*** Dicht daneben ist auch vorbei ***

Heute mal ein Beitrag zur Erziehung. Erziehungsratgeber gibt es ja bekanntermaßen soviele wie Pilze im Walde nach einem herbstlichen Regenschauer. Jetzt veröffentliche ich doch auch einfach mal einen. Vielleicht lohnt sich das ja sogar und ich schreibe irgendwann ein Buch darüber. Der Titel könnte ungefähr so klingen: ‚Und erstens kommt es anders als man zweitens denkt.‘ Auch wenn das nicht von mir ist – und der Ausspruch mit Sicherheit keine Seltenheit ist – aber das trifft es perfekt.

Die meisten Eltern haben ja bei der Aufzucht ihrer Brut eigentlich nur deren allerbestes Wohlsein im Kopf. ErSieEs möge klug, gebildet, erfolgreich uswusf sein.

Das geht uns ganz genauso. Und deswegen haben wir auch schon Fussel am Mund wegen der Dauerschleifepermenentwiederholung von Aufforderungen wie ‚Sitz gerade – Mach den Mund zu – Nimm den Ellenbogen vom Tisch, Mach dieses, Lass jenes, *HierIhreneigenenbevorzugtenTexteinsetzen*‘ Kennt Ihr. Bestimmt!

Da aber alles Reden häufig zum linken (oder rechten) Ohr rein und durch das rechte (oder linke) wieder rausgeht und dabei so wenig Hirnwindungen wie möglich berührt, haben die Eltern Spätlese beschlossen, nur eigene Erfahrungen lehren ernsthaft. Denn wie soll der Kronsohn zum Beispiel lernen, mit Geld und Handy umzugehen, wenn er beides nicht zur Verfügung hat?

Ihr bemerkt das bekannte, gefährliche Gebiet, auf welches wir uns nun begeben?

Also bekam der Kronsohn zu Weihnachten endlich das heißersehnte Handy.

Gedanken über den Tarif haben wir uns natürlich auch gründlich gemacht. Eine Ankopplung an unsere Tarife in Form einer ‚Partnerkarte‘ fanden wir nicht sinnvoll. So würde der Kronsohn ja gar nicht mitbekommen, was so ein Handy an Kosten verursacht. Richtig soweit? Also landeten wir selbstverständlich bei einem der vielen Prepaid-Tarife. Prima – dachten wir, jetzt kann das Kind mal sehen, dass nix umsonst ist. Ein monatliches Taschengeld wurde eingerichtet und der Plan war, dass er lernen sollte, mit 15,- € im Monat (maximal mögliches Maximum) auszukommen. 

Jetzt konnte die Telefonparty also beginnen.

Und an dieser Stelle beginnt sich die sprichwörtliche Spreu vom Weizen sprich Dichtung von der Wahrheit zu trennen. Denn der Kronsohn hatte mitnichten nur 15,- € im Monat für Telefongeld zur Verfügung. Er hat nämlich 2 Paar Großeltern, diverse Tanten und außerdem freundliche Nachbarn. Und gute Gelegenheiten gibt es allemal. Zeugnisgeld, Ferientaschengeld, Geburtstagsgeld . . .

Jedenfalls sind wir eine große, liebevolle, einfühlsame Familie. Denn nun hat der arme Junge ja mit fast 14 erst endlich sein Handy, da muss er doch auch wenigstens telefonieren können, wo er doch die Woche im Internat ist . . .

Dabei haben wir alle vergessen, dass angerufen werden den Kronsohn eben NICHTS kostet, Internet und Lieder-(undwasweißich)-Download aber sehr wohl.

Jedenfalls mussten wir bemühten Eltern einsehen, dass diese ‚Handy-kostet-Geld-Erziehungsmaßnahme‘ geradezu wirkungslos verpufft ist. „Handy kostet Geld? Ja, aber hab ich doch. Ach so, Mama, könntest Du das hier auf mein Sparbuch einzahlen?“ Spricht der Kronsohn und wedelt mit einem Wochenhaushaltsgeld vor meiner Nase.

An dieser Stelle muss ich nun einfach mal bei Josephine klauen, aber es geht grad gar nicht anders:

Kopf —> Tischkante

Und pssst, kommt mal dichter, ganz leise. Also, pssst, wenn ich ehrlich bin, habe ich keinerlei Überblick darüber, wieviel der Kronsohn denn nun seit Weihnachten telefoniert hat. Wenn ich das aufaddiere, wovon ich die Quittungen hier habe, bin ich locker bei 30,- € im Monat. Seit Weihnachten.

Das Kapitel 1 in meinen Erziehungsratgeber heißt also: ‚Wie Ihr Kind auf keinen Fall lernt, Handykosten unter Kontrolle zu halten.‘

Das war also nix. Blöderweise weiß er nun, wie er das Handy aufladen kann. Das sollte er ja schließlich auch lernen, um selbständig zu sein.

Irgendjemand eine Idee da draußen?

Eine funktionierende?

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