*** Die ungerechtfertigte Glorifizierung von Kindheitserinnerungen ***

Ich muss gestehen, ich habe keine (also ganz wirklich KEINERLEI) Ahnung, wieso ich glaube, mich lebhaft daran erinnern zu können, früher gern Amerikaner (*) gegessen zu haben. Ich weiß ganz sicher, dass ich ein großer Fan von Berlinern (**) war. Das auf jeden Fall. Aber seit einigen Jahren schleicht immer, wenn die Rede auf Amerikaner kommt, so ein nostalgisches ‚Hach ja‘ durch meinen Hinterkopf. 

WIESO?

Nun beschloss ich, es wäre an der Zeit, dieser Nostalgie mal auf den Zahn zu fühlen. Ruckzuck fand ich ein Rezept im Internet und mindestens genauso schnell waren die Dinger zusammengerührt, gebacken, zuckerglasiert und als straubtrocknes Mehlgebäck auf meiner Zunge. 

Pfui – pfah. Also DAS war auf gar keinen Fall das Geschmackserlebnis, welches von meiner nostalgischen Ader erwartet worden war.

Ich schob es auf das Rezept.

In der Zwischenzeit erzählte ich allen, die es hören wollten und den anderen auch, von meiner Amerikanernostalgie und dem falschen Rezept. Mit dem Ergebnis, dass ich zwei todsichere (!) Rezepte bekam, welche sich im Übrigen haargenau als das Rezept entpuppten, welches ich aus dem Netz gefischt hatte. 

Da Aufgeben ein Fremdwort in einer Sprache ist, welche in diesem Haus nicht gesprochen wird, schaute ich mit meinen backerfahrenen Augen auf das Rezept und optimierte ein wenig an Mehlmenge (runter), Milchmenge (rauf) und Bittermandelaroma (dazu) herum und probierte das ganze noch einmal. 

Also der Teig war ja schon mal lecker und die Hümpelchen auf dem Blech ließen sich auch schön anschauen.


Damit ist der schöne Teil der Geschichte dann aber auch bereits beendet.

Nach dem Backen offenbarten sich mir meine Amerikaner als zusammengewachsene Plattitüden.


Trotz alledem versorgte ich die Unterseiten noch mit hinreichend (?) Zuckerguss. 


Ich fand es eine hervorragende Idee, den Zuckerguss für ein paar Teile auch mit rotem Fruchtsaft anzurühren. Das würde einen tollen Farbtupfer UND Fruchtgeschmack geben. Und außerdem war der Zitronensaft alle. 

Dann ging es an’s Verkosten. Nun, was soll ich sagen? Es war erneut genau, also wirklich exakt GENAU, das straubtrockne Mehlgebäck vom letzten Mal, welches ich da auf der Zunge hatte.

Pfui – pfah!

Ich bin jetzt also damit durch und möchte bitte in Zukunft keine Amerikaner mehr backen und und auch nicht essen. Ganz sicher nicht. Und wenn ich irgendwie noch mal ‚Hach ja‘ seufzen sollte, wenn das Gespräch auf Amerikaner kommt – könntet Ihr mir dann bitte diesen Artikel um die Ohren hauen? 

Danke.

(*) Also das Gebäck, keine echten, lebenden!

(**) Auch hier nicht die echten, lebenden. Sondern Pfannkuchen oder Krapfen oder wie auch immer Ihr die in Eurer Ecke dieses Landes nennt.

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Eine Antwort zu “*** Die ungerechtfertigte Glorifizierung von Kindheitserinnerungen ***

  1. Das Rennen „Ami gegen Berliner“ hat hier einen klaren Favoriten. Und für den muss man nicht irgendwelche Meere überqueren. Listigerweise gibt’s bei uns Berliner, zwei Kilometerweiter dann schon Krapfen.