Tagesarchiv: 28. Juli 2017

*** Pünktlichkeit ist eine Zier ***

Im Grunde bin ich ein pünktlicher Mensch.

Ah – ja.

Moment, wir müssen kurz warten, bis der Lachanfall meiner Mutter vorbei ist. Ähem – darf ich Dir aufhelfen? Geht’s wieder?

Also gut. Beginne ich halt anders. 

Im Grunde wäre ich sehr gern ein pünktlicher Mensch. 

So ist es besser. 

Also: Im Grunde wäre ich sehr gern ein pünktlicher Mensch, weil ich die Verlässlichkeit von pünktlichen Menschen sehr schätze. Aber ich selber – ich selber kriege das irgendwie nicht hin. Ich bin immer die von der alle sagen: Ach die, die kommt eh‘ später.‘ 

Dabei nehme ich mir immer wieder, bei jedem anstehenden Termin, ganz wie wild vor, pünktlich zu sein. Ich plane sogar die Zeitabläufe. Ehrlich. 

Hör‘ auf zu lachen, menno!

Ich weiß zum Beispiel ganz genau, wann ich spätestens vom Hof muss, um pünktlich zu sein. Sei es bei der Mutter, im Kino oder wo auch immer oder meinetwegen als Beispiel hier bei der Musikschule. 

Ich kenne die konkrete, pünktliche Abfahrtszeit – in Theorie. 

Und dann grätscht mir die Praxis dazwischen. 

Ich stehe also vom Frühstückstisch auf und der Blick auf die Uhr sagt mir: ‚Boah – heute bist Du sooo pünktlich! Noch eine halbe Stunde Zeit bis zur Abfahrt. Alles ist gut.‘

Und noch während ich das denke, schaltet jemand den Zeitraffer an. Ungelogen.

Ich muss doch noch das Frühstücksgeschirr wegräumen und selbstverständlich gründlich in’s Bad, muss noch schnell die Flaschen für den Container einpacken und noch schnell dies und noch schnell das und dann ist es plötzlich 08:30 und ich habe noch nicht einmal das Saxophon bereitgestellt. Geschweige denn die Noten in der Tasche. 

Theoretisch müsste ich mich ja jetzt schon auf dem Weg zum Auto sein. 

Also noch schell das Saxophon und die Noten zum Auto, noch schnell Antischwitz unter die Arme, Duft an den Körper, welche Schuhe ziehe ich an und – welche Jacke? Ein  prüfender Blick zum Wetter. Jacke an, ach und noch schnell die Einkaufsliste für den Rückweg abfotografieren. Mist, jetzt hätte ich fast das Containerglas vergessen. Noch schnell den Hausherren ausfindig machen und kurz herzen und drücken zum Abschied und dann sitze ich endlich im Auto und ich weiß, ich hätte vor 10 Minuten losfahren müssen, um pünktlich zu sein.

Und so ist es immer. 

Stehe ich noch früher vom Frühstückstisch auf, so fallen mir garantiert noch viel mehr andere Dinge ein, die ich erledigen MUSS! (Und die ich erledigen kann – denn ich bin ja sooo früh dran.) Ich habe es sogar schon mal geschafft, noch schnell Vanillesoße zu kochen – weil ja schließlich noch genügend Zeit war. Natürlich mit dem Ergebnis, dass ich zwar auf die Minute in die Musikschule gestürmt kam – aber eben nicht mit zusammengebautem und eingeblasenem Instrument. Seufz.

Und so ist es immer! Und wenn ich als allerletztes minutenlang den Autoschlüssel suchen muss. Irgendetwas ist immer. 

Aber ich gebe nicht auf und gebe mir weiter Mühe und vielleicht, vielleicht bin ich ja irgendwann tatsächlich ein pünktlicher Mensch.