*** Kurzer Ausflug in die Weinwirtschaft ***

Was heißt Spätlese trocken?

Spätlese heißt im Grunde genommen, um es mal ganz lapidar auszudrücken, dass die Trauben etwas länger am Rebstock reifen durften und bei dieser Gelegenheit auch noch mehr Zucker einlagern konnten. Der Fachmann nennt diesen Zuckergehalt Öchslegrad. Je nachdem wie hoch der ist, egal ob bei Weiß- oder Rotwein, unterscheidet man verschiedene Qualitätsstufen beim Wein. Z.B. Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Eiswein.

Sehr schön nachzulesen ist das z.B. hier im großen Onlinelexikon oder auch hier etwas komprimierter.

So.

Warum nun aber trocken? Grundsätzlich gilt für den Most: Je höher der Öchslegrad, desto süßer der Most. Jetzt kommt es darauf an, wie viel von dem Zucker während der Gärung tatsächlich in Alkohol umgewandelt wird. Je mehr vergoren wird (von vielen, vielen Faktoren abhängig, nicht zuletzt auch von der Hefe) umso geringer ist der Restzuckergehalt im Wein.)

Und abhängig vom Restzuckergehalt spricht man dann von trockenen (wenig Restzucker) über lieblichen bis süßen (viel Restzucker) Weinen.

Und das ist das, was ich spannend finde. Einen schönen ausgereiften, aromatischen Spätlesewein, mit trotzdem möglichst geringem Restzuckergehalt. Wobei der natürlich ‚süßer’ sein kann, als ein einfacher Landwein. (Darf es die Bezeichnung heute eigentlich noch geben? – Damals , als ich gelernt habe, gab es das noch.)

Wenn es perfekt sein soll, dann tut man den zur Lagerung noch ein, zwei Jährchen in ein Eichenholzfass, das nennt man dann Barrique und schmeckt mir oberlecker. Fragen Sie mal die Italiener, die können das sehr gut. (Oder die Spanier oder die Franzosen, ja, ja, ja.)

Und – kurze Frage von mir: ‚Spanischer Tinto’ (Zitat) ist doch eigentlich nur Spanischer Rotwein?

So, jetzt habe ich hoffentlich alle Klarheiten beseitigt.

In diesem Sinne, prost!

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2 Antworten zu “*** Kurzer Ausflug in die Weinwirtschaft ***

  1. Ja, „tinto“ ist nichts anderes als das spanische Wort für Rotwein. Es gibt natürlich auch einen spanischen Begriff für Spätlese, nämlich „cosecha tardía“. Mir ist allerdings noch keine Tintoflasche mit dieser Qualitätsbezeichnung untergekommen. Ich glaube, ich muss das mal bei weinbegeisterten Freunden hinterfragen.

    • Auflösung: Spanische Trauben werden selten so lange an den Stöcken belassen, dass es für eine Spätlese reichen würde. Das hat einfach mit den Trinkgewohnheiten zu tun und ist reine Geschmacksfrage. Wenn überhaupt, dann gibt es spanische Weißweine als Spätlese, die dann allerdings nicht durchgären und entsprechend süß bleiben. Die werden allenfalls als Dessertweine serviert. – Andere Länder, andere Sitten. Ich wünsche der Hausherrin jedenfalls viel Freude mit ihrer Vorliebe für die Spätlese trocken. ¡Salut!