*** Passt! ***

Eines Tages ist es nun nicht mehr zu übersehen. Der Kronsohn wächst.

Und wächst.

Ganz konkret wächst er aus seinen ehemals super passenden Klamotten heraus und es sieht im Augenblick ein wenig aus, als würde er seine Kleidung der aktuellen Wasserstandsmeldung anpassen.

Da hilft nur eines.

Irgendwie muss ich den Kronsohn in einen Laden und dort zu Testzwecken in mindestens eine neue Hose stecken.

Soweit die Theorie.

Die Umsetzung in die Praxis lässt sich gut an. Der Kronsohn ist gern bereit, mit der Mutter eine Zeit in der großen Stadt zu verbringen. Aus zwei (und zwar genau ZWEI) Gründen. Erstens fällt dabei mindestens ein halblanger Caféhausbesuch ab (alte Kaffeetante ich) und außerdem wäre es ja möglich, dass man zufällig (!) zum passenden Zeitpunkt an einer Kirche vorbeikommt. ‚Mama, können wir so gegen 12 in der Stadt sein?’  (Nachtigall, ick hör dir trapsen.) Keine Idee hingegen verschwendet der Kronsohn an die Neubeschaffung irgendwelcher Textilien.

Mutter hingegen schon.

Also schleppe ich ihn, bevor irgendwelche Cafés oder Kirchen auch nur in Sichtweite kommen, in den ersten mittelgroßen Klamottenshop.

‚Oooch’ – das Gesicht des Kronsohnes mutiert zu irgendetwas länglich Lustlosem. ‚Ich brauch nix.’ Interveniert er, was ich großzügig überhöre.

Ich bugsiere ihn zum Hosenregal, breite die Arme aus und frage hoffnungsvoll: ‚Was für eine Hose möchtest du denn?’

Die Antwort kommt kurz und knackig: ‚Pffft!’ sagt der Kronsohn und zuckt mit den Schultern.

Also greife ich eine Hose aus dem Stapel und halte diese vergleichsweise gegen den Kronsohn.

‚Hmmm’ sagt der und schaut mich erwartungsvoll an.

‚Probier die doch mal!’ sage ich und schiebe ihn in die Umkleide.

‚Muss ich?’ fragt er? Und ich nicke.

Während der Kronsohn in der Umkleide beschäftigt ist, suche ich noch schnell zwei, drei, vier  Hosen heraus, die auch schick sind und passen könnten. Für eine wird er sich dann wohl entscheiden können.

Erwartungsvoll positioniere ich mich vor der Umkleide.

Dann kommt der Kronsohn heraus.

Mir bleibt nur einmal tief und konzentriert durchzuatmen, damit ich nicht vor Lachen laut lospruste.

An meinem doch eher schlank geratenen Kind rutscht die Hose über die Hüfte und hält sich mit aller Not gerade noch so am Po, während es um die Oberschenkel verdächtig schlackert und auf Schienbeinhöhe wie eine Ziehharmonika zusammengefaltet ist.

Gerade will ich ihn erlösen und ihm sagen, dass er diese Hose bitte ausziehen kann um die nächste zu probieren, da kommentiert er den Textilunfall an seinem Körper wie folgt:

‚Passt, die nehm’ ich. Sind wir jetzt fertig?’

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5 Antworten zu “*** Passt! ***

  1. *lautlach* und ich dachte beim Lesen noch, obach! das ist doch Mode, das muss so! Jetzt is´ er aber cool, der Bursche *prust*

    • … ich dachte natürlich obachT!

      • Frau Spätlese

        Der arme Kerl sah so unglücklich aus. Er wollte da gar nicht sein und Hosen anprobieren. Ich glaube, ich hätte ihm wasauchimmer anziehen lassen können – er hätte auch gesagt, das es passt. Nur um der Hölle zu entkommen. 😀
        (Ich hab das Problem jetzt anders gelöst – drei Hosen zur Auswahl kommen per Post, er darf (muss) ganz entspannt zu Haus probieren und was nicht passt, schicke ich zurück.)
        . . . und wieder habe ich die Wirtschaft angekurbelt. *freu*

  2. Sei froh dass Du keine Teeny-Tochter hast. Die hätte Dich durch 97 Geschäfte geschleift, 1003 Sachen anprobiert und 38 Teile haben wollen… Da ist „passt“ besser! 😆

    LG Susanne

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