*** Dessert ***

In den knapp 20 Jahren, welche ich jetzt mit dem Hausherren verbandelt bin, habe ich eine wichtige, grundlegende, UNUMSTÖSSLICHE Regel lernen müssen.

Ein Mittagessen ohne eine Nachspeise ist kein vollwertiges Mittagessen!

So!

Da kann sich der Koch noch so sehr Mühe gegeben haben. Ich winke ja doch schon gelegentlich ganz schüchtern mit dem weißen Fähnchen und verzichte darauf, mir nach einem gelungenen Mittagessen noch zusätzliche Kalorien auf die Hüfte zu legen. Zum Beispiel, wenn man sich den Magen mit Kartoffelstampf und Leber und Apfelzwiebelringen voll gestopft hat bis zur Oberkante Unterlippe, so dass man sich am liebsten vom Tisch auf die Couch ins Verdauungskoma rollen möchte. Aber nein – der Hausherr ist noch nicht zufrieden, da muss erst noch eine Nachspeise rein.

Also habe ich mich im Lauf dieser vielen, vielen Jahre diesem Schicksal gebeugt und produziere auch schon mal eigenständig Nachspeisen. Am liebsten sind mir dabei diese, welche man mit möglichst geringem Aufwand in möglichst ausreichender Menge herstellen kann.

😉

Und um solch eine Nachspeise, eine wohlschmeckende dazu, soll es heute hier gehen.

Dazu muss ich aber noch kurz ein wenig ausholen.

Wir haben auf unserem Hühnerhof einen Pfirsichbaum. Dieser Pfirsichbaum mäkelt etwas an unserem rauen nördlichen Klima, was dazu führt, dass wir nur in ausgesuchten Jahren tatsächlich mal wohlschmeckende Pfirsiche ernten können. Das letzte Mal war, wenn ich mich recht erinnere, wohl ungefähr 2002. Alle anderen Jahre produziert er gelblich grüne Bommeln die sich mit etwas Glück auch etwas rosa färben aber trotz aller Bemühungen eher schmecken wie Mehlpampe.

Dieser Baum darf nun aus nur einem einzigen Grund noch stehen bleiben. Und dieser Grund heißt: Hoffnung! Hoffnung auf eine so obergeile Pfirsichernte wie 2002.

In allen den Jahren, in welchen sich diese Hoffnung nicht erfüllt, streiten wir um das Abhacken des Baumes herum. Und jedes Jahr wieder versuchen wir, den gelblichen Mehlpampenbömbchen doch noch etwas Sinnvolles abzugewinnen.

Letztes Jahr setzte ich mich durch und weckte, vom Hausherren misstrauisch beobachtet, 15 Gläser Pfirsichkompott ein. Nicht, dass dieses Pfirsichkompott nun wie durch Zauberhand plötzlich unwiderstehlich lecker ist. Nein, das nicht. Aber es ist vor allem eines: es ist eine ganz tolle Grundlage.

Für eine ganz hervorragende Nachspeise. Wie das gehen soll? Ganz einfach, nämlich so:

Man stelle sich als Planung und zur Motivation ein Glas Pfirsichkompott (500ml) in die Küche. Anschließend verrührt man ein Päckchen weiße Gelatine (ich nehme immer das Pulverförmige) mit einem Wasser-/Apfelsaft-/Zitronensaftgemisch und lässt die Gelatine nun darin 10 Minuten quellen.

Diese 10 Minuten nehme ich immer, um in Kühlschrank und Keller nach Sachen zu gucken, die eigentlich auch . . . ähem, nennen wir es ‚dran sind’. Da haben wir zum Beispiel Sauerkirschkompott – zieht einem alles zusammen, geht also pur gar nicht. Oder Schwarze-Johannisbeerkompott – dito. Oh und im Kühlschrank steht noch ein Rest Apfelkompott, auf den auch keiner wirklich scharf ist. Und diese Marmelade hier (Hagebutte) und dieses Gelee (Apfel-Ingwer) sind auch irgendwie echt vernachlässigt.

Dann noch den Rest Apfelsaft, bevor er schlecht wird.

Mit dieser Sammelei komme ich auf einen guten Liter Frucht- und Saftmasse. Diese wird in einem passenden Behälter vorsichtig durchgerührt.

In der Zwischenzeit ist die Gelatine ausgequollen und kann in der Mikrowelle ganz sanft (ich nahm gestern 2 x 1 Minute bei 180 Watt mit Rühren zwischendurch) aufgelöst werden.

Anschließend einfach vorsichtig aber gründlich unter die Obstmasse rühren – sprich: gleichmäßig verteilen aber nix kaputt rühren dabei.

Dann stellt man das ganze in den Kühlschrank und kann es bis zum nächsten Mittagessen äußerst wohlwollend betrachten. Bis dahin sollte die Gelatine nämlich fest sein.

Dann braucht man nur noch ganz fix eine Vanillesoße kochen und et voilá – fertig ist eine oberleckere Nachspeise, von der man durchaus auch noch einen Nachschlag verlangen möchte.

Ach ja, Ihr habt richtig gelesen: Ich habe tatsächlich KEINEN Zucker dazugegeben.

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