Monatsarchiv: August 2013

*** Früh ***

Die Frau steht, noch völlig ohne Blutdruck, in der Küche und fixiert ihren Kaffee, der vor ihr auf der Atbeitsplatte der Küche steht.

Elementare Überlebensreflexe haben ihr geholfen, den Kaffee zu brühen und mit Milch trinkfertig aufzufüllen.

Da steht er nun, der Kaffee, und wird fixiert.

Da kommt der Hausherr vorbei, wirft einen Blick auf die Tasse und meint lakonisch: ‚Na, die hast Du ja voll gegossen. Kriegst Du die überhaupt hoch?‘

‚Hmmmm.‘ Kommt als Antwort von der Frau, den Blick weiter fest auf die volle Tasse gerichtet.

In Erwartung einer weiteren Antwort, beugt sich der Hausherr vor und schaut der Frau in die erst halboffenen Augen.

‚Hmmmm‘ Die Frau seufzt tief und meint nach reichlicher Überlegung: ‚Ich muss mich wohl vorbeugen müssen und einen Schluck abtrinken.‘

Tief in sich drinnen erschauert die Frau wegen all der erforderlichen und außerdem zu koordinierenden Bewegungsabläufe, die nun vor ihr liegen.

Fester Blick auf den Kaffee. Der zeigt keinerlei Entgegenkommen.

Der Hausherr blickt von der Frau zum Kaffee und zurück zur Frau, feixt sich eines und meint: ‚Hey, da musst Du ja sogar richtig echten Frühsport machen!‘

😀

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*** Stahlkappenschuhe ***

Stahlkappenschuhe sind toll. Stahlkappenschuhe sind praktisch. Stahlkappenschuhe können prima auf frisch lackierte Damenzehen aufpassen, wenn man (Frau) zum Beispiel gegen den vollbepackten Einkaufswagen im Getränkeland rammelt.

Zehenspreizerlatschen können das nicht. Zehenspreizerlatschen stehen der Welt im Allgemeinen und vollbepackten Einkaufswagen im Besonderen eher offen gegenüber. Das führt dazu, dass man (Frau) im Laden ganz, ganz, GANZ tapfer sein muss, um nicht bitterlich loszuweinen, sich auf dem Parkplatz sofort ein Pflaster auf die überlebende Zehen bastelt, langsam und vorsichtig nach Hause humpelt und zu Hause erst einmal nach modisch tauglichen Stahlkappenschuhen für Damen recherchiert.

Ansonsten muss Frau jetzt einfach warten, bis der zerbrochene Fußnagel nachgewachsen ist. Sind ja auch nur 7 mm.

Bis dahin hofft sie, dass der Nagellack zusammenhält, was zusammengehört.

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*** Langsam aufsteigende Panik ***

Langsam aufsteigende Panik macht sich breit.

Der Anlass ist kein kleiner. Wir werden nämlich fünfzig! Auweia. Also nicht wir-sie, sondern wir-er. (Sie schiebt dieses Großereignis noch ein wenig vor sich her.) Aber egal, unsere Großmutter hätte gesagt, große Ereignisse werfen ihre Schatten unter die Augen.

Und das schon jetzt.

Denn es ist, wie es gar nicht anders sein kann: Sie hat nichts anzuziehen.

Den Hausherren haben wir bereits versorgt, er wird zum Anzugträger mit vielleicht sogar weißem Hemd. Schick wird er aussehen.

Der Kronsohn darf seine Jugendweiheklamotten aus dem Mai tragen (Ihm ist bis dahin jegliches Wachstum verboten worden.) Schick wird er wieder aussehen.

Nur Sie. Sie hat nichts anzuziehen. Nichts. Für den Fall, dass Ihr das nicht verstanden habt: SIE.HAT.NICHTS.ANZUZIEHEN. Das allein genügt, um sich schon zwei Monate vorher schlaflos im Bett zu wälzen.

Obwohl – sie hätte da erstens das schwarze Kleid, welches er ihr damals vor 18 (!) Jahren zum Geburtstag schenkte und welches sie seitdem auch brav regelmäßig wieder zu feierlichen Veranstaltungen trägt. Immer noch. Es passt immer noch. Und sieht auch immer noch gut aus.

Oder zweitens das kleine schwarze Kleidchen, was sie mal aus Italien mitgebracht hat. Hat sich auch schon auf Feiern bewährt. Sehr schick. Muss sie zwar den Bauch einziehen, aber egal.

Oh – und jetzt fällt es ihr wieder ein. Das kleine Schwarze mit Spitze welches Ihr damals heimtückisch und hinterrücks von miesen fiesen Werbefuzzies unabwendbar schmackhaft gemacht wurde. Ihr erinnert Euch. Auch sehr schick. Zwar auch mit Baucheinziehen, aber schick.

Na bitte, sagt sie, drei Kleider zur Auswahl, klatscht sich in die Hände und freut sich ‚Alles wird gut!’ Stolz präsentiert sie dem Hausherren ihre Vorauswahl.

Der kommentiert lakonisch: „Alle in schwarz? Ne, is’ ja auch völlig klar. So’n Fünfzigster ist ja auch ehrlich DER Trauerfall.“

*

. . . Fortsetzung folgt . . .

*** Was ich über LED-Solarlichterketten gelernt habe ***

LED-Solarlichterketten sind toll. Man hängt sie irgendwohin, braucht sich um keinerlei Strömlinge kümmern und kann sie quasi sofort vergessen.

Wirklich sofort!

Das fällt auch gar nicht schwer. Denn tagsüber braucht man sie schließlich ja auch gar nicht. Dem Tageslicht geschuldet, selbstverständlich.

Aber dann. Abends. Man kommt auf der Terrasse gemütlich zur Ruhe. Und freut sich auf die stimmungsvolle Beleuchtung. Denn extra dafür hat man ja die Teile auch gekauft.

Aber noch ist es ja ohnehin zu hell, sagt man sich. Die Kerzen auf dem Tisch kommen ja schließlich auch noch gar nicht zur Wirkung. Man schaut hoffnungsvoll nach oben.

Ein wenig später beginnt es leicht zu dämmern. Die Nachbarn kommen reihum langsam zur Ruhe. Stille kehrt in die Siedlung ein. Ein lauer, ruhiger und friedlicher Sommerabend. Die Kerzen flackern leise vor sich hin.

Ein hoffnungsvoller Blick nach oben. Ach, es ist wohl doch noch zu hell.

Man gießt sich ein zweites Glas Wein ein, holt sich eine Decke. Abends ist es immer etwas frisch. Die Kerzen tun ihren Dienst. Für die supertolle LED-Solarlichterkette ist es noch zu hell.

Ein wenig später ein erstes, leises, verstohlenes Gähnen. Ein hoffnungsvoller Blick nach oben. Für die supertolle LED-Solarlichterkette ist es noch zu hell.

Man wickelt sich in die Decke und überlegt, ob man eventuell ein drittes Glas Wein . . . aber nur ein halbes, als Schorle. Über die Zeit der wilden Parties ist man ja schließlich schon hinaus. Und außerdem ist eigentlich schon Schlafenszeit. Ein hoffnungsvoller Blick nach oben. Da! Tatsächlich. Der erste himmelblaue Lampion beginnt schüchtern zu leuchten. Der erste. Für den anderen und die Lichterkette ist es noch zu hell. Das Gähnen wird offensiver. Aber egal. Man ist wild entschlossen, die komplette supertolle LED-Solarbeleuchtung auch leuchten zu sehen.

Langsam stellt sich auch wieder so ein klitzekleines Hungergefühl ein. Abendbrot ist schließlich schon eine ganze Weile her. Und normalerweise liegt man um diese Zeit auch schon brav im Bett.

Da man aber vernünftig ist bleibt man sitzen, wickelt sich etwas fester in die Decke und schaut hoffnungsvoll nach oben. Und glaubt es kaum. Der zweite blaue Ballon leuchtet.

Jetzt kommt Kampfesstimmung auf. Wenn man so lange ausgehalten hat, dann kann man auch noch auf die Lichterkette warten. Das Gähnen wird energisch zurückgedrängt.

Und endlich. Nur wenige, dafür aber unendlich zähflüssige Minuten später leuchtet auch die Lichterkette. Erleichterung macht sich breit. Welch ein Glück, alles ist heil und funktioniert.

Die Frau ringt sich ein motivierendes ‚Hach, wie schön!‘ Ab, während der Mann die Gläser und Decken einsammelt und die Stühle ordentlich für die Nacht hinrückt.

Und dann dürfen wir endlich in’s Bett. Die Solarbeleuchtung verbreitet zurückhaltendes, stimmungsvolles Licht. Glücklicherweise stört das Licht nicht im Schlafzimmer.

Nachts gegen vier muss die Frau einmal aus dem Bett. Beim Blick aus dem Badezimmer fällt Ihr Blick auf die Terrasse. Die Solarbeleuchtung verbreitet zurückhaltendes, stimmungsvolles Licht. Sie lächelt. Hach, wie schön.

Schnell ist sie wieder im Bett und eingeschlafen.

Als morgens früh der Wecker klingelt, sind beide noch recht müde. Sind ja auch spät in’s Bett gekommen gestern.

Draußen scheint hell die Sonne.

Die supertolle LED-Solarbeleuchtung ruht sich aus für die nächste Nacht.

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*** Auflösung ***

Recht herzlichen Dank Ihr Lieben. Ihr habt mir mit Euren Antworten wirklich geholfen, dass ich künftig etwas lockerer und entspannter durch das Leben gehen werde.

Was man auf dem Bild nämlich sieht, ist die typische ‚* Hach herrje, es ist zuviel Wasser im Teig ich muss noch Mehl dazugeben’- Falle. Welche unweigerlich dazu führt, dass danach prompt zuviel Mehl gegeben wurde, welches mit noch etwas Wasser korrigiert werden muss . . . (ab hier bitte ab dem * weiterlesen . . . )

Und wenn man dann den Kneter etwas zu schnell einstellt – wupps ist das Mehl in der Küche statt im Topf. Wobei mich jetzt an der Stelle wundert, wieso es dann im Topf immer noch zu viel war? *nachdenklichamKopfkratz*

Aber egal.

Das nächste Mal (es gibt IMMER ein nächstes Mal!) werde ich auf den Hinweis des Hausherren einfach nur getreu Susanne sagen: „Welcher Fehler? Ist doch alles in Ordnung!“

Und anschließend sage ich entsprechend Wolframs Hinweis: „Ach Mist, es sind nur 30 Gramm daneben, es hätten doch 40 sein müssen!“

Oder aber, und das gefällt mir auch richtig klasse, werde ich beim nächsten Mal, ganz erschrocken die Hände vor’s Gesicht schlagen und entsetzt rufen „Oh Gott, die Topflappen sind nur für Linkshänder!“

Und wenn der Hausherr mich dann noch nicht hat einweisen lassen, werde ich hinterhersetzen: „ Und bei chocola fehlt auch noch ein ‚t’ – wie furchtbar.“

Schon allein bei dem Gedanken daran, muss ich schmunzeln. Danke an Euch. Alles muss gut werden.

Bis zum nächsten Mal.

*** Finde den Fehler ***

Hmpf.

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*** Gelernt ***

Es empfiehlt sich, die letzten Kapitel von ‚Ein ganzes halbes Jahr‘ von Jojo Moyes  eben NICHT öffentlich während der Bahnfahrt zu hören.

Es macht auf Mitreisende sicherlich einen ganz merkwürdigen Eindruck, wenn aus einer bis dahin netten, unscheinbar ruhigen weil verohrstöpselten Reisenden plötzlich ein rotzblasenschluchzendes rotäugiges Etwas  werden könnte.

Auweia. 

Aus obigem Grund auf die häusliche Bügelzeit verlegte Resthörzeit führte zu einem verständnislosen Blick des Hausherrn, als ich bitterlich schluchzend über dem Bügelbrett zusammenbrach.

Schluchz.

Ich sehe kommen, dass ich mir das gesamte Hörbuch noch einmal anhören werde.

Allein selbstverständlich.