Tagesarchiv: 22. März 2013

*** Der Hundertjährige ***

Vielleicht erinnert Ihr Euch ja, dass ich vor einiger Zeit mit Begeisterung dieses Buch ‚Vom Hundertjährigen der aus dem Fenster stieg und verschwand‘ gelesen habe.

Jedenfalls fragte mich kurz darauf der beste Vater von allen, ob ich ihm denn wirklich empfehlen könne, dieses Buch auch zu lesen. Ich öffnete bereits voller Enthusiasmus meinen Mund um ihm ganz selbstverständlich ein ‚aber SELBSTVERSTÄNDLICH‘ zu entgegnen, da begann er schon: ‚Ja aber, es ist nämlich so . . . ‚

Und jetzt ist es aber so, wenn der beste Vater von allen ‚aber‘ sagt, dann sollte man seine sämtlichen im Autopilotmodus vor sich hindämmernden grauen Zellen tunlichst sofort aktivieren und MITDENKEN.

‚Ja aber es ist nämlich so, dass ich bei am.azon die negativen Bewertungen für dieses Buch gelesen habe. Und wenn ich so über diese nachdenke, mag ich das Buch gar nicht lesen. Warum also meinst Du, sollte ich es trotzdem lesen?‘ sagte er.

Huch!

Ich schluckte also mein ’selbstverständlich‘ herunter und begann zu überlegen. Auch wenn ich es für eine sehr interessante Herangehensweise halte, über ein Buch, welches monatelang auf den Bestsellerlisten erste Ränge belegt, erst einmal von den kanpp 1.300 nur die 100 negativen Bewertungen zu lesen um zu entscheiden, ob ich dieses Buch lesen mag . . . (Wenn ich ehrlich bin, mag ich auch nicht mit dem Massengeschmack gehen, denn diese ganze ‚Biss-Vampirgeschichte‘ oder jetzt die ‚Schatten von Grau‘ gehen mir komplett ab.)

Also, zurück zum Thema. Warum also sollte der beste Vater von allen dieses Buch lesen?

Es ist schwierig. Es ist sogar sehr schwierig, denn es hat mit dem persönlichen Humor zu tun. Und persönlicher Humor ist etwas furchtbar kompliziertes. (Ich denke nur daran, dass ich mich über Sachen in Grund und Boden kichern kann, die dem Hausherren nur ein müdes, verständnisloses Schulterzucken entlocken.) Humor empfindet jeder anders. Und, ganz besonders hier, kommt nämlich nach meinem Empfinden in diesem Buch jede Menge Ironie und Sarkasmus und vor allem schwarzer Humor in’s Spiel.

Aber Jonas Jonasson erzählt die ganze Geschichte so zwingend logisch, so unausweichlich, ja so unausweichlich absurd, dass ich mir zwischendurch immer mal wieder ein kleines ‚Oups‘ und ‚Auweia‘ dachte, sofort gefolgt von einem entschuldigenden ‚Aber er konnte ja gar nicht anders‘. Ich bin nämlich auch ein guter Mensch und bringe keine anderen Menschen mit Hilfe von Kühlzellen um. Aber ich mag schwarzen Humor. Ich mag schwarzen Humor sehr. Ich mag Witze im Sinne von ‚lieber arm dran als Arm ab‘. Ich lese gern Terry Pratchet, der es z. B. auch als ‚Selbstmord‘ bezeichnet, in Ankh Morpork abends allein und unbewaffnet durch die Schatten zu gehen und wo es lustig ist, wenn Esme Wetterwachs jemanden in einen Frosch verwandelt, nur weil er sie beleidigt hat.

Nun werdet Ihr sagen, jaaaa, aber das ist doch ein MÄRCHEN. Ja genau, das ist es. Das ist ein Märchen.Und der Unterschied zum ‚Hundertjährigen‘ ist nur einfach der, dass bei Terry Pratchet außen ‚Märchen‘ dransteht und beim ‚Hundertjährigen‘ eben nicht. Dabei ist auch genau dieser Hundertjähriger nichts anderes als ein Märchen. Ein Märchen, was allerdings in die vom Menschen selbst grausam inszenierte Wirklichkeit des Weltkrieges gepackt wurde. Soll man aber jetzt über dieses Buch nicht lachen, weil der Weltkrieg ja an sich schon schlimm genug ist und wir Deutschen uns eigentlich darüber schämen müssten? Aber auch Humor hilft nachdenken und hilft beim Verarbeiten der Geschichte. Auch tiefschwarzer Humor.

Nun, und schwarzen Humor hat dieses Buch genug. Versuch es einfach und wir reden dann darüber?

Was meint Ihr? Sollte man dieses Buch gelesen haben?

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