*** Sammelsurium ***

Ich ahnte es schon länger. Ich bin kein Offroader, kein Freilandmensch. Ich mag nicht mitten im Nirgendwo sein. Wo Fuchs und Hase wohnen und sich gelegentlich gute Nacht sagen ist mir egal.  Auch das allerlieblichste Vogelzwitschern geht mir auf die Nerven, wenn ich darauf warte, endlich wieder Empfang zu haben. Und ich rede hier noch nicht einmal von 3G. Ganz besonders ärgerlich ist dieses offroadsein, wenn man sich auf der Autobahn irgendwo zwischen Klein Püttelkow und  Sankt Nimmerlein befindet und im obercoolen Leihwagen nur Beifahrer sein darf. *Safari konnte die Seite nicht öffnen* – grmpf!

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Manchmal muss man sich aber vom Hof bewegen ohne wenn und aber. Ohne Ausrede. Da muss man am kulturellen Leben teilhaben. Und wenn mich schon Monate vorher arge Bauchschmerzen befallen, weil wir in die große Stadt müssen unter laute schicke Stadtmenschen und ich weiß, dass mein Kleiderschrank genau wie ich unter ärgsten Minderwertigkeitskomplexen leidet. Selbst wenn ich mir sämtliche Gliedmaßen maniküren und Pediküren lasse, mir kommt das Landei aus jeder Pore. Und weil es allein deshalb ist, weil ich diese schicken Sachen an meinem Körper schon im Urlaub vor drei Jahren anhatte und mindestens die Hälfte der Partygäste das auch registriert hat. Trotzdem fand ich mich schick. Ich Landei, ich.

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Sollte es jemals eine olympische Disziplin im Fettnäpfchen treten, bin ich ohne Zweifel der erste große Anwärter auf sämtliche ersten Plätze, dass bei meiner Anwesenheit erst gar keine Wettkämpfe stattfinden brauchen. Es gelang mir nämlich mit Anlauf und Kopf über in ebenjenem zu lande, als ich eine junge Mutter freundlich den runden Bauch tätschelnd fragte, wann es denn soweit sei. Aber als Antwort nur einen irritierten Blick bekam – wieso ich fragte, der Sohn wäre doch schon 3 Monate alt. Mwaha.

Ich weiß nicht genau, wie es mir gelungen ist, dem Fluchtreflex zu widerstehen und nicht unter den Tisch zu krabbeln.

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Ansonsten war es eine sehr schöne Feier. Je später es wurde (also je mehr wir uns dem Zeitpunkt näherten,  zu welchem die heutigen Jugendlichen zu einer Party überhaupt erst losgehen) umso klarer wurde, dass wir doch jetzt schon langsam zur älteren Generation gehören. Es ging alles sehr, sehr gesittet zu. Es gab nette Gespräche statt anstößiger Gesänge. Um ja nicht betrunken und peinlich zu werden, mieden der Hausherr und ich den ganzen Abend unseren Lieblingsrotwein und hielten uns stattdessen mit Weißweinschorle und Prosecco auf Eis munter. Wenn man schon Landei ist, will man ja schließlich nicht noch weiter negativ auffallen.

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Die Nacht im Hotel war wie alle Nächte im Hotel. Es war nicht das eigene Bett, die Luft war anders, die Geräusche waren anders. Und im Nebenzimmer lag der Sieger der letzten Schnarchweltmeisterschaft.  Und auch wenn man um zwei erst im Bett liegt kann man am nächsten Morgen irgendwie nicht länger als bis acht Uhr schlafen. Ist das der Beginn der senilen Bettflucht?

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Jetzt sind wir wieder zu Haus, wir alten Säcke, und es ist gar nichts mehr aufregend hier. Könnte man ja eigentlich auch schon fast wieder dran rummeckern . . .

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Eine Antwort zu “*** Sammelsurium ***

  1. Sehr schön berichtet! Gefällt mir! 😀

    Schau mal wir haben auch wieder Küken: http://hilfefuermiranda.wordpress.com/2012/07/16/mama/

    LG Susanne

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