*** Grüne Woche 2013 ***

‚Müssen wir wirklich?’ Frau Spätlese nörgelt und dehnt derweil ihre immer noch und zwischenzeitlich immer mehr schmerzende Schulter. ‚Wir waren doch letztes Jahr!?’

Der Hausherr lässt sich nicht beirren. ‚Man muss auch mal rauskommen und gucken, was es so Neues gibt. Sonst entwickelt man sich nicht weiter. Du kannst nicht immer nur im Büro sitzen und arbeiten.’

Doch, Frau Spätlese könnte das prima. Aber das sagt sie lieber nicht laut.

Also satteln wir am nächsten Morgen unser Pferdchen und verlassen das traute Büro Heim in Richtung Bundeshauptstadt und Grüne Woche.

Der Hausherr fährt still vor sich hin. Frau Spätlese ist noch nicht ganz wach.

Nach einer Weile fragt der Hausherr: ‚Sag mal, wie atmest Du denn? Du schnaufst wie eine alte Frau!’ Die Antwort kommt prompt. ‚Ich veratme den Schmerz!’ Noch keine 50 km gefahren und Frau Spätlese weiß jetzt schon nicht mehr, wie sie sitzen soll. Na toll. Also atmet sie die restlichen Kilometer auch noch brav gegen ihre Schulter an. Was soll sie sonst tun.

Die Einfahrt in das ICC-Parkhaus gelingt diesmal besser als letztes Jahr. Dieses Jahr fahren wir nur einmal daran vorbei und dürfen wenden. Letztes Jahr gelang uns das Kunststück drei Mal. Aber man ist ja schließlich lernfähig.

Und dann die Grüne Woche. Es ist voll. Trotz Mittwoch. Was machen all die Leute hier. Warum arbeiten die nicht. Während wir uns durch die Massen drängeln dehnt und bewegt Frau Spätlese ihre Schulter und es ist ihr völlig egal, wie bescheuert sie dabei aussehen mag. Gern nimmt sie auch das Angebot einiger besonders fester Wände an, um sich einfach mal dagegen zu lehnen und tiiieeeeffff durchzuatmen.

Und so laufen wir über die Grüne Woche. Es gelingt uns, dieses Jahr nicht zweieinhalb Stunden im Fischbereich hängen zu bleiben. Ein kurzes Fischbrötchen zu Auster und lecker Wein und dann geht es weiter.

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Wir widerstehen vielen, vielen, vielen Kaufangeboten und Messeneuheiten. Wir brauchen keine superscharfen Gartenscheren, keine Whirlpools, keine Blumenzwiebeln und erst recht keine Melone.

Apropos, nächstes Jahr nehmen wir einen Rucksack mit.

Zwischendurch verirren wir uns einmal kurz wechseln unbemerkt die Richtung. Aber nicht schlimm. Gehen wir eben einfach anders herum. Das ist der Schulter im Übrigen auch egal. Die schmerzt in beide Richtungen gleich.

Auf dem Erlebnisbauernhof erklärt uns jemand geduldig die zukünftigen Wetteränderungen für Brandenburg (Achtung: Andere als für Mecklenburg!) und obwohl zwei von drei Antworten am Automaten falsch sind, bekommen wir trotzdem jeder einen Bleistift. Super. Dann lassen wir Fotos von uns machen und der Computer tauscht aus Spaß Oberkörper und Füße aus. Jetzt steckt Frau Spätleses Kopf auf einem hellgrünen OP-Kittelchen welcher auf Entenbeinen steht. Der Hausherr erwischt nur Alpakafüße statt des erhofften Forellenschwanzes. Man kann ja auch nicht immer alles kriegen!

Bei den Russen essen wir Piroggen und Weißlachs, bei den Italienern kaufen wir Schinken und Käse für zu Haus. Uns tun die Lockengänse Leid und die Bullen und Zuchtkühe auch. 10 Tage am Stück in so einer unnatürlichen Umgebung – die Ärmsten.

Gegen Fünf beschließen wir zu fahren. Unser Kopf ist voller Eindrücke. Der Hausherr fährt zurück. Frau Spätlese kann ja nicht – die Schulter – Ihr versteht schon.

Dann wettet Frau Spätlese gegen das Navi und verliert. Und weil der Hausherr brav auf Frau Spätlese gehört hat, fahren wir noch ein paar Kilometer in die falsche Richtung, bevor wir endlich wenden können und dann endgültig in Richtung Heimat unterwegs sind.

Zu Haus angekommen verliert Frau Spätlese kurz die Besinnung, als sie die Schuhe öffnet und ihre Füße erlöst. Wie können zwei so kleine Füße nur so furchtbar stinken?

Zum Glück gibt es Warmwasser und Seife in der Dusche.

Und jetzt hat Frau Spätlese 350 Tage Zeit zu überlegen, warum sie nächstes Jahr unbedingt auf gar keinen Fall zur grünen Woche müssen soll.

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