*** Ländliche Idylle ***

Sagen wir mal so, Menschen wohnen ja nicht umsonst da, wo sie wohnen. Ich, zum Beispiel, bin ganz sicher kein Stadtmensch. Ich brauche die Ruhe. Nicht, dass ich es nicht probiert habe. Ich habe 4 und ein halbes Jahr in Berlin studiert und auch dort gewohnt und das Stadtleben teilweise auch genossen. Ob das zur hinreichenden Beurteilung genügt, sei dahingestellt. Ich musste dort keine Kinder an Bildungseinrichtungen übergeben, ich brauchte nahezu keinen Arzt und und und. Aber der Stress, die Hektik, die Lautstärke. Das ist nichts für mich.

Jetzt jedenfalls wohne ich jwd auf dem platten Land. Und ich finde das schön. Ich genieße die ländliche Idylle, die Ruhe, die Entspannung.

Das geht schon morgens vor dem Weckerklingeln los, wenn die Amseln erwachen und sich schon um die ersten Futterplätze streiten. Dann beginnen die Enten und die Gänse zu rufen, die ersten Autos verlassen die Siedlung. Hähne krähen.

Dann nach dem Frühstück, wenn draußen die Straßenreinigung vorbeifährt, beginnt schon der eine oder andere Nachbar mit dem Rasenmähen. Der eine oder andere Hund bellt sehnsüchtig nach seinem Herrchen. 

Später beginnt der Nachbar hinten links mit seinen Betonstemmarbeiten. Wir vermuten ja, dass er irgendwie Betonkünstler ist (so in der Art), jeden Sommer hat er wirklich zu tun mit Schlagbohrmeißel & Co. 

Zum Mittag dann kommt das Nachbarskind von gegenüber aus dem Kindergarten und beschwert sich lautstark – worüber auch immer. Die Hunde bebellen euphorisch die Heimkommenden.

Nachmittags setzt sich die Rasenmäherparade fort. Autos mit vollen oder auch leeren Anhängern rumpeln durch die Siedlung. Erste Heimwerkertätigkeiten sind zu hören. Es wird gebohrt, gesägt, gehämmert. Am Kreisel erschrillt sich ein Martinshorn die Vorfahrt. Eine Querstraße weiter übt der Sohn Schlagzeug. Ich lasse mich davon an mein Saxophon motivieren. Die Nachbarhunde bellen im Takt.

Abends kommt das Dorf zur Ruhe. Nur  noch vereinzelt überschreitet ein Auto die zulässige Geschwindigkeit und rumpelt durch die Schlaglöcher. Gegenüber ertönt laute Musik in der Garage und kämpft gegen die Kärchergeräusche an. 

Es wird dunkel. Vor lautet Langeweile bellen die Hunde die letzten Heimkehrer an. Nebenan brüllt der Nachbar seinen Hund an: Sitz! Platz! Aus! In schneller Reihenfolge, immer wieder. Wahrscheinlich hat der Hund einen Igel gefunden und gibt diesen nicht wieder her.

Und dann irgendwann ist Nacht in der Siedlung. Vom Wald herüber dringen Käutzchenrufe. 

Also, in der Stat wohnen – das könnte ich nicht. Dieser permanente Krach und kaum ein bisschen Ruhe.

Da lob‘ ich mir meine ländliche Idylle.

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2 Antworten zu “*** Ländliche Idylle ***

  1. Also ich finde ja, dass es bei uns in der Stadt im Vergleich zum Land total leise ist. Echt jetzt 😉

    • Frau Spätlese

      Laubbläser! Ich habe vergessen, die Laubbläser in meiner Idyllenbeschreibung einzuarbeiten.
      *orrrrr*