*** Holunderblütenmittwochsbrötchen ***

Um es vorneweg zu nehmen. Dieser Artikel ist eigentlich zwei Artikel in einem.

Zum einen ist er nämlich meine jährliche dankbare Verneigung in Richtung Fräulein Erpaufee, auf deren Holunderbrot ich auf keinen Fall jemals wieder verzichten möchte, und zum anderen ist es ein Artikel über Sonntagsbrötchen. Oder in diesem Fall Mittwochsbrötchen. Oder nennen Sie sie wie Sie wollen. 

Wir haben in diesem Hause nämlich eines der im Netz frei herumlaufenden Sonntagsbrötchenrezepte individuell adaptiert. Dass heißt: wir haben den Aufwand weitestgehend minimiert. (Noch weniger Aufwand würde heißen, Brötchen kaufen. Da damit einher aber bedauerlicherweise ein maximaler Geschmacksverlust geht, ist dieses nicht akzeptabel.)

Bleibt also nur selbermachen.

Zu diesem Zweck rühren wir am Abend vorher (also Dienstag Abend – logisch) ersteinmal alle trockenen Zutaten zusammen, als da wären:

500 g Mehl (Weizenmehl Typ 550)

2 TL Salz

Brotgewürz nach Geschmack oder auch nicht! (Hier streiten sich die Liebhaber.)

Und nun kommt wieder Fräulein Erpaufee ins Spiel: 

Jetzt also noch 5-6 Holunderblütendolden fein abzupfen und schön unter die trockenen Zutaten mischen.

Dann 2 EL Olivenöl (oder so, Menge ist geschätzt, ich schlackere so aus dem Handgelenk eine Wohlfühlmenge)

1 EL Apfelessig dazu. (Achtung: hier NICHT schlackern!)

In ca. 300 ml Wasser verrühren Sie bitte 20 g Hefe.

Und jetzt hauen Sie mich bitte nicht wegen der Wassermengenangabe. Denn beim Brot- und Brötchenbacken ist nichts so individuell und jedes Mal unterschiedlich wie die Wassermenge. 

Ich gebe deshalb zu Anfang immer nur 250 ml Wasser-Hefe-Gemisch dazu und ergänze dann nach Bedarf. Und diesen Bedarf kann man schwer erklären. Den muss man FÜHLEN. Damit sind zwar alle Backvollhonks raus, aber – es tut mir außerordentlich leid für Euch – es gibt bestimmt noch viele andere schöne Sachen, die Ihr machen könnt. Küche aufräumen zum Beispiel.

So, für alle anderen noch einmal zurück zur Teigkonsistenz. Der Teig sollte sich beim Kneten vom Schüsselrand lösen. Er sollte nicht zu fest (trocken) sein – denkt daran, Hefe ist ein Lebewesen. Er sollte natürlich auch nicht zu weich sein und quasi auseinanderfließen. Schließlich muss er noch formbar sein. (Sollte doch mal zu viel Wasser im Teig gelandet sein – kleine Korrekturen dieser Art mache ich gern mit Gries.)

Wenn sich also der Teig unter Euren Händen perfekt und glücklich (!) anfühlt, dann werden daraus 10 bis 12 (nach Belieben) Brötchen geformt und auf eine mit Backpapier ausgelegte Backform platziert. Dann eine große Tüte darum – damit nichts austrocknet – und ab damit in den Kühlschrank.

Apropos Brötchen formen. Einfach nur Bälle kneten reicht hier nicht, dann haben die Dinger keine Oberflächenspannung und gehen nicht schön hoch auf, sondern laufen auseinander und Sie haben morgens Flädchen statt Brötchen. Das Zauberwort heißt hier: Brötchen schleifen! Googeln Sie das bitte. 

(O.k. Schwesterherz dekoriert außerdem auch noch ganz liebevoll mit allerlei Körnern -Sesam, Sonnenblume, Kürbis, Mohn – nachdem sie die Teiglinge mit etwas Wasser eingesprüht hat – dann haftet das Zeug besser. Ach, und es können ruhig genug Körner daneben fallen, das sammeln die Brötchen beim Aufgehen mit auf und man hat praktischerweise auch ein paar Körner an der Seite. )

Aber wie gesagt, ich habe den Aufwand an dieser Stelle etwas reduziert – schließlich sprechen wir hier von Mittwochsbrötchen.

Wir stellen also eingetütete Teiglinge in den Kühlschrank.

Das könnte zum Beispiel so aussehen:

  
Oder zum Beispiel so: 

  
Jetzt haben Sie Pause. 

Bis morgen früh! 

Am Mittwoch Morgen  gucken Sie gleich nach dem Aufwachen (gerne auch noch im Schlafanzug oder ganz ohne – ist mir doch egal) in den Kühlschrank und im Falle von Schwesterherzdekobrötchen sehen Ihre aufgegangenen Teiglinge zum Beispiel so aus:

  

Diese stellen Sie jetzt in den KALTEN Backofen, stellen die Backtemperatur auf 190 Grad Celsius Umluft und starten den Backvorgang. 

Während der folgenden 40 Minuten können Sie nun ganz erwartungsvoll und spannungsgeladen vor’m Backofen sitzen und sich das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. 

Aber wahrscheinlich haben Sie genug anderes zu tun. Anziehen zum Beispiel. Oder Tisch decken, Kaffee und Eier kochen. Was auch immer. Wir erinnern uns, es ist ja schließlich Mittwoch morgen. Tun Sie also das, was Sie immer Mittwoch morgens tun. 

40 Minuten später sollten Ihre Brötchen zum Beispiel so aussehen: 

  

Oder zum Beispiel so:

  
Oder wie der Name sagt, im Fall von Holunderblütenmittwochsbrötchen eben so:

  
Guten Appetit – entschuldigt mich bitte, ich muss jetzt frühstücken. 

Kann mir mal bitte jemand die Butter rüberreichen – danke.

 

 

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19 Antworten zu “*** Holunderblütenmittwochsbrötchen ***

  1. Sehr geil!
    Ich probier das mal mit Tütchenhefe aus und werde berichten!

    • Frau Spätlese

      Das ist toll! Aber Moooment – mit Trockenhefe arbeitest Du auf Dein eigenes Risiko. Da kenne ich die Dosierung nicht. Kriegst Du das auf einen halben Hefewürfel umgerechnet?
      Viel Erfolg.

      • Auf der Tüte stand drauf, dass es für 500g Mehl sei. Am Feintuning muss ich noch arbeiten, aber das Ergebnis war schonmal nicht für die Hühner, den Kompost oder die Pferde. Siehe Blog.

      • Frau Spätlese

        Ok – dann das nächste Mal nur 1/2 Tüte Hefe bitte.
        Denn 1/2 Hefewürfel ist auch nur die Hälfte der empfohlenen Menge.
        (Ausführlichere Antwort im Blog.)

  2. Die Mittwochsbrötchen sehen sehr lecker aus. Darf ich daraus auch Sonntagsbrötchen machen?
    Danke fürs Verraten all der kleinen und großen Geheimnisse 😉
    LG von der Silberdistel

  3. Beim Anblick dieser schönen Brötchen schäme ich ich fast, gestehen zu müssen, dass wir unsere dergleichen Backwaren immer vom Bäcker oder aus dem Supermarkt holen.
    Ja es kommt sogar noch schlimmer. Um dem ständigen Streit aus dem Wege zu gehen, wer denn nun die Brötchen holen darf, sind wir fast vollständig auf Toastbrot umgestiegen.

    • Frau Spätlese

      Da hätte ich dann mal eine Frage. (Und die Antwort wäre mir wichtig, damit ich weiß, wie ich korrekt auf den Kommentar antworte.)
      Also die Frage ist: Geht es in dem Streit darum, wer die Brötchen holen DARF oder darum, wer die Brötchen holen MUSS?
      An diesem Fädchen hängt nämlich alles.
      LG Frau Spätlese

    • Sollte es wirklich Leute geben, die sich darum streiten, Brötchen holen zu d ü r f e n? ich kenne keine.

      • Frau Spätlese

        Ui, das macht es mir mit meiner versprochenen Antwort natürlich schwer.
        Aber bevor ich Toastbrot esse, da wäre ich schon wenigstens auf die Idee gekommen, beim normalen Einkaufen Brötchen mitzubringen, diese einzufrieren und bei Bedarf aufzubacken.
        Aber T o a s t b r o t? Obwohl – da wären dann natürlich selbstgebackene Sonntagsbrötchen mal sowas von ein Liebesbeweis an die Frau . . .
        Aber T o a s t b r o t , oh je. Da spreche ich Ihnen an dieser Stelle schon gleich mal meine aufrichtige Anteilnahme aus.

      • Danke für die aufrichtige Anteilnahme und hier jetzt mal die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit.
        Selbstverständlich mögen wir auch lieber solche Brötchen, wie sie hier abgebildet sind. Aber es ist manchmal auch eine Frage der Zeitaufwendung und Energiekosten, was man sich leisten kann. Bei Toastbrot muss es ja auch nicht unbedingt dieses amerikanische Gelumpe sein. Meist kaufen wir das in Polen und da gibt es schon ganz schmackhafte Sorten.
        Im Übrigen hat unser Sohn vor nicht allzu langer Zeit eine Umschulung zum Koch absolviert und noch immer nicht die Lust verloren, uns ab und zu sein Können zu beweisen. Die Brötchen, die er dann backt sind den Ihren, so glaube ich, ebenbürtig. Ich weiß das also schon zu schätzen.
        Ansonsten wollte ich auch nur ein wenig provozieren, dramatisieren und meinem Namen gerecht werden.

      • Frau Spätlese

        😉

  4. Ich probiere jetzt mal Samstagsbrötchen. Und falls ich dazu komme, mach ich mehr Bilder und berichte. Vielen Dank erst mal für den Tipp!

  5. Schade, dass ich meine Brötchenphase aus Gründen demnächst mal wieder kurzzeitig ablegen muss… 😉

    • Frau Spätlese

      Aber wenn sie wiederkommt – dann unbedingt versuchen. Und bis dahin merken. (die sind auch kaloreinärmer als die Strempfersche Eierlikörtorte – schwör!) 🙂

  6. Pingback: tried | Dania Blog

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