*** Liebes Finanzamt ***

Du gehst mir schlicht und ergreifend auf den Sack.

Langsam bin ich mir ziemlich sicher, dass Du es ganz eindeutig auf billigen Beschiss des Steuerzahlers abgesehen hast. – Wer keine Ahnung hat, wird über den Tisch gezogen.

Und wenn sich doch einer wehrt, wird er für doof verkauft.

Zwei Beispiele, die jetzt keine Woche alt sind und mich (unter anderem) zum HB-Männchen machen.

Beispiel 1: Wir bekommen unseren Einkommensteuerbescheid für 2015 und fast möchte man sich freuen, dass dieser ganz genau so ergangen ist, wie von der ElsterOnlineSoftware ausgerechnet wurde. Aber halt. Nur fast. Denn auch die ElsterOnlineSoftware enthält schon einen Fehler. (Fehler – hahaahaaa). Die Berechnung der Vorsorgeaufwendungen (Versicherungen und so’n Kram) erfolgte dort nämlich zu meinen Ungunsten. Laut Gesetz steht mir eine günstigere Berechnung nach Rechtsstand 2004 zu.

Das weiß ich aber nur, weil ich auf eine professionelle Steuersoftware zurückgreifen kann. Könnte und wüsste ich das gar nicht und würde mich wie dolle freuen, dass meine Steuererklärung 1:1 übernommen wurde. Und ich würde um ca. 100 € beschissen werden.

Dann, liebes Finanzamt, versuchst Du auch noch, meinen Einspruch abzubügeln mit der Begründung ich hätte falsch gerechnet. (Also die Profisoftware hätte falsch gerechnet.) Zum Glück kann ich Gesetze lesen und habe dieses auch im Haus. Also muss ich Dir schon wieder einen Brief schreiben und darauf verweisen, dass DU scheinbar keine Ahnung hast oder haben willst. Ich bin gespannt auf Deine Antwort.

Beispiel 2: Ich bekomme für unsere Firma sehr schnell den Steuerbscheid 2015 zugesendet und freue mich über die fixe Bearbeitung. Aber im Kleingedruckten Erklärungsbereich finde ich den Hinweis, dass die steuerfreien Einnahmen nicht gewinnmindernd berücksichtigt werden konnten, weil diese nicht nachgewiesen wurden. Echt jetzt? Liebes Finanzamt, sonst forderst Du vor jedem Bescheid Millionen Belege an, um zu überprüfen, ob die Gehaltszahlungen stimmen oder der Vorsteuerabzug oder die Instandhaltungsaufwendungen. Aber wenn es darum geht, etwas zu meinen Gunsten zu berücksichtigen, dann verzichtest Du auf eine Beleganforderung und erlässt mal eben schnell einen Bescheid? Zu Deinen Gunsten? Zu meinen Ungunsten? In der Hoffnung, ich prüfe den nicht? In der Hoffnung, ich finde die Abweichung nicht? In der Hoffnung, ich bin zu faul, einen Einspruch zu schreiben?

Oder, liebes Finanzamt, ist es vielleicht ganz einfach so, dass Du Langeweile hast und gerne eine Brieffreundschaft aufbauen möchtest. Vielleicht hast Du ja sonst nix zu tun und musst Dir ganz dringend etwas einfallen lassen, damit Dir jemand schreibt?

Oder hast Du finanzielle Probleme, kommst mit Deinem Geld nicht aus und möchtest jetzt mehr Geld haben, als Dir eigentlich zusteht?

Ich möchte mein Geld aber bitte nach Möglichkeit in der mir zustehenden Höhe auch selber behalten. Wenn ich Geld spenden möchte, entscheide ich bitte selber wem und wieviel.

Liebes Finanzamt, ich möchte auch keine Brieffreundschaft mit Dir. Der gelegentliche, jährlich erforderliche Schriftverkehr mit Dir genügt mir.

Ich möchte einfach nur ganz schlicht und ergreifend meine Arbeit richtig machen. Und das wünsche ich mir auch von Dir.

Also geh‘ mir nicht auf den Sack!

 

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