*** X ***

Irgendwann stellte ich mir die Frage, was ich meinem Mann wohl zum 50. Geburtstag schenken würde.

Was schenkt man dem Mann seines Lebens? Demjenigen, der einen hält, wenn man Halt braucht und demjenigen der einen schubst, wenn man nicht den Mut hat, loszufliegen?

Was schenkt man demjenigen, der einen erdet, wenn man gerade den Bezug zur Realität verloren hat und was schenkt man demjenigen, der einem lehrt, die Realität nicht zu ernst zu nehmen und eigene Träume zu verwirklichen.

Ziemlich schnell war mir klar, dass ich ihn nur überraschen konnte, mit einer Seite von mir, die er noch nicht entdeckt hatte.

Das ist nach 19 Jahren Partnerschaft und 16 Ehejahren nicht wirklich einfach.

Aber ich hatte da etwas. Ich hatte eine Idee.

Ich wollte schon immer (und wenn ich sage ‚schon immer’, dann meine ich ‚schon immer’) Saxophon spielen lernen. Saxophon – und nichts anderes.

Und so beschloss ich, ihm zu seinem runden Geburtstag ein Ständchen zu bringen. Einfach das Saxophon ergreifen und ihm ein Ständchen zum Geburtstag spielen.

Also suchte ich mir am Anfang diesen Jahres (heimlich) einen Saxophonlehrer. Und mietete (auf Anraten meines Saxophonlehrers) mir (ebenfalls heimlich) ein Saxophon – . Dann versteckte ich das Instrument zu Haus (heimlich – Ihr versteht schon) und stellte fest, dass ich ein Problem hatte.

Man kann nämlich gar nicht heimlich Saxophon spielen. Dieses Gerät produziert eine erkleckliche Anzahl an Dezibel – gerade als Anfänger. Und so dauerte es natürlich nicht lange, bis der Hausherr mir so ganz nebenbei die Frage stellte: ‚So ein Saxophon ist ganz schon laut, nicht war?’

Na toll. Ich war ertappt.

Aber ich gab nicht auf, ich wollte es dann wenigstens vor dem Rest der Familie geheim halten. Und ich übte heimlich weiter.

Irgendwann traf ich die Töne, die ich haben wollte und spielte auch die Töne, die auf dem Blatt standen. Halbwegs.

Natürlich nicht wie ein Profi. Nicht dieses gekonnte Verschmelzen, das Schwingen der Töne, diesen samtweichen, butterigen Klang. Aber man erkannte das Saxophon und man erkannte die Melodie.

Und das war der Moment, in dem ich größenwahnsinnig wurde. Ich beschloss, ihm sein Geburtstagsständchen nicht unter vier Augen an seinem Geburtstag zu spielen, sondern (wie bescheuert muss man sein?) auf seiner riesengroßen Geburtstagsparty vor 50 Gästen.

So.

*

Und da stand ich nun.

Da saßen nun also 50 Leute auf eine Show der besonderen Art.

Und da stand ich nun mit meinem Saxophon. Und meinen Noten.

*

Oh Gott war mir schlecht.

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2 Antworten zu “*** X ***

  1. Och Mönsch, wo ist denn der Youtube-Link?
    SCNR und nix für ungut …

    • Öhm – das kann ich leider auf gar keinen Fall tun. Es war sooo furchtbar . . . (Kann man eigentlich wegen groben Vergehens gegen den guten Musikgeschmack verklagt werden?) 😉

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