Monatsarchiv: April 2013

*** Lock doch mal die Enten da weg! ***

Lock doch mal die Enten da weg! Sagt der Hausherr. Die Enten spazieren gemütlich über unsere Hofeinfahrt, schnäbeln im angrenzenden Gras und durchwühlen den Schradder auf den Beeten. Gelegentlich blicken sie auf und durch das Tor nach außen auf die vorbeifahrenden Autos.

Von denen lassen sie sich aber nicht stören.

Da sie außerdem sogar, wenn das Tor auf ist, neugierig auf die Straße watscheln und das fremde Terrain erkunden, gern auch einen Blick in Nachbars Garten werfen, sehen wir das nicht ganz so gern. Denn wir wissen um die Gefahren. Wir wissen von schnell fahrenden Autos und Jagdhunden auf Nachbargrundstücken.

Es ist also blöd, das Tor zu öffnen, wenn unser Entenvolk sich gerade in der Einfahrt verlustiert.

Also sagt der Hausherr: Lock doch mal die Enten da weg.

Alles kein Problem, mache ich doch gern. Ich schnappe mir das Eimerchen, fülle es mit lecker Körnerquetsche und raschele mit den Körnern ganz unwiderstehlich. Das muss ein Hochgenuss sein in Entenohren. Sofort folgt mir die ganze Bande brav im Entenmarsch.

Patsch, patsch, patsch machen 18 kleine Entenfüße bei dem Bemühen, mit mir Schritt zu halten.

Ich streue im Garten ein paar Körner aus und gehe wieder. Ziel erreicht, denke ich mir.

Wenn ich nur ahnen würde, wie falsch ich liege.

Denn die gemeine Stockente ist ja nun mal erstens nicht doof und hat zweitens immer Hunger. Und was genau hat die gemeine Stockente aus dem obigen Vorgang gelernt?

Genau!

Du musst vorn auf der Hofeinfahrt vorm Tor sein, damit die Menschen dir endlich was zu futtern geben.

Ergo:

Wurden die Zeitabstände, welche die Enten benötigten, um wieder zurück zur Hofeinfahrt zu kommen, immer kürzer.

Lock doch mal die Enten da weg! Tja – dicht daneben ist auch vorbei.

Zwischenzeitlich hat der Hausherr schon mehrere Enten (oder immer die Selbe?) von der Straße und einmal auch von Nachbars Grundstück eingesammelt. Ein freundlicher Einwohner unseres Dörfchens von schräg hinter der Kreuzung fing auch schon mal eine am Kreisel ein und ließ diese vom Hausherren wieder abholen.

Lock doch mal die Enten da weg!

Wie sieht’s aus? Eine Idee – anyone?

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*** Pure Lebensfreude ***

Es ist ein sehr belebender Anblick, wenn man morgens die Äpfel für’s Müsli aus dem Kühlschrank holen will und feststellt, dass der Sauerteig einen Fluchtversuch aus seinem Glas unternommen hat und dabei über diversen Kühlschrankinhalt gekrabbelt ist.

Aber der Kühlschrank muss ja gelegentlich auch mal sauber geputzt werden.

Seufz.

*** Schlimm Schlimm Schlimm ***

Beim Staubwischen ist mir gestern Osterhasi aus der Hand gefallen und schwer auf die Ohren gestürzt.

Meine ungeschickten erste-Hilfe-Versuche haben dann alles nur noch schlimmer gemacht.

Schlimm schlimm schlimm.

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Und dann ist mir das ganze Leiden vom Osterhasi noch sooo auf den Magen geschlagen. Ich kann seit dem gar nicht mehr essen.

Schlimm schlimm schlimm!

*** 3.Tag: die Generalprobe ***

Nachdem ich nun den Hausherren über Jahre hinweg genervt habe, dass ich nicht immer nur Urlaube am Wasser machen will, sondern gerne auch mal irgendwo wandern wollen würde, wurde mit Teneriffa der optimale Mittelweg gefunden. Also kaufte ich mir Wanderschuhe. (Denn Wandern geht nur mit Wanderschuhen!) Da:

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Anschließend kaufte ich einen Wanderführer für Teneriffa und begann diesen ausführlich zu studieren. Bevor nun aber mein großer Tag kommen sollte, entschieden wir uns für eine kleine Probewanderung um uns schon mal in die örtlichen Gegebenheiten einzufühlen. Ein Ziel war auf der Karte auch schnell gefunden. Wasser und Proviant in den Rucksack und los.

Allein . . .

. . . die Örtlichkeiten passten nicht zur Karte (Maßstab 1:50.000). Nein, sagte der Hausmeister der Finca, diesen Weg gibt es nicht. Da kommt ihr zu Fuß nicht hin . . .

Nun wären wir aber nicht wir, wenn wir es nicht trotzdem versuchen würden. 😀 hoffnungsvoll den Rucksack auf dem Rücken trabte ich los. Die Schuhe sitzen perfekt. Der Hausherr atmete tief durch, lächelte glücklich bückte sich um eine winzig kleine Blume am Wegesrand zu fotografieren und erklärte: ‚Das ist toll! Wie auf
Humboldts Spuren.‘

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Der Kronsohn fragte, wie lange das dauern würde und wann er wieder in der Finca wäre.

Der erste Kilometer ließ sich gut an. Runter in die Schlucht und auf der anderen Seite wieder hoch. Dann auf die Hauptstraße und den nächsten Abzweig rechts. Gar kein Problem – Asphaltstraßen kann man gar nicht verfehlen.

Aber dann . . .

. . . hier muß es jetzt aber weitergehen! Schwöre ich und drehe und wende die Landkarte, während ich auf eine Hofeinfahrt blicke. Die Schuhe sitzen perfekt. Herr Humboldt fotografiert währenddessen eine wunderschöne Kaktusblüte.

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Der Kronsohn freut sich über die Pause. Wieder und wieder begutachte ich die Hofeinfahrt und starre auf die Karte.

Bis ich aufgebe und beschließe, das Ziel auf einem anderen Weg zu erreichen. Also zurück zur Hauptstraße und den nächsten Abzweig gesucht. Was dazu führte, dass wir endlose Kilometer bergauf trabten, um am Ende nicht wirklich genau zu wissen, wo wir eigentlich sind.

Herr Humbold fotografierte einen wundervollen Blumenteppich am Wegesrand, der Kronsohn fragte, wann es denn wieder zur Finca ginge. Die Schuhe sitzen perfekt.

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Am Ende fassten wir uns ein Herz und fragten ein deutsches Rentnerehepaar, welches seit Jahren dort auf Teneriffa wohnt, nach dem Weg. Blöderweise meinten auch die, die Karte wäre falsch, unser Ziel so wie geplant nicht per Fuß zu erreichen. Aber sie gaben uns einen tollen Tipp für den Rückweg. So konnten wir auf dem Rückweg einfach durch eine geschickte Abkürzung glatte 30 Minuten einsparen. Und was noch cooler war, wir kamen genau neben dem Tor heraus, vor dem ich am Anfang der Tour ganz fassungslos gestanden hatte.

Herr Humboldt fotografierte noch ganz schnell eine besonders tolle Blüte, der Kronsohn freute sich, dass es jetzt endlich zurück zur Finca ging und, zum Glück: die Schuhe sitzen perfekt.

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*** 2. Tag: Sonne pur***

Von wegen Frühling. Hier ist heute schon Sommer. Bereits morgens gibt die Sonne ihr Bestes. Sie lässt nicht einmal den Mond in Ruhe unter Palmen untergehen. Tststs.

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Aber das soll uns egal sein. Ein Blick von der Veranda zeigt uns ein ruhiges Meer und ein im morgendlichen Dunst verhülltes Gomera.

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Das erste eigene Frühstück auf der Finca gehört natürlich in der puren Sonne eingenommen. Und Sonnenschutzcreme ist natürlich was für Weicheier – so früh am Morgen für nur eine halbe Stunde Sonne. Echt jetzt. Hinterher pflegen wir unsere gerötete Haut ausführlich mit Aloe Vera, cremen uns ständig mit Sonnenschutzmitteln ein und essen alle weiteren Mahlzeiten im Schatten. Nur eigene Erfahrungen . . .

Als einziger Tagesordnungspunkt heute steht eine Erkundung des Ortes an – mit Baden im Atlantik. Der hat nämlich schon bummelige 18 Grad. Das schafft die Ostsee kaum.
Auf dem Hinweg schon mal die fast keine Wellen fürs Fotoalbum festgehalten . . .

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. . . und sehr zur Freude des Hausherren gibt es auch hier Krabben.

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Nachdem wir den Hafen und die Promenade mit den wunderschön blühenden Bäumen gewürdigt haben und alle brav ins Meer gehüpft sind heißt es ’nun aber schnell aus der Sonne‘! Wir kehren zur Finca zurück und genießen einen völlig unspektakulären dafür aber herrlich faulen Sonntag.

Und das bis in die Abendstunden.

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*** 1. Tag: die Anreise ***

Wie wir nachts um 23:00 Uhr aufgestanden, zum Flughafen gekommen sind, dort ewige Stunden vor und nach dem Check in wartend verbracht und anschließend den Flug in den engen Sitzen halb schlafend und halb wachend überstanden haben – das lassen wir einfach mal beiseite.

Beginnen wir mit der Landung und dem Verlassen des Flugzeuges.

Hach!

‚Hach’ ist das Einzige was mir dazu einfällt. Diese milde Luft auf der Insel des ewigen Frühlings. Und – ich sag Euch was – nirgends auch nur ein winzig kleines Fitzelchen Schnee.

Einfach nur Hach. Und das auch schon morgens um 07:00 Uhr.

Nach dem Abholen des Autos fuhr der Hausherr und die Frau navigierte mit aufgeklappter Karte (Maßstab 1:50.000). Jaaa, da musst Du rechts, das echte rechts – nicht das andere! . . . 😉 Playa San Juan zu finden war so gar kein Problem. Dort wurden die Hungerrufe des Kronsohnes dann immer lauter, also gab es Frühstück. Echtes spanisches Frühstück. In der Sonne. Ohne Jacke. Hach.! Nun noch einen Blick an den Strand.

Und dann Abenteuer Nummer 1, nämlich: ‚Finde die Finca!’

Der Vermieter hat uns eine Wegbeschreibung übermittelt, von der ich mir die Skizze ausgedruckt habe. Wir finden den Wassertank, biegen danach die 2. rechts ab. Ich hole tief Luft. Eine Straße ohne Mittelstreifen. Oh weh.

Danach sollen wir irgendwann noch mal rechts abbiegen. Nachdem wir uns mehrere Kilometer den Berg hinauf gewunden haben, beschließen wir, dass wir verkehrt sind und kehren um. ‚Da!’ meint der Hausherr ‚Da fahre ich jetzt rein.’ Ich werde blass. Das hatte ich befürchtet. Und ich erinnere mich jetzt auch wieder an unseren Gomeraurlaub vor einigen Jahren. Diese Straßen! (Aber was soll man auf einer Vulkaninsel auch anderes erwarten?)

Also atme ich tief durch und wir beginnen unsere Abfahrt in den Barranco. Das heißt auf Deutsch ‚Schlucht’ bzw. noch treffender ‚Abgrund’. Und: Ich.Hasse.Diese.Wege! Inniglich! Die Straße nur so breit, dass ein Auto dort fahren kann (hallo Gegenverkehr), dazu Steigungen die in Deutschland nur mit Geländewagen gefahren werden und Kurven von denen ich schwören könnte, dass das Auto dort niemals herum kommt.

Aber das ist nicht alles. Was das ganze viel, viel, viel schlimmer macht, ist die freudige Begeisterung des Hausherren, der nicht müde wird, mich immer auf die Schönheit der Landschaft und die Tiefe des Abgrundes gleich direkt neben meinem Beifahrersitz hinzuweisen, während ich krampfhaft bemüht bin, genau dieses zu ignorieren und mich mittels der Kraft meiner Gedanken an den Felsen auf seiner Fahrerseite zu schmiegen.

Aber auch das ist noch nicht alles. Wenn man nämlich unten im Tal ist, muss man auf der anderen Seite genauso eine Straße wieder hoch. Und dass mit einer Steigung . . .

Das Schöne daran ist, dass wir ja außerdem auch gar nicht wussten, ob wir denn jetzt auf dem richtigen Weg waren. Also: zurück mussten wir auf jedenfalls, wenn schon nicht jetzt gleich, dann aber wenigstens später, wenn wir die Finca verlassen würden zu unseren Unternehmungen.

Mittlerweile kein Gedanke mehr an das morgendliche ‚Hach’.

Ich wusste nur noch eines: Wenn denn hier unsere Finca sein würde, diesen Weg würde ich niemals selbst fahren. NIEMALS!

Was soll ich sagen. Die Finca war dort. Hübsch und idyllisch ruhig gelegen, mit Ausblick auf das Meer. Ein Traum.

Wir sind dann an dem Tag die Strecke ins Dorf noch zwei Mal gefahren. Ersten zwecks Besorgungen und zweitens wegen dem, was wir beim ersten Mal vergessen hatten.

In der Nacht träumte ich von engen, sich an Berghängen entlang windenden endlosen Straßen.

*** Ich packe meinen Koffer ***

Ich packe meinen Koffer und . . .

Nein, falsch.

Das tue ich nämlich gar nicht. Der Hausherr packt den Koffer. Ich KANN das nämlich gar nicht. Sagt der Hausherr.

Wenn ich nämlich den Koffer packe, türme ich (angeblich) alle meine Sachen in die Mitte des Koffers, und versuche dann (angeblich) mittels roher körperlicher Gewalt den Koffer zu schließen. Welches (wieder angeblich) nicht einmal durch Draufsetzen gelingen könnte.

Und deswegen packt der Hausherr. So kann er alles fein säuberlich akkurat auf Mindestgröße gefaltet geometrisch optimiert in den Koffer puzzeln. Und so Platz haben für die mindestens dreifache Menge an Klamotten.

Sagt der Hausherr.

Wozu soll ich widersprechen? Arbeitsteilung ist doch was Tolles.

Also brauche ich lediglich die Sachen heranzuschleppen, auf die ich meiner Meinung nach im Urlaub auf GAR KEINEN FALL verzichten will.

Ja – da gehören auch die 12 Packungen Taschentücher dazu! Nach dem längeren nachdenklich auf mir ruhenden Blick des Hausherren reduziere ich diese auf 9. Aber die müssen mit. Weiter runter verhandeln lasse ich mich nicht.

Er atmet tief durch.

Eine knappe Stunde später sind sämtliche Klamotten und Schuhe von den Stapeln im Flur wie durch ein Wunder in den zwei Koffern verschwunden. Und es ist sogar noch Platz. Sagt stolz der Hausherr.

Prima. Antworte ich. Dann können ja die drei verbliebenen Packungen Taschentücher auch noch mit.

Wieder dieser längere, nachdenkliche Blick des Hausherren. Also gut, dann bleiben die eben wirklich hier.

Kurz überlege ich, ob ich nicht vielleicht doch . . . ein viertes Paar Schuhe . . . schließlich eine ganze Woche . . . und Platz ist ja noch . . .

Aber, Ihr ahnt es, wieder DIESER Blick. Na gut. Beschränke ich mich eben auf drei Paar Schuhe. Pfft.

Jetzt noch ein schnelles kleines Abendbrot, bevor wir alle um 19:00 Uhr ins Bett gehen und versuchen zu schlafen. Um 23:00 Uhr nämlich müssen wir dann wieder aufstehen. Und der der Flieger geht dann nämlich um 02:20 Uhr in der Früh . . .

. . . Fortsetzung folgt . . .