*** Alle Jahre wieder ***

Ach so – nein – ich rede nicht von Weihnachten. Ist ja auch noch ein bisschen hin, bis dahin. Das kann ich derzeit noch verdrängen.

Nein, nein. Viel banaler.

Alle Jahre wieder, wenn das Kurzzeitgedächtnis mit vielen, unzähligen, kleinen Nebensächlichkeiten beschäftigt ist und das Langzeitgedächtnis sich vom Altersschwachsinn suggerieren lässt, dass früher alles viel schöner war und überhaupt und das waren noch Zeiten, als man damals mit dem Vater stundenlang durch den Wald auf der Suche nach Pilzen . . . dann fällt unausweichlich von mir der folgenschwere Satz: „Schatz, es soll morgen so ein schöner Herbsttag sein, außerdem war es jetzt ein paar Tage noch mal warm und geregnet hat es auch . . . wollen wir Pilze sammeln?“

Spätestens in diesem Moment ist mir schlagartig klar, dass ich mir am besten entweder die Zunge abbeißen sollte oder eventuell Antrag auf ein wenig Gehirnimplantat stellen sollte. Wie um Himmelswillen konnte ich vergessen, was ich noch im letzten Jahr vom Pilze sammeln hielt?

Aaargghhh!

Aber jetzt ist es heraus. Der Hausherr ist hocherfreut. Es gibt kein Zurück.

Also müssen jetzt Strategien für das Überleben entwickelt werden . . .

Plan 1: Ich werde ganz beiläufig und lässig ein Stöckchen greifen und mir die Wege frei fechten. Die Chance, dass man dabei beobachtet wird, ist mitten im verlassenen Wald relativ gering. Blöderweise scheiterte Plan 1 an meinem tollen Kurzzeitgedächtnis. Als wir bereits eine Viertestunde im Auto unterwegs waren, fiel mir ein, dass ich mein Stöckchen vergessen hatte . . . Der Hausherr ließ sich nicht zum Umkehren bewegen. Und ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie aufgeräumt deutsche Wälder sind?

Daraufhin entwickelte ich Plan 2: Immer dem Hausherr hinterher. Theorie: Er nimmt vor mir alle Spinnweben aus dem Weg und ich kann völlig unbehelligt hinterher spazieren. Dadurch sinkt zwar die Wahrscheinlichkeit, dass ich auch Pilze finde . . . aber damit kann ich leben. Ich sammele nämlich lieber, als das ich sie esse . Aber auch dieser Plan hatte seine Tücken und stellte eine große Herausforderung an mein Kurzzeitgedächtnis dar. Denn ich konnte natürlich nicht direkt hinter ihm herlaufen. Das wäre ja zu auffällig. Also musste ich es diskreter angehen lassen und da begann das Problem. Moment – ist er da an dem Baum links oder rechts vorbei . . . Mist!

Dann kam mir für Plan 3 der Zufall zur Hilfe. Intelligenterweise war ich nur mit Turnschuhen ausgestattet. Wir hatten meine Stiefel zu Haus gelassen, mit der Begründung, es wäre ja warm und nicht feucht. Also würden Turnschuhe genügen.  Erstens: Irrtum! Im Herbst ist es trotz sommerlicher Temperaturen im Wald immer feucht. Und zweitens: Wieso hatte dann eigentlich der Hausherr seine Stiefel mit und meine nicht?

Aber egal. Ich genoss eine Weile den Komfort auf dem Weg zu laufen  – und somit sämtlichen tückischen Weben aus dem Weg zu gehen. Außerdem stellte ich dabei fest, wie erstaunlich es ist, dass sogar am Wegesrand Pilze wachsen. Wenn der Hausherr mit drei Pilzen aus dem Wald kam, konnte ich ihm meine zwei vollen Hände entgegenstrecken und ihn darauf verweisen, dass dort noch mehr stünden, die ich nur nicht mehr tragen konnte . . .

Glücklicherweise waren aber auch die Spinnen dieses Jahr wohl extrem webfaul (zumindest an diesem Tag) und es waren wirklich außerordentlich wenige Netze aufdringlich gespannt. Ich konnte also tatsächlich ein paar Schritte in den Wald wagen – es war wirklich erträglich.

Außerdem war es ein wirklich wunderschöner, fast sommerlicher Tag und ich hatte meine Kamera mein Handy dabei. So mitten im Wald zwar ohne Verbindung zur Außenwelt aber immerhin mit funktionierender Kamera.
Und so konnte ich den Hausherr beim Pilze suchen beobachten:

Eigentlich wollte ich ja den schönen leuchtenden Baum fotografieren, aber der Hausherr hat sich einfach in’s Bild gedrängelt . . .

Glücklicherweise blieb es dann auch wirklich nicht nur beim Suchen. Wir konnten auch finden . . .

Auch wenn ganz kurz Nachdenklichkeit aufkam, als ich dem Hausherr ein besonders dickes, großes Exemplar einer Marone überreichte mit den Worten: „Damit liege ich jetzt nach Gewicht vorn.“ und er nur kurz antwortete: „Das tust Du doch sowieso.“

. . . aber wer will an so einem schönen Tag schon streiten . . .

Das Schönste am Pilze sammeln ist für mich jedenfalls immer, dass wir uns ein Verwöhnmittag gönnen. Diesmal aßen wir im Hotel Rosendomizil in Malchow. Auf der Terasse am See, ohne Jacke, bei 20°C. Alle Spinnen waren vergessen. 😉 Als ich vom Händewaschen kam, empfing mich der Hausherr mit den Worten: „Ich hab schon mal ein Glas Rotwein bestellt. Und wer das trinkt, braucht auch nicht fahren . . .“ Nun, was soll ich sagen? Ich vertrage mittags noch keinen Wein – der haut mich regelmäßig vom Sockel . . .

Also fuhr ich nicht nur die Hin- sondern auch die Rückstrecke.

Aber ich konnte dadurch auf dem Rückweg durch einen geschickt geplanten Umweg die Pilzbilanz noch auf Gleichstand bringen. Es ist ja kaum zu glauben, wo überall Pilze wachsen . . . 🙂

So, für dieses Jahr sind wir mit den Pilzen durch.

Uff.

😉

Advertisements

7 Antworten zu “*** Alle Jahre wieder ***

  1. Wir hatten gestern auch einen Pilzsamstag. Waren in der Nähe von Wandlitz unterwegs.
    Wobei ich mehr auf dem Boden hockte und die Pilze digital sammelte. Waren nämlich hübsche Giftdingerchen darunter.
    Eure Beute ist ja auch gut Parasolpilzlastig 😉

    • Die sind halt einfach am besten zu finden – nämlich schlichtweg nicht zu übersehen. 😉 Glücklicherweise esse ich die auch am liebsten.

  2. Wow, das ist ja eine große Ausbeute! 😀 Leider kenne ich mich nicht mir Pilzen aus und lasse deshalb lieber die Finger von den Dingern.
    Der Baum, überm Hausherrn, leuchtet wirklich schön in der Sonne! Erstaunlich was für schöne Fotos man mit dem Handy machen kann…

    LG Susanne
    PS: Hast Du von der Kalenderverlosung auf Mirandas Blog mitbekommen?

    • Bei dem Foto hab ich mir von der ‚Pro HDR‘-App helfen lassen.
      Und:
      Oh nein, die Verlosung habe ich noch nicht gefunden. Ich gebe zu, ich habe erheblichen Leserückstand. 😦
      Aber ich werde mich ans Lesen machen . . .

  3. Du erinnerst mich daran, dass unser Pilzsuchtag auch noch aussteht. Eure Ausbeute macht ja einen recht guten Eindruck – sieht echt lecker aus und war’s sicher auch?!
    LG

    • Oberlecker! Lass Dir nicht zuviel Zeit – es wird wieder kälter – und: wir haben nicht sehr viel übrig gelassen! 😀

  4. Pilzesammeln und Spazieren, die letzten Wochen waren echt himmlisch, um die Zeit möglichst draußen zu verbringen. Das mit den Stiefeln ist ja doof, aber zum Glück ja nochmal gut gegangen^^. Ich hab mir jetzt ein neues Paar bestellt die hier, und schau, heute ist es wieder grau und feucht, das timing ist also perfekt. Vielleicht wird´s ja am Wochenende mal wieder schön sonnig. Was für Stiefel hast du denn sonst beim Spazieren an?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s