*** Früher … ***

Früher als ich klein war und ein Kind, habe ich den Herbst geliebt. Den Herbst mit seinen Farben und Gerüchen. Das leuchtende Rot und Gelb der Bäume und den Landgeruch, wenn die Felder wieder umgepflügt und braun waren.

Aber am meisten habe ich es geliebt, wenn sich mein Vater die Zeit nahm und nur mit mir allein Pilze sammeln ging. Das war schon was. Bei zwei weiteren Geschwistern den Vater mal ganz allein für sich haben dürfen. Ich fand es toll. Wir redeten über alles und nichts, während wir durch den Wald streiften und mit dem Blick den Waldboden nach Pilzen absuchten. Hatten wir einen unbekannten Pilz gefunden, schlug mein Vater das Pilzbuch auf und bestimmte ihn. Spannend das! Am gruseligsten fand ich immer, wenn er einen kleinen Bissen vom Pilz nahm und ihn sorgfältig zerkaute – hmmm, stimmt, ein ganz klein wenig pfeffrig! Ich hatte immer so eine Angst um ihn. Glücklicherweise spuckte er immer alles wieder aus und heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob er dieses Kosten bei wirklich giftigen Pilzen auch praktiziert hätte. Ich war jedenfalls immer schwer beeindruckt.

Und welche wundersamen Pilze wir fanden . . . Violetter Rötelritterling . . . ein ganz hervorragender Speisepilz . . .  las mein Vater im Buch, schnitt ihn vorsichtig ab und legte ihn achtsam in den Korb. Auch wenn wir ihn nie gegessen haben – er wurde von der strengen Qualitätskontrolle zu Haus immer aussortiert, bewundert haben wir ihn jedes Mal, wenn er uns vor die Füße kam.

All diese Erinnerungen kommen jedes Jahr im Herbst wieder hoch. Im Herbst, wenn die Pilzzeit beginnt. Denn auch der Hausherr ist begeisterter Pilzsammler und wir zwei genießen in der Stille des Waldes gemeinsam die Auszeit von Haus und Hof und Arbeit.

Und da wir ja nun kinderlos sind und unsere Zeit glücklicherweise frei einteilen können (arbeiten wir halt nachmittags und abends – na und) können wir auch mitten in der Woche Pilze sammeln gehen. So wie vorgestern . . .

. . . Fortsetzung folgt

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2 Antworten zu “*** Früher … ***

  1. So, wie Du das beschreibst, das Pilzesammeln in der Kindheit, das kenne ich auch, nur war ich mit meinem Opa unterwegs. Bei ihm habe ich gelernt, die guten von den „schlechten“ zu unterscheiden. Später bin ich mit meinem Mann losgezogen. Wir sind beide auch begeisterte Pilzsammler. Allerdings bin ich die Ängstlichere von uns beiden. Was ICH nicht kenne, isst in meinem Haushalt niemand. Unsere Kinder sind auch immer fleißig mit dabei gewesen beim Pilzesammeln. Leider waren wir jetzt lange nicht mehr pilzmäßig unterwegs 😦 Wächst denn schon was? Im Urlaub haben wir kaum was gesehen.

    • Frau Spätlese

      Doch, doch! Es geht schon los mit den Pilzen. Und mit den vielen, vielen Sammlern auch . . . 😉