*** Flügge ***

Jetzt sind wir also seit dem 12. August wieder Eltern von Entenküken.

Mit allem, was dazu gehört.

Zuallererst und ganz schnell baute der Hausherr aus Kükendraht einen Miniauslauf auf dem Rasen. Wir trugen sie in einer Pappkiste morgens raus und abends rein. Schlafen durften sie im Haus – da war es so schön warm und unter unser Kontrolle.

Sie wuchsen und wuchsen. Ein ganz kleines Drama bahnte sich an, als ein Kleines auf einmal ein entzündetes Auga hatte – aber dank Menschenmedizin haben wir das hinbekommen. Da die sieben Kleinen (bis auf zwei) ihre echte Mama nie gesehen haben, waren ihre Vorbehalte uns Riesen gegenüber relativ begrenzt. Neues Futter wurde ohne große Nörgelei angenommen und für leckere Fleischmaden wurden wir auch schon mal überrannt.

Der Miniauslauf wurde durch einen etwas größeren ersetzt, die Pappkiste musste dem Drahtkäfig weichen und irgendwann ließ es der Geruch nicht mehr zu, dass sie im Haus übernachten durften. Gott sei Dank war Sommer und so eine Querlüftung schafft ganz schön was weg.

Von da an übernachteten sie im Vorraum der Villa Huhn.

Dann vergrößerten wir ihren Auslauf erneut (Ist Euch eigentlich klar, wieviel Rasen so eine durchschnittliche Ente verputzt und anschließend wieder auskackt?) und vergrößerten den Auslauf erneut.

Bis sie irgendwann so groß und schwer (und fast ausgewachsen) waren, dass sie weder in den Transportkäfig passten, noch alle zusammen durch einen von uns allein getragen werden konnten. Ab dem Tag mussten sie lernen, durch die Klappe nach draußen zu gehen und die Außenstufen allein hinab- und hinaufzuwatscheln. Aber auch das haben sie prima gemeistert. Ein bisschen mühselig war das Bereitstellen von frischem Wasser. Wenn 7 Enten in einer Fleischerkiste baden und sich putzen möchten, ist das Wasser in wenigen Sekundenbruchteilen nicht mehr in sondern neben der Kiste.

Aber unsere sieben Kleinen wuchsen zu sieben fast großen Entenschönheiten heran.

Und irgendwann kam der Tag, da stellten sie fest, dass sie Flügel hatten.

Glücklicherweise verfügen sie über eine gute Beobachtungsgabe und schauten aufmerksam, wenn die acht Altenten laut meckernd ihre Runde über das Grundstück flogen.

Und eines Morgens (ganz genau heute vor einer Woche) war es soweit.

Als wir morgens aus dem Haus kamen, um sämtliches Futter für alle unsere gefiederten Freunde vorzubereiten, warteten dort nicht wie normal acht Enten vor dem Keller, sondern zehn. Und eine davon gelb.

So so.

Nachdem wir (endlich) alles Futter zusammengestellt hatten und auf dem Weg zur Villa Huhn waren, flogen uns zwei weitere Enten entgegen. Und eine davon gelb.

Na gut, sagten wir. Ihr wisst jetzt also, dass ihr fliegen könnt.

Der Hausherr und ich blickten uns tief in die Augen und beschlossen, dass wir dieses, uns entgegengebrachte Vertrauen beim besten Willen nicht enttäuschen können. Auf keinen Fall würden wir die Flügel unserer kleinen Lieblinge beschneiden.

Denn natürlich haben die drei Gelben und vier Braunen unser Herz mit ihrem Vertrauen ins uns absolut erobert.

Und wenn sie sowieso fliegen können, was nutzt dann ein 50 cm hoher Kükendraht?

Also weg damit.

Was hatten die Sieben für einen Spaß auf dem Teich. Plötzlich gab es keine Wasserbegrenzung mehr. Sie konnten baden und tauchen nach Belieben. Und was gab es alles zu erkunden? Wir haben noch nie so glückliche Enten erlebt – mit ein ganz bisschen Sorge im Herzen, wie es sich wohl gegen Abend entwickeln würde.

Denn die Altenten wollten mit dem Nachwuchs noch immer nicht wirklich etwas zu tun haben. Sie verteidigen einfach weiterhin ihr Revier. Auch wenn die Kleinen mittlerweile groß genug sind, so dass die Alten ihnen nicht wirklich gefährlich werden können. Aber diese haben zum Beispiel bis heute die Hoheit über das Entenhaus. Die Kleinen werden dort immer noch nicht heraufgelassen. Außerdem sind die Großen ob der neuen Konkurrenz ein wenig angenervt und sind uns gegenüber etwas vorsichtiger. Wer gibt schon gern etwas von seinem Revier ab?

Nun ja. Mittlerweile setzte dann also die Dämmerung ein und die sieben ‚Kleinen‘ waren immer noch glücklich auf dem Teich unterwegs.

Aber, wer Enten kennt, weiß: Enten können IMMER fressen. Also lockte der Hausherr mit einem lecker gefüllten Futtereimer die Enten vom Teich (was gelang) in Richtung Villa Huhn (was ebenfalls gelang). Und zwar nicht nur in Richtung Villa Huhn sondern auch vollständig hinein. Als Belohnung bekamen alle sieben noch eine anständige Futterration.

Geschafft.

Am nächsten Morgen öffnete sich die Klappe automatisch und wir sahen sieben glückliche Enten im Entenmarsch Richtung Teich watscheln.

Und nach einem Tag voller Spaß lockten wir sie abends wieder hinein.

*

Das geht jetzt seit einer Woche so. Morgens dürfen sie allein heraus – werden aber bei der Villa Huhn gefüttert und kontrollieren diese Futterstelle auch mehrmals täglich. Und das abendliche ‚Einlochen‘ der Enten wird immer einfacher. Auf Lockruf kommen sie vom Teich und fast ganz allein hinterher bis zur Villa Huhn. Wenn sie den Hausherren tagsüber im Garten finden, belagern sie ihn so lange, bis er ihnen den Boden im Garten umgräbt und ihnen somit leckerste Regenwürmer serviert. Auf eiweißhaltige Nahrung sind die Kleinen total scharf. Richtig glücklich war der Hausherr, als er sie mit IN (!) das Gewächshaus nahm und sie dieses gründlich nach Schnecken absuchten.
*

So.

Jetzt haben wir also 15 (in Worten fünfzehn) glückliche aber flugfähige Stockenten (davon drei gelbe) auf dem Hof. Und alle haben einen Platz in unserem Herzen.

*

Das wird schwer.

 

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2 Antworten zu “*** Flügge ***

  1. Oh ja, das glaube ich, denn Enten mag ich auch gerne zusehen, wußte gar nicht, dass sie Regenwürmer mögen, wieder was gelernt.
    Nun bin ich gespannt, wie es mit den Stockeneten weitergeht.

    LG Mathilda

  2. Das hast Du aber schön beschrieben! 😀
    Nun wollen wir aber auch Fotos sehen. Besonders von den gelben…

    LG Susanne

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