt seit einigen Monaten nur über Um- und Schleichwege errreiche. Die direkte Bundesstraße wird nämlich saniert. Es ist immer wieder ein großes Abenteuer herauszufinden, bis wohin man jetzt noch fahren kann und welche Kreuzungen noch funktionieren. 

Als ob das nicht schon anstrengend genug ist, wird im kommenden Monat auch noch unsere eigene Ortsdurchfahrt konplett gesperrt – die Straßendecke muss erneuert werden. Im gesamten Ort! Und dann anschließend noch weiter südwärts. 

Die Frage ist dann die, was mit der A20-Umleitung passiert – durch unseren Ort geht es dann ja 4 Wochen nicht mehr?

Und die Frage ist, ob und an welcher Stelle dann kostensparende Innovationen verbaut werden und wie lange dann alles hält? Bevor es wie die Autobahn in die feuchte Wiese wegbrichtt. 

Und das ist wirklich nicht schön.

*** Was schön war 41. KW ***

Schön war, dass sich endlich die Regenwolken verzogen und man statt grauem, nassen Himmel mal ein wenig Blau sehen konnte.


Das war so schön, dass ich prompt Wäsche gewaschen habe und diese draußen in die Sonne hing. 

Schön war, dass ich bei diesem Wäscheaufhängen von lautem Kranichgeschrei abgelenkt worden bin und mehrere Minuten das Spektakel am Himmel beobachtet habe. (Kann mir mal jemand erklären, warum die auf dem Foto so klein sind? Die waren so schön dicht und groß – menno!) 


Außerdem war schön, dass wir bei diesem Sonnenschein einfach mal eine Mittagspause unterm Haselnuss eingelegt haben und dort glatt 20 Minuten verschlafen haben.  Noch schöner war, dass wir danach noch sitzen bleiben und Sonne und Wärme und Glück genießen konnten. 


Schön.