*** Monster ***

Es ist Sonntagnachmittag und wenn ich ehrlich bin schon eher früher Sonntagabend. Ich stehe vor einem Berg Geschirr in der Küche. (Gibt es allen ernstes Leute, die bei 27 Grad Celsius im Schatten den Küchenabwasch machen?)

Erst einmal die Spüle leerräumen. Wenn man das abzuwaschende Geschirr nämlich erst einmal vorgespült auf der rechten Seite stehen hat, dann sieht alles schon nicht mehr so schlimm aus.

Allerdings habe ich ein Problem. Das Tee-Ei hat sich im Ausguss verhakt. Vorsichtiges Zupfen bringt nichts und auch energisches Ziehen vermittelt sehr eindrücklich eine gewisse Aussichtslosigkeit.

  
Jetzt gibt es nur eine Möglichkeit, der Hausherr muss das richten.

Nun kann ich ihm aber nicht erzählen, dass ich das Teeei so nachlässig in die Spüle geworfen habe, dass es sich unlösbar fest verhaken konnte.

Ich brauche also unbedingt eine absolut logische und glaubwürdige Erklärung.

Folglich erkläre ich dem Hausherren, den ich nach längerem Suchen im Keller fand, es säße ein Monster unter der Spüle welches das Teeeikettchen festhielte und nicht wieder hergebe.

Den Blick des Hausherren ignorierend gehe ich voraus, er greift sich einen Schraubenzieher und eine Zange und folgt mir in die Küche um dort erst einmal geräuschvoll einzuatmen und betont langsam zwischen den Lippen wieder herauszupusten. Wäre er Handwerker, wäre jetzt wahrscheinlich sein Spruch: ‚Ohje – das wird teuer!‘

Statt dessen sagt er : ‚Na bloß gut, dass ich das Werkzeug schon gleich mitgebracht habe, da können wir den Ausguss auch mal wieder sauber machen, ist ohnehin mal wieder dran.‘, löst die obere Schraube und kniet sich unter die Spüle um den Rest zu lösen.

Dort arbeitet er konzentriert und wortlos und reicht mir gelegentlich ein zu reinigendes Teil nach oben. Ich wundere mich ein bisschen über die Konsistenz des zu entfernenden Schmutzes, sage aber nichts. Bis ihm auf einmal ein ‚Oha‘ entschlüpft und er mir ein verwinkeltes Teil voller Küchenrückstände gibt. Wir schauen uns beide an und ich witzele: ‚Das sieht ja fast aus wie ein Komposthaufen.‘ Kurze Zeit später reicht mir der Hausherr mit zusammengenkiffenen Lippen ein kleines Stücken Holz, vielleicht ein abgebrochener Zahnstocher. Aber es sieht merkwürdig aus. Die Spitze ist etwas breitgeklopft. Es sieht fast aus wie ein Spaten. Wie ein sehr, sehr kleiner Spaten. Aber immerhin.

Der Hausherr krabbelt tiefer unter die Spüle. Moment, sagt er, das ist noch was anderes und legt mir wenig später drei winzig kleine keimende Samenkörnchen in die Hand. Aber noch ist der Ausguss nicht sauber, er kriecht noch ein wenig tiefer hinein um gründlicher sauber machen zu können. Ich könnte schon fast die Tür zumachen, so tief steckt er schon im Schrank. Inzwischen werden die Objekte, die er mir reicht, aber immer merkwürdiger. Einmal hätte man (mit etwas Phantasie zugegeben) fast einen Stuhl erkennen können.

Dann plötzlich höre ich den Hausherr sehr dumpf (er steckt schon ziemlich tief drin in der Spüle) fragen: ‚Ist da etwa ein Licht und höre ich sogar Mus

An dieser Stelle wurden seine Worte von einem saugenden Geräusch verschluckt als er mit einem Ruck auch noch das letzte Bein in die Spüle nachzog und mich in der Küche allein lies.

Jetzt warte ich schon eine ganze Weile und bin gar nicht sicher, was ich nun tun soll.

Andererseits ist natürlich die Spüle jetzt herrlich sauber. Also entleere ich ersteinmal das Teeei ordnungsgemäß in die Kompostschüssel. Anschließend schraube ich die Abflusstülle wieder an den Ausguss und beginne mit dem vorbereiteten Abwasch. 

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3 Antworten zu “*** Monster ***

  1. Ich hab’s ja gewusst: In den Abläufen von Küchenspülen leben Außerirdische, die alles einsacken, was da reinfällt!
    Mein herzliches Beileid. So früh schon verwitwet :>(

  2. Ja, diese Lichter am Ende des Tunnels … 😀
    LG von der Silberdistel

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