*** Mütze ***

  
Dieses ist ein Beitrag zum Projekt des Wortmischers ‚Kleider machen Leute‘

Und natürlich gilt auch hier analog die Strempfersche Weisheit: ‚Mütze, die – Kleidungsstück, welches Kinder tragen müssen, wenn Mama oder Papa kalt ist.‘

M wie Mütze

Es ist Januar. Es ist kalt. Es schneeregnet. Es ist Mützenwetter. 
Und dann müssen sie beide auch noch unerwartet das Haus verlassen. Für einen Termin in der großen Stadt. 
Bevor sie das Haus endgültig verlässt und die Tür abschließt wirft sie noch einen Blick in den Spiegel – passt, denkt sie – und schickt noch einen letzten Blick zur Mützenschublade.
Ach was, denkt sie, ich brauche keine Mütze – erst sitze ich im Auto, dann ist es nur ein kurzer Weg über den Parkplatz und dann wieder zurück ins Auto. Und sooo kalt ist es auch nicht. Ich brauche keine Mütze, denn nach dem Mützetragen sehen meine Haare immer so Scheiße aus. 

Sie grinst sich im Spiegel an, streicht die Haare hinter die Ohren und verschließt die Tür.
Eine Stunde später, am Ort des Termins, zeigt es sich, dass es doch etwas länger dauert. Sie werden um Geduld gebeten. Sie könnten ja beide für eine Stunde in die Stadt . . . ein paar Besorgungen . . . 
Natürlich können sie! Und sie tun es auch. Zu Fuß in die Stadt. 

Allerdigs: Es ist Januar. Es ist kalt. Es schneeregnet. Es wäre theoretisch Mützenwetter. Allein – sie hat keine Mütze dabei. 
Tapfer läuft sie trotzdem mit. Schnee und Regen und Regen und Schnee durchnässen alles, was nicht durch Kleidung geschützt ist.

Dann auf dem Rückweg, im Fahrstuhl, merkt sie, wie er sie interessiert mustert und betrachtet nun selbst ihr Spiegelbild. 

Rotgefrorene Ohren und eine tropfende Nase werden umrahmt von einer tropfnassen, willen- und strukturlos an den Kopf geklatschten Haarmasse. Niemand der etwas auf sich hält würde sich so in der Öffentlichkeit zeigen.
Während er das Disaster betrachtet, stellt er auch schon die Frage: ‚Warum hast Du eigentlich keine Mütze aufgesetzt?‘
Sie atmet tief durch, strafft die Schultern, wendet sich von ihrem Spiegelbildelend ab und antwortet:

‚Wenn ich eine Mütze trage, sehen meine Haare immer so Scheiße aus!‘ 

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15 Antworten zu “*** Mütze ***

  1. Eine entzückende Geschichte! Und das mit der Mütze und den Haaren kenn ich. Lösung hab ich auch keine.

    • Frau Spätlese

      Vielen Dank für das Lob! Ich freue mich. Wenn ich eine Lösung finden sollte melde ich mich. 😉

  2. Pingback: Kleider machen Leute – von A bis Z | Wortmischer

  3. „Es ist Januar. Es ist kalt. Es schneeregnet …“ – Das Debakel ist vorprogrammiert. Der Leser gruselt sich schon an dieser Stelle.
    Vielen Dank für diesen wundervollen Beitrag zum Projekt der Kleidungsschrecknisse.

    • Frau Spätlese

      Aber immer gern! Es ist ein wunderbares Projekt – bestimmt fällt mir noch viel mehr ein!

  4. Mützen und ich, wir mögen uns auch nicht. Nur, wenn es nach dem Absetzen keinen interessiert, wie geklatscht frau ausschaut.

    • Frau Spätlese

      So isses. Manchmal mussen Mützen eben sein. Und im Zweifel eben doch lieber einmal öfter! 😀 Liebe Grüße

  5. Hihi. Ich habe kein Mützengesicht, von den Haaren mal ganz zu schweigen…

  6. Hallo, eine schöne Geschichte. Ich erkenne mich da selbst wieder.
    LG Edith

  7. hihi, alle meine hauben (so heißt das bei uns), die ich als kind aufzusetzen gezwungen war, hab ich verloren. ich hasse sie bis heute!
    meine individuallösung: immer einen schal tragen, den ich zur not bis leicht über den hinterkopf hinaufziehen kann. und ein stirnband in jeder(!) manteltasche für unter minus 10 grad. und lange haare, die sowieso immer gleich aussehen. also – eh ganz einfach, oder?;-)

    • Frau Spätlese

      Das Problem ist – ich trage schon Mützen. Auch relativ gern, weil sie so schön warm sind. Wirklich! Aber meine Haare hassen Mützen.
      Wobei – meine Haare hassen alles! 😦
      Es ist also sowieso egal. 😉
      Liebe Grüße

  8. Ach ja, die guten Mützen! Wenn ich daran denke, wie meine Mutter jeweils kämpfen musste, dass wir Jungs im Winter bei Schnee und Kälte unsere uncoolen Mützen auf dem Kopf behielten. Und heute können sich richtig coole Jungs selbst im Hochsommer nicht von ihren Wollmützen trennen. 😉

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