*** Entzugserscheinungen ***

Oder: Sieben Wochen ohne!

Nicht was Ihr denkt. Echt jetzt. Frau Spätlese nimmt wie jedes Jahr die Fastenzeit zum Anlass, ihren Willen zu trainieren. In den letzten Jahren verzichtete sie auf das Gläschen Wein am Abend ebenso wie auf das Verdauungsschnäpschen nach dem Mittag und auf die vorbeugende Ingwermedizin . . . Das war alles kein Problem, Frau Spätlese konnte sich auch prima an einem Glas heißen Apfelsaft festhalten, während ihre Leber auf Fronturlaub war.

Letztes Jahr wurden der Hausherr und Frau Spätlese übermütig und setzten zusätzlich zum Alkohol auch sämtliche Süßigkeiten auf die Liste. Das erwies sich als völlig bekloppt – weil sie nun jeden Mittag endlos Diskussionen ausfochten, ob Nachspeise zu ’sämtliche Süßigkeiten‘ gehört. Und sie saßen an unserem Hochzeitstag im Restaurant ohne ein Glas Wein und ohne Dessert . . .  Dieses Jahr wurde das folglich konkretisiert auf: gekaufte, industriell hergestellte Süßigkeiten. Das heißt, wenn der Hausherr seine Frau Spätlese irgendwann mal irgendwohin lecker zum Abendbrot ausführen sollte (*ganzheftigmitdemzaunpfahlwink*) dann darf sie dort auch das Dessert probieren.

Soweit so gut.

Dieses Jahr ist Frau Spätlese aber nun komplett dem Größenwahn erlegen und verzichtet in den kommenden Wochen auf: Alkohol – gekaufte, industriell hergestellte Süßigkeiten – UND auf Tadaaaa: Kaffee!

Mwaaahaaa.

Kaffee . . . .

Nachdem Frau Spätlese sich die ersten drei Tage mit Dauerkopfschmerz rumplagte, der sich anschließend auf die Hüften und jetzt runter zu den Knien bewegt, trinkt sie brav Kräutertee, Wasser, Kräutertee, heißen Apfelsaft und Kräutertee. Außerdem hat sie nun quasi keinen Blutdruck. Zumindest keinen nennenswerten. Jetzt könnte man meinen, so eine ‚Quasiruhigstellung‘ hätte ja auch was gutes und sie wäre nun geradezu prädestiniert mit geradezu unerschöpflicher Ruhe mit dem Kronsohn die Hausaufgaben abzuarbeiten.

Weit gefehlt.

Während der Krohnsohn mit Hingabe durch ihr nun sehr zartes Nervengerüst turnt und sie hingebungsvoll an ihrem Kräutertee nippelt zieht vor ihrem inneren Auge  eine endlose Parade von Kaffeespezialitäten vorbei. Capuccino lässt sich von Latte Macchiato ablösen, welcher von Espresso verfolgt wird . . . Schnell noch einen Schluck lecker Kräutertee!

Und erst im Büro . . . da geht das Leiden weiter . . . bei Kräutertee . . . leise zählt Frau Spätlese die verbleibenden Stunden bis zum Ende von ’sieben Wochen ohne‘

Beileidsbekundungen bitte über die Kommentarfunktion.

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12 Antworten zu “*** Entzugserscheinungen ***

  1. …und nächstes Jahr dann auch noch Klopapier-Fasten, oder wie?!?
    😉

    • Frau Spätlese

      Ooooch menno – ich hab so ganz fest mit eurem Mitleid gerechnet . . .
      Aber ‚Klopapierfasten‘ klingt toll. 😉 Hast Du Erfahrung dadrin?

      • Also, ich wollte keinesfalls respektlos klingen!
        Ich glaube, ohne Kaffee könnte ich nicht überleben…
        Und Klopapierfasten ist vermutlich nur eine saudumme Idee von mir, weil das könnte ja bei näherer Betrachtung ganz schön in die Hose gehen…

        🙂

      • Frau Spätlese

        . . . ich fand’s trotzdem witzig! *tröstendaufdieschulterklopf*

      • *Schnüff*, danke, *tränenausdenaugenwinkelnwisch*…
        Eigentlich war ich nur mal wieder unfähig, das, was ich mir gedacht habe, in ordentliche Worte zu packen. Denn eigentlich wollte ich nur sagen: „Was eine Horrorvorstellung! Ohne Kaffee gibt es doch gar kein Leben!“

  2. Man muss aber auch mal auf ein Opfer verzichten können 😉

    • Frau Spätlese

      Toller Spruch! Wird sofort in meinen Sprachwortschatz übernommen! *notiertfreudig*

  3. Herzliches Beileid 😉 Ich war auch ganz erstaunt, wie giftig Kaffee sein muss, wenn man ohne SO leiden muss. Seit ich aus gesundheitlichen Gründen da mal eine Weile drauf verzichtet habe, sehe ich das jetzt so wie Lo 😉

    • Frau Spätlese

      Die Schmerzen sind jetzt zum Glück alle weg. Und ich bin um eine Erfahrung reicher. Verzichten – gerne mal immer wieder, um die Widerstandskraft zu trainieren – aber NIE wieder auf Kaffee! Aber unabhängig davon ziehe ich das jetzt durch. Ich bin ja auch stur! 😉

  4. Mein aufrichtiges Beileid, arme Frau Spätlese. Ich kann das wirklich nicht mit anlesen, was Du Dir zumutest. Diese Tapferkeit ist soooo beeindruckend! Mein Gott, das tut mir alles so furchtbar leid.

    Nun kann ich aber nicht mehr ernst sein. Es ist vorbei mit meiner Beherrschung. Ich konnte das kaum richtig zuende lesen, so sehr musste ich lachen. Ist toll geschrieben – so mag ich das!!!!!!! ;-D 😀 😀