*** Da geht noch was . . . ***

Es ist Samstag früh. Sehr früh. Noch vor dem zweiten Kaffee früh. Trotz alledem will das Viechzeugs versorgt werden und Frau Spätlese geht, wenn auch langsam, dem Hausherren zur Hand. Im Keller reihen sich die verschiedenen Vogelfutter- und Vorratsbehälter auf der Arbeitsplatte aneinander. Der Hühnertrog ist halb gefüllt.

Da sich der zweite Kaffee noch etwas außer zeitlicher Reichweite befindet, beschließt Frau Spätlese, es in der Zwischenzeit mit einem bereits fertig gebrühten schwarzen Tee zu versuchen. Gesagt getan. Tee in den Becher. Etwas Milch dazu.

Die zu so früher Stunde reduzierte Auge-Hand-Koordination führt dazu, dass Frau Spätlese die Milchflasche 3 cm zu früh los läßt. Na gut, vielleicht waren es auch 5. Wer misst in so einem Fall schon nach?

Für die Milcgflasche jedenfalls war die Toleranzgrenze überschritten. Nach diesem unsanften Aufprallen lassen sprang sie in möglichst viele kleine Einzelteile (sprich: Glasscherben) auseinander.

Natürlich war noch ausreichend Milch darin befindlich und nun folgerichtig auf der gesamten Arbeitsplatte verteilt. Zur Erinnerung: Und dabei unter sämtliche Gefäße und hinter die Rückwand zu fließen. Nun gut. Kleopatra hat damals ihrer Schönheit zuliebe in Eselsmilch gebadet – sagt man. Hier gab es nur Kuhmilch – und ob sich die Arbeitsplatte davon beeindrucken lässt . . . ? Egal – wir wollten die Küchenarbeitsplatte doch sowieso schon lange mal richtig gründlich sauber machen.

Haken!

*

Etwas später: Frau Spätlese steht mit frisch gewaschenen  und deshalb nassen und unter einem Handtuch verborgenen Haaren draußen und hält einen Regenschirm über Schwesterherz1 und die beste Mutter von allen. Es regnet zwar, aber der Hausherr möchte unbedingt seinen letzten Angelerfolg, den 8,7 kg Karpfen, zeigen. Das ist auch gut so – das soll er ruhig tun. Und weil es aber regnet – eben ein Regenschirm.

Die beste Mutter von allen schaut mit gerunzelter Stirn auf den handtuchumwickelten Kopf von Frau Spätlese und meint: ‚Du mit deinen frischgewaschenen Haaren – geh mal lieber rein, sonst holst du dir noch was weg.‘ Typisch Mutterherz halt. Kann nicht verstehen, dass die eigenen Kinder auch irgendwann mal erwachsen werden und auf sich selber aufpassen können. Aber so einfach lässt Frau Spätlese sich nicht aus dem Weg schieben. Da hat sie den richtigen Spruch für. Sie kontert: ‚Mama, ich bin jetzt 42 und alt genug um zu entscheiden, was ich mir zumuten kann. Ich werde schon nicht krank!‘ Es kam, wie es kommen musste: Die beste Mutter von allen lässt sich davon nicht beeindrucken.Und in einem Ton, der keinen Widerspruch duldet und Frau Spätlese glatt 30 Jahre in der Zeit zurückkatapultiert sagt sie:  ‚Kind, ich bin 62 und ich weiß, wann man sich erkältet – ist mir gerade erst passiert. Also geh rein.‘

Ob ich irgendwann nocheinmal erwachsen werde?

*

Noch etwas später:

Mittag ist fast fertig und für die Soße wird noch etwas Dill und Petersilie benötigt. Heldenhaft beschließt Frau Spätlese (mit inzwischen trockengeföhnten Haaren) diese Aufgabe zu übernehmen. Sie wirft sich die Regenjacke um die Schultern und zieht die Kapuze tief ins Gesicht, denn es regnet immer noch. Schnell ein Büschel Petersilie gerupft. Der Dill steht glücklicherweise dicht daneben. Jetzt noch schnell unter bereits aufgebauten Gewächshausgerüst hindurchducken und . . . nicht tief genug gebückt . . . Mist!

Frau Spätlese wird vom Rückprall unsanft auf alle vier Buchstaben in herrlich durchfeuchtete Gartenerde geworfen. Von der Beule aufdem Kopf ganz zu schweigen. – Aua – Außerdem hat sie jetzt natürlich Erde an beiden Händen – keine Chance also, die Kräuter sauber in’s Haus zu bekommen.

Oooommmm.

*

Um ganz sicher zu gehen, dass sie ihr Pensum für den Samstag erfüllt hat, hat Frau Spätlese sich den restlichen Samstag nur sehr langsam, sehr vorsichtig und überhaupt fast gar nicht von der Couch weg bewegt.

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5 Antworten zu “*** Da geht noch was . . . ***

  1. Oh je, gute Besserung…so was aber auch 😆

  2. Mein Tipp: Arnika an den Kopp und kalten Hopfentee in den Mund. Einen Versuch ist’s wert …

    • Frau Spätlese

      Arnika – echt jetzt – willst Du mich vergiften?
      Nein, nein – war ein Witz. Ich hab den Hopfentee durch Gewürztraminer ersetzt – schmeckt mir persönlich besser – und funktioniert auch. 😀

  3. In solchen Fälle und an solchen Tagen setze ich mich ganz still in eine Ecke und tue gar nichts mehr.
    LG, ich hoffe, die Beule ist schon etwas kleiner