Tagesarchiv: 27. Oktober 2011

*** Es ist abends . . . ***

Langsam werden die Augen immer kleiner, beim Lesen kommt man nicht mehr voran, die Stricknadel ist mir schon zwei Mal aus der Hand gerutscht.

Wir beschließen, es ist Bettzeit. Stellen die Gläser in die Küche, legen die Decke auf der Couch ordentlich zusammen. Der Hausherr verschwindet schon mal im Bad.

Ich beginne, den Küchentisch leer zu räumen. Das hört der Hausherr. Und als er mit Zahnbürste im Mund aus dem Bad kommt und neugierig guckt, bin ich gerade dabei, eine weitere Platte in unseren Küchentisch einzulegen.

„Warum ziehst Du den Tisch aus?“ Halbverwundertes Staunen.

Naja . . .  pfft . . . es ist wegen der . . . naja . . . pfft . . . wegen der ganzen Aufbauten. Ich rudere mit den Armen als wollte ich die ganze Welt umfassen. Warum muss ich das jetzt erklären?

„. . . der ganzen Aufbauten . . .  ?“ Er will es tatsächlich erklärt haben.

Erneutes weltumamendes Rudern auf meiner Seite . . . naja . . . wegen der AUF-BAU-TEN doch! Ich verdrehe die Augen.

Dann dämmert es ihm. „Ach, DAS meinst Du. Na, du aber auch wieder . . . “ Er lächelt.

Und außerdem, sage ich, brauche ich den Platz für die 49 Kerzen.

„Och, nö! Ich will aber keine 49 Kerzen!“ Dafür geht sogar die Zahnbürste aus dem Mund.

Natürlich! Das gehört dazu! Selbstverständlich kriegst Du 49 Kerzen! Und jetzt geh‘ schon mal hoch ins Bett, ich hab hier noch zu tun.

„Ich will aber keine 49 Kerzen.“ Brummelt er auf dem Weg ins Bett. „Dann stehe ich morgen nicht auf!“

Ich bin kurz vor einem Lachanfall und dekoriere den Tisch schnell mit Tischdecke, Blumen und den vorbereiteten Geschenken. Als ich mich dann auch endlich ins Bett sinken lassen, höre ich aus der anderen Betthälfte erneut: „Ich will aber keine 49 Kerzen. Dann stehe ich morgen nicht auf!“

Ich beuge mich herüber, küsse ihn auf die Nasenspitze. Schlaf gut, Du brauchst keine Angst zu haben, Du bekommst keine 49 Kerzen. „Na, denn ist ja gut“ seufzt der Hausherr und kann nun in Ruhe einschlafen.

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Irgendwann am nächsten Morgen noch vor dem Weckerklingeln fängt mein Gehirn an zu arbeiten. Das tut es manchmal. Also, das Arbeiten VOR dem Weckerklingeln, zu nachtschlafender Zeit also. Und ein kleiner mahnender Zeigefinger klopft sanft an meine Gehirnwindungen und fragt an, ob ich denn Bitte noch einmal nachrechnen könnte . . . Irritiert tue ich das.  Rechne noch einmal nach. Vergleiche mit dem Alter seiner Schwester . . .

oooohhhmmm . . . und halte mir vor Scham die Hände vor die Augen.

Als wenige Minuten später der Wecker klingelt und der Hausherr die Augen öffnet, gratuliere ich ihm zum Geburtstag. Und raune ihm ganz leise ins Ohr. Du brauchst keine Angst zu haben. Es gibt keine 49 Kerzen. Es sind nur 48!

😉

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