*** Tag 4: die Serpentinen ***

Weil ja der Mensch nicht den ganzen Tag faul auf der Terrasse herumliegen kann, sondern sich ruhig auch mal sein Urlaubsland anschauen soll, haben wir heute einen Ausflug geplant.

Es geht zur Wallfahrtskirche Sant Salvador in der Nähe von Felanitx, also zur ‚Santuari de Sant Salvador‘.

Auch wenn es in diesen Tagen tatsächlich eine Wallfahrt ist, um dorthin zu gelangen, so ist die Fahrt trotzdem mit Schwierigkeiten verbunden. Die Kirche liegt nämlich auf einem Berg, 510 Meter hoch.

Lacht nicht!

Da ringsherum alles nahezu platt ist, stellt für ein Flachlandei wie mich solch ein 500 Meter hoher Felsbrocken schon ein beachtliches Hindernis dar.

Früher, so erzählt uns eine Einheimische, war der Weg dorthin noch nicht ausgebaut, nur einspurig und ohne Schutz an der Seite. Aber heute, erklärt sie mit Blick auf mein blasses Näschen, ist alles gut ausgebaut für die Touristen. Einfach nur ein paar Serpentinen.

Einfach nur ein paar Serpentinen!

Mein innerer Hasenfuß jammerte weinerlich, während ich mich wappnete und meine rechte Hand schraubstockgleich im Türgriff verankerte.

Ich bin wirklich nicht zimperlich. Ich mache auch eine Menge Mist mit. Aber ich habe eine Schwachstelle. Und das sind Serpentinen.

Geh mir weg mit Serpentinen.

Mit jeder Kurve und jeder Windung atmete ich hörbarer ein und presste die Luft mühsam zwischen meinen aufeinandergepressten Lippen wieder hinaus.

Der Hausherr hingegen fuhr voller Freude und Spaß. Voller Anteilnahme fragte er mich, ob ich denn lieber selbst zurückfahren wolle?

Nein danke, konnte ich nur mühsam antworten. Ich möchte mich am liebsten oben ein wenig ganz flach auf den Boden legen. Danke der Nachfrage.

Oben angekommen und aus dem Auto heraus war auch alles gar nicht mehr schlimm sondern beeindruckend und sehr schön. Es ist doch immer wieder beeindruckend, welchen Reichtum doe Kirche in all den Jahrhunderten zusammengerafft hat.

Die Rückfahrt verlief wesentlich entspannter, abgesehen davon, dass das Autochen jetzt zwei Dellen im Beifahrerfußbereich mehr hat. Glücklicherweise bin ich beim Mitbremsen nicht durch das Bodenblech getreten.

Damit hatten wir aber kulturtouristische Pflicht und Schuldigkeit getan und sämtliche weiteren Serpentinen Mallorcas konnten mir gefälligst gestohlen bleiben.

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