*** Zuwachs in der Villa Huhn ***

Nein, eigentlich nicht wirklich Zuwachs (Von dem mißglückten Brutversuch habe ich ja bereits erzählt.), sondern ein Zukauf. Da jetzt Herbst ist und der Winter vor der Tür steht und nun die für Hühner wichtige Zeit kommt, in welcher sie ihre Qualitäten als Frikassee, Broiler und Hühnerbrühe in der menschlichen Ernährung unter Beweis stellen können.

Langer Satz.

Heißt kurz: Es wird geschlachtet werden. Und damit wir danach auch noch Hühner (und Eier) haben, muss man also vorher schon für Nachschub sorgen. Also Vorschub. Oder so.

Also habe ich Hühnernachschub besorgt und damit wir also in diesen schwarz-weißen Hühnerhaufen . . .

Sussex-weiss-schwarz

Sussex-weiss-schwarz

 

. . . noch etwas Farbe bekommen, habe ich mich für  Sussex braun-gelb Columbia entschieden. Sussex sollten es wieder sein. Erstens weil wir wirklich selber die Erfahrung gesammelt haben, dass das eine friedliche und zahme Rasse ist und zweitens weil so ein Sussex-Hahn wie unser Willi kleinere Hühner einfach mal ‚platt‘ machen würde, mit seinem Gewicht.

Also haben wir seit einer Woche jetzt 3 neue Damen im Hühnerzirkus. Nämlich diese:

Sussex-gelb-braun

Sussex-gelb-braun

 

„Wenn Sie denen wirklich einen Gefallen tun wollen, setzen Sie sie nachts einfach auf die Stange dazu. Dann nehmen die schon so ein bisschen Stallgeruch an. Und morgens beim Aufwachen sind die drei eben schon da – dann werden die nicht so gejagt.“ Sagte der Züchter, als er mir die wertvolle Fracht übergab.

Nichts leichter als das. So ein schlaftrunkenes Huhn einfach mal durch die Gegend zu tragen ist schon witzig. Jedenfalls wachten am Sonntag Morgen vor einer Woche alle Hühner gemeinsam in einem Stall auf . . .

Seitdem üben wir Integration.

Am ersten Tag spazierten die drei neuen Grazien erst einmal in aller Seelenruhe über das Hühnergelände, verschafften sich einen Überblick und versuchten sich ersteinmal untereinander über die Hackordnung klar zu werden. Bevor sie sich mit den Alteingesessenen auseinandersetzen mussten. Da habe ich mich schon gefreut, wie leicht und toll das doch diesmal geht.

Von wegen.

Jetzt sind wir eine Woche weiter und die Situation ist wie folgt: Morgens, wenn die Hühnerklappe aufgeht, stürmen die Alten raus, Futter fassen. Verfressenes Volk das! Die Neuen bleiben auf der Stange sitzen und harren der Dinge, die da kommen mögen. Das bin ich! Und ich erkläre ihnen jeden Morgen geduldig, dass ein neuer schöner Tag ist, dass dort draußen lecker Futter steht und dass ich jetzt bitte diesen Stall sauber machen möchte. Nach einer mehrere Minuten langen Ansprache habe ich die drei soweit motiviert, dass sie nach draußen gehen, wo Willi sie schon sehnsüchtig erwartet.

Vor ihm retten sie sich mit einem kurzen Sprint unter die Hecke. Und dort sitzen sie dann. Immer in der Nähe des Futternapfes. Denn sie haben schon gelernt: Wenn die Alten satt sind und über das Gelände spazieren ist genug Zeit, auch selber Futter zu fassen. Also sitzen sie unter der Hecke und warten. Seit 2 Tagen nun schleichen sie auch schon mal um den Futternapf, wenn die anderen noch fressen. Was, wenn sie zu dicht kommen, mit gezieltem Gehacke quittiert wird. Aber sie werden mutiger. Das ist wichtig. Ob die Alten nun toleranter werden? Keine Ahnung. Manchmal möchte ich die Alten einfach mal am Kamm packen und mit vorzeitigem Brühvorgang drohen, wenn sie sich nicht endlich bequemen, große, liebevolle Familie zu spielen . . .

grrrrr

Aber das geht so nicht. Wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich mich auch nicht erinnern, wie lange es im Frühjahr gedauert hat, bis wir unseren schwarz-weißen Zukauf integriert hatten. Warum soll man sich so etwas Wichtiges auch merken?

Schön ist jedenfalls, dass die Neuen das allein in den Stall gehen ganz prima beherrschen und durchaus auch schon mal die ersten sind, die im Stall verschwinden. Was nicht heißt, dass sie die besten Plätze bekommen. Auch hier analog zum Frühjahrsnachkauf: Sie sind (vorerst noch) die letzten in der Hackordnung und müssen deshalb auch unter (!) den anderen Hühnern nächtigen. Sich also unterordnen. Was nichts anderes heißt, als dass sie auf dem Gitterrost kauern, während die Alten huldvoll auf der Stange darüber hocken.

Dieses Volk!

Heute aber habe ich beobachtet, dass ein Neuzugang schon mal ganz interessiert näher gekommen ist, als ich die Alten aus der Hand gefüttert habe. Es ist und bleibt also spannend. Von wegen Hühner sind schlichte Gemüter.

 

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2 Antworten zu “*** Zuwachs in der Villa Huhn ***

  1. Ja, so ein Hühnervolk ist echt interessant. Ich habe sie in meinen Sommerferien bei den Großeltern immer gezähmt 😉 Ich dachte zu Anfang, alle Hühner fressen aus der Hand. Dem war aber nicht so. Am Ende der Ferien hatte ich sie dann aber immer soweit.
    Viel Erfolg mit Eurem Neuzugang 🙂

    • Ja, es ist eine tolle Erfahrung, Hühner als denkende Wesen kennen zu lernen. Und wenn sich unsere Altdamen erst ausgezickt haben und die neue Rangordnung steht, dann ist es auch eine schöne, große, bunte Familie.

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