*** Ich wollt ich wär ein Huhn . . . ***

. . . Ich wollt ich wär ein Huhn, ich hätt nicht viel zu tun,  ich legte täglich ein Ei und Sonntags auch mal zwei . . . Juchhei . . .

Summte ich in der Vorweihnachtszeit so passend vor mich hin. Allerdings mit einem leicht grimmigen Unterton in der Melodie – denn ganz offensichtlich kennen unsere Hühner diesen Text nicht – oder sie haben ihre Stellenbeschreibung nicht aufmerksam genug gelesen.

. . . ich legte täglich ein Ei und sonntags auch mal zwei . . .

Wer unsere Hühner kennt, fällt spätestens an dieser Stelle vor Lachen vom Stuhl. Im täglichen Wer-hat-wieviel-Eier-Wettbewerb zwischen der Nachbarin fällt es mir zunehmend schwer zu lächeln. ‚Fühünf!’ ruft es siegessicher von der anderen Seite des Zaunes – ‚Eins’ brummelgrummel ich mir in meinen nichtvorhandenen Bart. Hmpf. (Auch zwei oder drei klingt nicht wirklich besser.)

Dann stehe ich am Zaun und beobachte unsere Hühner. Diese stehen auf der anderen Seite des Zaunes und beobachten zurück. ‚Kommst Du und gibst uns Leckerli?’ fragen sie. ‚Legst erst mehr Eier’ erpresse ich. – Selbstverständlich ergebnislos.

Unsere Hühner bekommen jeden Tag ausreichend Weizen, dazu eine Portion Dreikorngequetschtes und außerdem gemahlene Knochen und Eierschalen. Manchmal Reste von unserem Essen, geriebene Äpfel, Rüben . . . und jeden Tag Grünfutter.

Außerdem laufen sie auf einer riesigen Rasenfläche, welche vom Hausherren nur äußerst selten zusätzlich gemäht werden muss.

Jetzt sag mir noch mal einer, dass das kein Hühnerparadies ist. Und was ist der Lohn?

Unsere Hühner genießen ihr Leben. Sie sonnen sich, freuen sich über Sonne und Rasen, brüten was das Zeug hält und mausern, was das Zeug hält.

Eier?

Immer nur die Mindestliefermenge – geradeso, dass wir nicht verzweifeln und die Hühner austauschen. Ich wette, dass haben die knallhart kalkuliert.

Dann kommt der Winter. Mit Macht. Schnee, Kälte und Eis machen aus der grünen Oase eine weiße kalte Wüste. Unsere Hühner verweigern den Ausgang, bis ich ihnen einen Streifen Rasen frei schiebe. Einen schmalen Streifen grün. Nur mehr symbolisch, damit sie nicht mit zwei angezogenen Beinen duldend im 20 cm hohen Schnee aushalten müssen.

Nun passiert tatsächlich ein kleines Wunder. Die nächsten Tage pendeln sie sich ziemlich genau auf drei Eier am Tag ein. Das heißt zwar immer noch, dass jedes Huhn nur alle zwei Tage ein Ei legt – aber immerhin. Wir können unser Glück kaum fassen. Bi uns ein Licht aufgeht.

Und jetzt sag ich Euch was. Dieses Pack stopft sich den Kropf mit Rasen und was weiß ich voll und nicht mit lecker Körnerkraftfutter. Wie soll aus Rasen bitte schön regelmäßig täglich ein Ei werden können? Für das tägliche Ei muss in das Huhn auch täglich mehr Energie oben reingestopft werden als eben nur solch Wellnessleckerkramrasen.

Wir haben also Wellnesshühner! Und jetzt ist zu allem Überfluss auch der ganze schöne Schnee wieder weggetaut und der Rasen liegt wieder frei. Na toll.

Ich hätte gern wieder 15 cm Schnee. So bis März durchgehend bitte. Damit ich auch mal bei der Nachbarin punkten kann. (Deren Hühner im übrigen auf einem unbegrünten Stückchen Erde zu Hause sind.)

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3 Antworten zu “*** Ich wollt ich wär ein Huhn . . . ***

  1. … wieso sollte man/Huhn sich auch ohne Not anstrengen?! Solange es massenweise Auslauf auf grünem Golfparkett gibt, hat man doch gar keine Zeit für eine tägliche Geburt …

    Ich stelle mir dazu gerade vor, ob ich auf Caye Caulker lieber die Bremsbeläge vom Auto gewechselt hätte anstatt mit Cocktail in der Hand in der Sand Box Bar den Sonnenuntergang zu feiern. Zugegeben, dieser Vergleich hinkt mächtig, und sogar gleich aus mehreren Gründen. Angefangen damit, dass es auf Caye Caulker (zumindest damals™) gar keine Autos gab, aber was anderes fällt mir grad einfach nicht ein …

    Cheers,
    der Wolfram.

    P.S.: am 2.1. und am 3.1. ab 22:00 Uhr NDR schauen! Tatortreinigerzeit!1111!!!!

    • Frau Spätlese

      Erstens: WIESO bist Du um diese Zeit noch auf? (Ich hatte erst morgen früh mit Dir gerechnet.)
      Zweitens: WAS bitte ist Caye Caulker?
      Drittens: Und genau darum geht es. Unser Hühnervolk genießt sein Leben, anstatt sich für uns den Arsch auf zu reißen. (Entschuldige diesen Ausdruck, aber wenn man einmal daneben stand, wenn ein Huhn sein Ei legt – dann möchte man förmlich dafür entschuldigen, dass man ihm (ihr) das abverlangt!)
      *
      UND: Der Tatortreiniger ist ja SOWAS von klasse! Ich freue mich auf die neuen Folgen!

      • Erstens: Ich war noch wach … Und deine Bloguhr geht vor. Jetzt ist es grad erstmal 7:20 Uhr oder so.

        Zweitens: Caye Caulker (sprich in etwa: Kie Korker) ist eine Insel vor der Küste von Belize, was wiederum das einzige Englischsprachige Land in Mittelamerika ist. Vor Belize verläuft das zweitgrößte Barriereriff der Welt; die Strände sind seeehr Karibisch. Caye Caulker ist (bzw. war zumindest) eine Traumdestination für Rucksackreisende. Siehe beispielsweise http://de.wikipedia.org/wiki/Caye_Caulker

        Drittens: Bio und Artgerecht ist eben nicht Garant für Maximalertrag — sonst gäb es ja keine Massentierhaltung, weil alle Bio machen würden. Vielleicht könntest du deinem Federvieh ein bisschen gut zureden, so wie das der Pettersson immer macht? Öfters mal ein Kaffeekränzchen im Hühnerstall oder so …

        Ich freu mich auch auf die neuen Folgen vom Tatortreiniger, auch wenn ich die Erstausstrahlung wohl nicht werde live verfolgen können. Aber für was gibt’s die Mediathek!
        Übrigens hat mir die Süddeutsche das verraten. http://www.sueddeutsche.de/medien/der-tatortreiniger-im-ndr-mord-ist-eine-sauerei-1.1561238

        Cheers,
        der Wolfram.