*** WMDEDGT 2016-07-05 ***

Oder: Leben 1.0

Der Wecker klingelt um 06:15 Uhr. Wie geil ist das denn? Das ist so klasse, so toll, da fehlen mir die Worte. Und ich weiß, was ich sage! Ich bin nämlich die letzten vier Wochen um 05:00 Uhr aufgestanden. Und wenn ich eines mit Sicherheit weiß, 05:00 Uhr geht gar nicht. Das geht so was von gar nicht, das ist so furchtbar. Das ist so konträr zu meinem Biorhythmus, das gehört im Grundgesetz ausdrücklich verboten. So was von! Und deswegen bin ich so außerordentlich glücklich, dass der Wecker erst um 06:15 klingelt. Nun, und nach dem ersten Snooze bequeme ich mich dann auch tatsächlich aufzustehen.

Als nächstes gibt es Kaffee. Und Frühstück. In dieser Reihenfolge. Kaffee ist wichtig und einer der engsten Freunde meines Blutdruckes. Beim Frühstück stehen dann die Gänse am Tisch und betteln nach Leckerli. Ich schimpfe umsonst mit dem Hausherren, dass er die Viecher nicht so verwöhnen soll. Nicht umsonst stehen sie nur bei ihm und gucken ihn mit großen treuen Augen an. Und wenn er kein Leckerli rüberreicht kneifen sie ein bisschen in seinen Oberschenkel, das hat er nun davon.

Nach unserem Frühstück gibt es Frühstück für die Hühner. Heute mit lecker Surimi. Ich habe mich nämlich verkauft. Igitt. Surimi. Wie konnte mir das passieren. Dabei stehr es groß und deutlich auf der Packung. Zu blöd. Aber zur großen Freude der Hühner schmeißen wir ja nichts einfach so weg.  Nach dem Frühstück mähe ich den neuen Rasen auf dem kleinen Hühnerhof. Rrrrrrrrt rrrrrrrt rrrrrrt schrammele ich mich mit meinem TT300s über die knapp 30 qm. Längs hin und her und noch einmal quer hin und her und dann noch einmal längs. Dann ist alles schick und der Hausherr lästert, dass der Hühnerhofüberbrückungsrasen schöner aussieht als der in unserem Garten. Vielleicht sollten wir mehr Zeit hier verbringen?

Anschließend helfe ich dem Hausherren einen Zaun um die Johannisbeeren zu ziehen, denn wie wir herausgefunden haben fressen die Gänse außer Dill, Rittersporn, Studentenblumen, Ackerschachtelhalm, Astilbe, Koriander, Petersilie, Salat, Stachelbeeren und allem anderen was einem im Garten lieb und teuer ist dann außerdem auch noch Johannisbeeren. Als ob kein Rasen da wäre.

Nun Zähneputzen, Betten machen und mich selber noch einmal frisch machen – ich bin erst zwei Stunden auf und schon verschwitzt. So was blödes aber auch. Und schon um 09:30 verdrücke ich mich ins Büro. Dort vergesse ich über knicken, lochen, abheften, überweisen, telefonieren die Zeit. Ich bekomme neue Unterlagen reingereicht und dann klopft der Mieter des Nachbarbüros an die Tür. Als Dankeschön für unsere freundliche Paketannahme stellt er mir ein Fläschlein allerliebsten Proseccos auf den Tisch. Hach.

Dann ruft mich der Hausherr aus der Küche zu sich. Die Himbeermarmelade wäre einfüllbereit. Marmeladekochen ist bei uns nämlich Teamarbeit. Ich fülle ein und er verschließt. So sind wir ruckizucki mit den 10 Gläsern durch und ich darf schon wieder ins Büro. Dort schreibe ich erst einmal den bisherigen Tagesablauf in meinen Blog. Sonst vergesse ich noch etwas.

Dann wühle ich mich noch ein wenig durch die Buchhaltung – ich habe bestimmt schon mal erzählt, dass ich klar strukturierte Zahlen liebe – ja? Aber viel Zeit für meine heißgeliebten Zahlen habe ich heute nicht. Um 14:30 Uhr habe ich Saxophonunterricht. Diesen habe ich immer noch nicht aufgegeben, weil ich ja stur bin. Aber so was von. Außerdem macht es mir Spaß. Freundlich begrüße ich meinen Lehrer mit der Frage, ob er sich denn auch ausreichend Ohropax mitgebracht hätte? Er lächelt leise weise in sich hinein.

Leider gibt es heute nur eine Kurzversion Unterricht. Nach 30 Minuten ist Ende, denn der Hausherr und ich wollen ins Kino fahren. Hört, hört. Also schnell Mittag in die Pfanne, in den Hals, Geschirr in die Küche und stehen lassen bis nachher und ab ins Auto. Ich erzähle nicht, welches Jackett sich der Hausherr ausgesucht hatte und wie oft ich ihn wieder losgeschickt habe, sich ein anderes auszusuchen. Orrrrrr. Jedenfalls kamen wir zu spät los. Denn eigentlich wollten wir vor dem Kino noch einen Toaster kaufen, aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls waren wir pünktlich beim Film (und aßen lieber noch eine Kugel Eis vorher, anstatt dass wir uns die WErbung anschauten). Dabei amüsierten wir uns königlich darüber, wie leergefegt die Rostocker Einkaufsstraße plötzlich war, nur weil es regnete. Und wir wurden ein bisschen nass. Weil wir noch Zeit hatten, kauften wir auch noch 2 kg Aprikosen für Marmelade, aber keinen Toaster, denn dafür reichte die Zeit wirklich nicht.

Dann weinte ich (wie der gesamte weibliche Rest des Kinopublikums) hemmungslos bei ‚Ein ganzes halbes Jahr‘ und freute mich ganz heimlich darüber dass es den anderen genauso ging wie mir. Schluchz.

Da es während des Filmes draußen zu Ende geregnet hatte kamen wir trocken zum Auto und waren schon 19:30 Uhr wieder zu Hause, hobelten uns dort einen Gurkensalat, belegten ein kleines Abendbrot und kochten 1,5 ltr Kräutertee. Aus irgendeinem (mir völlig unverständlichen Grund) waren wir danach so derart erschossen und fertig, dass wir nur noch die Küche aufräumten (das Mittagsgeschirr!) und nach einer Dusche in’s Bett fielen.

Und kurz bevor mir endgültig die Augen zufielen, beschloss ich, das Tagebuchbloggen auf den nächsten Tag zu verschieben. Das war vermutlich eine sehr weise Entscheidung.

Bestimmt habt Ihr ja auch bei Frau Brüllen genug andere Tagebuchblogger zur Überbrückung gefunden – stimmts?

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