*** Offline ***

Eines habe ich in der vorletzten Woche gelernt. Etwas sehr grundlegend Wichtiges, Unumstößliches. Es ist nämlich (Überraschung!) so, dass DB-App und Maps-App (und alle anderen Apps auch) völlig umsonst und nutzlos sind, wenn man auf große Fahrt geht und das Handy zu Hause auf dem Tisch liegen lässt. Fragt mich nicht, wie das passieren konnte, aber der Hausherr lacht immer noch bei dem Gedanken an mein Gesicht in dem Moment, als ich feststellte, dass ich mein Handy nicht dabei habe. Das war ungefähr 5 Minuten nach Abfahrt des Zuges und ich realisierte, dass mir 28 Stunden ohne mein Lieblingskörperteil bevorstanden. 28 Stunden ohne Handy.

Mit verkrampften Gesichtsausdruck und zitternder Oberlippe starrte ich regungslos aus dem Fenster und hatte auf einmal ganz viele Bedürfnisse, ganz gleich und sofort mit dem Handy etwas erledigen zu müssen. Die Haltestellen checken bis zur Ankunft. Den Weg von der S-Bahn zum Hotel heraussuchen. Einen Blogbeitrag schreiben. Die Familie kontaktieren. Fotos machen.

Fotos machen – Oh Gott – wir fahren in ein Konzert und ich bin nicht in der Lage, Fotos zu machen. Ich schwöre, der Weltuntergang hätte es nicht viel schlimmer machen können.

In Rostock mussten wir umsteigen. Eine gute halbe Stunde bis zum nächsten Zug. Neben uns auf der Wartebank saß eine Frau, die hätte meine Mutter sein können und klöppelte einen Text nach dem anderen in ihr Handy. Im Zug dann, wohin man auch schaute, Handys, Tablets, Notebooks.

Nun, was blieb mir übrig? Ich schaute aus dem Fenster und begann mein Schicksal anzunehmen.

Aus dem Zugfenster sah ich grüne Wiesen auf denen sich Rehe versteckten. Ich sah Fischreiher an Teichen und Tümpeln. Ich sah Seen, denen es nicht ganz gelang, sich hinter Wäldern zu verstecken.

Ich beobachtete Leute im Zug und machte ein wenig die Augen zu.

Entspannung pur.

Wir verpassten keinen Aus- und Umstieg und kamen problemlos in Berlin an. Das Hotel war nicht zu verfehlen und wo unser Abendevent stattfinden sollte wussten wir schon aus früherer Erfahrung.

Gelegentlich nötigte ich den Hausherren, endlich mit seinem Handy ein Foto zu machen. Aber ich genoss das Konzert von Brit Floyd bis zur letzten Minute – und zwar ohne auf ein Display zu schauen.

Es ging. Es ging tatsächlich.

Es war möglich, offline zu überleben.

Und für Euch habe ich heute die allerallerallerletzte Zugabe des Konzertes. (Denn genügend andere hatten ihre Handys mit. 😁)

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2 Antworten zu “*** Offline ***

  1. Elektronische Fußfessel. So nannte mein GöGa die smarten Phones. Bis er selbst eines besaß. 😉