*** Gegen das Novembergrau – Fortsetzung ***

Obwohl dieser November gar nicht so grau und grässlich wie befürchtet ausfällt, gibt es natürlich hin und wieder schon mal ein paar Tage, die einer Aufmunterung bedürfen.

Frau Mutti macht das sehr schön. Ich versuche ein bisschen mitzuhelfen.

Mein heutiger Tipp lautet: Musik! Nicht umsonst heißt es: Wo man singt, da lass dich nieder . . .

. . . wobei . . .

. . . ganz ehrlich, wer auch immer diesen Spruch geprägt hat, hat mich noch nicht Saxophon spielen hören.

Aber egal. MIR macht es Spaß. Riesenspaß! Und jedesmal wenn ich wieder meinen Saxophonlehrer foltern durfte, habe ich ein dickes fettes Grinsen im Gesicht.

Die neueste Gemeinheit, jahreszeitlich angepasst: Ich lerne Weihnachtslieder. Der Lehrer weinte ein bisschen, als ich ihm nach der Geburtstagsfeier des Hausherren, also bereits Ende Oktober, eröffnete, dass ich jetzt gerne mit den Weihnachtsliedern anfangen würde. Aber da müssen wir jetzt alle durch.

Das Besondere an Weihnachtsliedern ist nämlich, dass diese scheinbar alle in den höheren Oktaven gespielt werden – und das ist für Anfänger nicht immer – sagen wir es mal diplomatisch – nicht immer ganz so leicht.

Aber egal, ich bin hoch motiviert.

Wir beginnen mit: ‚Leise rieselt der Schnee‘ – Blattspiel. Blattspiel heißt, ich sehe die Noten das allererste Mal in meinem Leben und muss danach spielen. Das ist, zugegebenermaßen, bei ‚Leise rieselt der Schnee‘ nicht sooo schwer, denn wenn wir ehrlich sind, haben wir alle das in unserem Leben schon so oft gehört, das wir das rückwärts pupsen können.

Aber . . .

. . . jetzt spielen sie das mal auf dem Saxophon. Gern auch vorwärts. Kleiner Tipp am Rande: Es ist in D-Dur zu spielen. Es gibt in dem Lied also gleich zwei neue Töne für mich. Und jetzt geht es los. Das Heft ist aufgeschlagen, der Lehrer lehnt sich erwartungsvoll zurück. (Was symbolisch gemeint ist, weil er natürlich nicht sitzt, sondern neben mir steht – aber man kann das psychologische zurücklehnen ganz klar erkennen.)

Ich beginne . . .

Leeii – se – ri – selt – der Schneeeeee – Stiiill – und – starr – ruht – der Seeeeee – Weih

Pause.

Der Lehrer beugt sich fragend vor und schaut interessiert, was ich dort mache.

Cool, sage ich, das Lied hat eine eingebaute Raucherpause. Geh schon mal, sage ich zu ihm, wenn Du wieder hier bist, habe ich das ‚Dis‘ gefunden. Währenddessen krümmen sich Ringfinger und Kleiner Finger der rechten Hand gaaaanz langsam in Superzeitlupe in Richtung ‚Dis‘.

Gefunden!

Es erklingt die Note zu – nacht –

Die Raucherpause zum Lösen der verkrampften Finger an der rechten Hand ist etwas kürzer, reicht aber immer noch für eine mittlere ‚Havanna‘ dann geht es weiter mit – lich – glän – zet – der – Waaaaaaaaaald –

dann die Wiederholung, ein ganz kurzer Krampf in der rechten Hand verhindert auch diesmal das klingende – weih – nacht – lich – aber egal, das lerne ich bestimmt schon noch. BESTIMMT! Und heißa, sind wir wieder eine Strophe weiter. Wer bisher glaubte, das zweigestrichene ‚G‘ ist ziemlich anstrengend, darf sich auf das zweigestrichene ‚H‘ freuen. Los geht’s:

Baaald – ist – hei – li – ge – Naaaaaaaacht – Chor

Mist. Was, bitte ist das denn? Oh, ein ‚Gis‘. Na toll, jetzt kriege ich den gleichen Krampf an der linken Hand. Mooooooment – der Lehrer atmet tief durch, sehr tief. (Selber schuld, er hätte ja auch eine rauchen gehen können – oder?) Dann kommt es

– der – Eng –

Und jetzt passiert es. Bei – el – muss ich hoch auf das höchste ‚H‘, was ich bisher gespielt (räusper) habe. Aber ich gebe mein Bestes. Ich haue den Ton raus. Ha! Geschafft!

(Für den Fall, dass Ihr Euch den Ton nicht vorstellen könnt, tretet Eurer Katze einfach mal auf den Schwanz, dass trifft den Ton so ungefähr, den ich da produziert habe.)

Im weiteren Verlauf haben der Lehrer und ich dann entschieden, die dritte Strophe einfach eine Oktave tiefer zu spielen – das schont die Ohren bringt auch ein bisschen Abwechslung in das Lied.

😀

Und das Ganze jetzt noch schön üben und festigen und die Raucherpausen aus dem Lied kriegen und dann habe ich tatsächlich ein Lied, womit ich die Familie an Weihnachten erfreuen kann.

Harharhar!

Ich jedenfalls, habe jetzt schon ein Lächeln im Gesicht!

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Eine Antwort zu “*** Gegen das Novembergrau – Fortsetzung ***

  1. Simone Heller

    Super!