*** Nicht ***

Ich weiß auch nicht, warum manche Tage anders sind.

Man könnte denken, das läge daran, dass der Hausherr nicht da ist. Aber das stimmt so nicht. Nicht ganz.

Sicherlich ein bisschen.

Das Essen zum Beispiel. Es ist ja auch mal schön, wenn man ganz ungeniert herrlich ungesund essen darf. Es müssen ja nicht immer Vitamine und Ballaststoffe sein. Für die Seele kann ich zwischendurch ein paar äußerst fettig-süße Kalorien durchaus empfehlen. Während ich also beim zweiten Frühstück (gegen 11) in der Küche unterwegs bin, eine Schokoladenkrümelspur hinter mir herziehend, überlege ich, warum es eigentlich schon wieder so spät ist und warum ich schon wieder nicht wirklich viel geschafft habe, von dem, was ich mir vorgenommen habe.

Ich habe erst einen Haken auf meiner heutigen to-do-Liste machen können. Ich liebe to-do-Listen. Da wirkt man so schön organisiert. Aber noch mehr liebe ich die Haken an den einzelnen to-do-Punkten. Ich könnte mal einen to-do-Punkt Kaffee trinken aufschreiben. Da könnte ich schon morgens noch vor dem Augenöffnen einen Haken setzen. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht könnte ich den Haken auch erst abends setzen, wenn ich alle Kaffees des Tages getrunken hätte? Also vielleicht doch lieber nicht? Kompliziert.

Während ich so gedankenversunken in mein Blutwurst-Käse-Schinken-Brötchen beiße, rumpelt sich nebenan die Waschmaschine in meine Erinnerung. Ach siehst Du, Wäsche ist schon in die Maschine gekommen. Das ist doch nicht schlecht.

Und das Brot geht im Backofen. Das ist doch auch nicht schlecht.

Nicht?

Ich fixiere abwechselnd Uhr und Backofen. In einer halben Stunde müsste ich die Brote formen. Aber jetzt eine halbe Stunde abwechselnd auf Uhr und Backofen gucken ist ja auch irgendwie doof. Das kann ich nicht machen. Ich beschließe, einen Blogeintrag zu schreiben. Da ist schließlich schon ziemlich lange auch nichts mehr passiert. Das geht so nicht. Während ich im Geiste bereits beginne zu formulieren nehme ich, nun gut, noch eine Schokokugel für den Weg in den Mund und wechsle in das Büro.

Auf dem Schreibtisch guckt mich ein dicker Ordner vorwurfsvoll an. Nee, Du, sage ich, dass ist jetzt ganz schlecht. Das passt grad gar nicht. Ich muss hier jetzt erst einmal was fertig machen. Du weißt ja, was man angefangen hat . . .

Ich setze mir Kaffeewasser auf und schiebe ganz geschickt äußerst beiläufig mit dem Ellbogen den Ordner nach schräg hinten links. Dort sehe ich ihn fast nicht mehr.

Nein, dass ist keine Prokrastination. Nein! Das nenne ich Prioritäten setzen. Ich kann doch nicht meinen Blog vernachlässigen. Der Ordner da läuft mir schon nicht weg. Bestimmt nicht. Da gehe ich heute Nachmittag ganz energisch bei. Da lass ich mich dann nicht mehr ablenken.

Nein!

Und während ich am Blogeintrag schreibe, überlege ich, was ich heute eigentlich zum Mittag essen könnte. Heute Abend muss ich bestimmt wieder sehr gesund essen. Blöderweise haben wir so richtig ungesunde Sachen gar nicht im Kühlschrank. Und ebenfalls blöderweise, schmecken mir Döner und gekaufte Pizza aufgrund der Erziehungs- Ernährungsbemühungen des Hausherren auch nicht mehr so toll wie früher.

Ich entscheide mich für zwei herrlich fettige, anständig in Butterschmalz ausgebratene Spiegeleier. .

So Leute, deshalb geht’s jetzt hier nicht weiter. Ich muss nämlich in die Küche.

Update:

Und ich habe sogar auf Schnittlauch und sonstiges Grünzeugs verzichtet.
Dafür durften ‚Mando Diao‘ über voll aufgedrehte Lautsprecher ihr Bestes (Gloria!) geben. Ha!

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