*** Kaffeeklatsch mit Frau … äh … Mutti ***

Ich habe Euch ja schon erzählt, dass ich ein Paket bekommen habe. Hurra – ein Paket. Ein Paket! Nur für mich  ganz allein. Und nachdem ich nun endlich die Ereignishäufung der letzten Tage überstanden habe, also den Kronsohn erfolgreich umgeschult, den Freitagstexterpokal weitergereicht und meine selbstgemachte Marmelade verlost habe, nun endlich komme ich zum:

Kaffeeklatsch mit Frau … äh … Mutti

Natürlich wurde als allererstes feierlichst das Paket geöffnet. Es war weit gereist und kam von Stefanie aus der Schweiz zu mir. Und damit das Tässchen nicht so allein auf die lange Reise gehen musste (Langeweile ist schließlich grässlich – oder?) wurde ihm als Gesellschaft eine Filztischdecke (Hey, woher wusstest Du, dass beige und rot perfekt in mein Wohnzimmer passen?), lecker Kräutertee (jetzt schon fast alle) und als Krönung obendrauf: Schweizer Schokolade extra für mich mitgegeben. Hmmm. Die habe ich natürlich nach dem ersten Kosten gleich in mein geheimstes Versteck getan (kann ja sein, dass Teilen Spaß machen soll, aber manchmal macht alleine genießen noch viel mehr Spaß!). Und außerdem habe ich zur Zeit auch nix mit Nougat im Haus, so dass mir dieses Roulette erspart bleibt . . . Das grüne Büchlein an der Seite sieht nur von dieser Perspektive so klein aus. In Wirklichkeit geht es kaum noch zu und es enthält jede Menge Lesenswertes und noch viel mehr Überraschungen für Frau … äh … Mutti. da kann sie jetzt schon neugierig sein, wenn denn das Tässchen jemals zu ihr zurückfindet (bei der langen Wunschliste . . .)

Tasse-1-Paket

Tasse-1-Paket

Und nein, ich sag nix zur Größe des Tässchens. Ein Tässchen halt. 😉

Vorsichtig packte ich alles aus, freute mich über die sorgfältige Verpackung, die Geschenke, das Büchlein und befreite das Tässchen aus seinem grünen Schutzbeutelchen und freute mich, wie es sich reckte und streckte und gähnend aus dem langen Transportschlaf erwachte.

‚So, du bist also das Tässchen?‘ begrüßte ich es freundlich. Doch ich hatte noch nicht richtig zu Ende gesprochen, da vernahm ich ein Knurren. Sag nicht Tässchen zu mir. Das kann ich nicht haben. Ich bin eine Tasse. Eine ganz normale Tasse. Also kann man mich auch so anreden. Geht das? und im selben Atemzug: Kann ich einen Kaffee haben bitte? Den bräuchte ich jetzt dringend nach der Reise. Überrascht stellte ich das Tässchen die Tasse auf den Tisch und erholte mich erst einmal von dem Schreck. Eine sprechende Tasse! Dann nahm ich sie hoch, untersuchte sie von allen Seiten. ‚Du kannst sprechen?‘ Natürlich, ich bin schließlich weit gereist, da lernt man so einiges. Krieg ich jetzt meinen Kaffee?.

Tasse bekam natürlich sofort ihren ersten Kaffee und wir verabredeten uns für den nächsten Morgen früh. Ein ganzer langer Tag gemeinsam. Tasse war gespannt, und ich ebenso.

Nächster Tag. Samstag früh, 6:30 Uhr. Der Wecker klingelt. Gnnghgg, ws bridippel, wgf dig. Tasse brummelt irgendetwas Unverständliches und dreht sich auf die andere Seite. ‚Hey, Schlafmütze‘ wecke ich sie etwas energischer: ‚Wir haben eine Menge vor heute. Los heraus aus den Federn.‘ Brummelnd wacht Tase endgültig auf. Es ist Wochenende und es ist mitten in der Nacht. Was zum Teufel tust Du jetzt? ‚Die erste Pflicht des Tages sind die Hühner. Füttern und Stall sauber machen. Gestern noch sagtest Du, Du willst es sehen. Also, auf geht’s!‘ Motivation ist meine Stärke! Eine halbe Stunde später haben die Hühner ihr Futter und der Stall ist sauber – zu zweit geht eben alles viel schneller.  Hey, sagt Tasse, jetzt ist es wieder gemütlich hier. Und stinkt auch nicht mehr. Und jetzt gibt’s Frühstück? ‚Aber nein, als erstes: Hände waschen für mich und Vollbad für Dich! Das ist nach den Tieren eine Pflicht.

Tasse-2-Stall

Tasse-2-Stall

Aber jetzt bekomme ich Frühstück? Tasse ist ganz erwartungsvoll. ‚Aber nein! Jetzt geht es erst zum Spocht!‘ Spocht? SPOCHT? So früh am Morgen noch vor dem Frühstück? Vergiss es! Fast beleidigt wendet Tasse sich ab. ‚Ach komm, sei nicht so. Ganz ohne Spocht geht es nicht, das braucht man zum gesund sein.‘ Freundlich lächle ich Tasse an. Ihr Menschen vielleicht. ICH brauche für meine Gesundheit hauptsächlich zu trinken und ab und zu ein schönes Bad. Geh du ruhig Spocht machen. Aber ich dulde keine Widerrede, packe Tasse kuschelig ein verspreche ihr eine schöne Natur und los geht es. 5 km Rad und dann wird gelaufen. 5 km um den See. Tasse bleibt stur und einfach beharrlich auf der Bank sitzen. Anschließend lasse ich mich verschwitzt und erschöpft neben Tasse auf die Bank fallen. ‚Keuch – So, und jetzt – keuch -geht es ab ins Wasser – keuch.‘ Tasse zieht erschrocken die Augenbrauen hoch. Ich? Ich ins Wasser? Keine 10 Pferde kriegen mich in DAS  Wasser – keuch! Verwundert schaue ich Tasse an: ‚Wieso keuchst Du? Du bist doch gar nicht gelaufen?‘ Pures Mitgefühl antwortet Tasse und meint weiter nun geh schon ins Wasser, ich reich Dir auch das Handtuch – keuch! Ein schelmisches Grinsen zieht ganz kurz über ihr Gesicht.

Tasse-3-Spocht

Tasse-3-Spocht

So, so. Wir haben hier also eine Tasse mit Humor. Dann sind wir aber endlich zurück zu Haus und Tasse freut sich auf Frühstück. Sie beobachtet wie der Tisch mehr und mehr gefüllt wird. Marmeladen, Honig, Wurst, Käse, Rollmops, Milch, Kaffee . . . Und ich, wo soll ich noch hin, da ist ja gar kein Platz mehr für mich? ‚Oh doch! beruhige ich sie: ‚Schau her, das ist extra für dich!‘ Und ehe sie es sich versieht, ist sie mit frischem Wasser und einem kleinen Strauß befüllt.  Was soll das denn? Bin ich eine Vase? Hilfe, wo bin ich hier gelandet? Kann mir mal jemand helfen? Eine Weile blubbert Vase Tasse noch vor sich hin, dann ergibt sie sich in ihr Schicksal.
Tasse-4-Frühstück

Tasse-4-Frühstück

Nach dem Frühstück hilft Tasse abräumen. Und ganz langsam beginnt sie mir den Blumenangriff zu verzeihen. Sie sah ja aber auch wirklich schick aus – oder? Und jetzt, JETZT kriege ich endlich meinen Kaffee? Warte noch einen kleinen Moment. Ich backe noch schnell einen Kuchen und dann habe ich Zeit für Dich.‘

Tasse-5-backen

Tasse-5-backen

Als der Kuchen im Ofen ist, ist der große Moment gekommen. Kaffee für die Tasse. Ich selber hatte ja auch erst 4 Kaffee zum Frühstück. Vermutlich ende ich heute abend mit Hyperaktivitätsschock irgendwo oben an der Decke. Aber was tut man nicht alles für seine Gäste . . .  Ach komm hör auf zu jammern und setze dich raus in die Sonne. Schön hast Du das hier. Lass uns das mal genießen.

Tasse-6-Kaffee

Tasse-6-Kaffee

Nachdem ich meinen Eimer die Tasse ausgetrunken habe, Mittag gekocht und mit der Familie gegessen habe, mache ich Tasse darauf aufmerksam, dass uns noch der Küchenabwasch bevorsteht. Oh menno, jetzt war es aber grad so schön gemütlich. Kannst Du nicht mal ein bisschen Urlaub machen? Tasse kommt lustlos mit in die Küche. Guck mal, ich kann gar nicht abtrocknen, ich hab nämlich gar keine Hände! Aber auf den Trick falle  ich nicht herein, ratz fatz hat Tasse ein Geschirrtuch um den Henkel und wir machen aus diesem gruseligen Anblick hier:

Tasse-7-Küche

Tasse-7-Küche

ruck zuck wieder ein ansehnliche Küche.

Müssen alle Gäste bei Dir arbeiten? Tasse mosert mich an. ‚Nein‘ überlege ich laut ‚Eigentlich nur die, die länger bleiben und somit quasi zur Familie gehören. Also solche wie Du.‘ Jetzt darf ich sie verschmitzt angrinsen. ‚Aber wenn wir Besuch haben, lassen wir uns auch immer etwas Besonderes einfallen. Schon mal Bier getrunken?‘ Tasse schüttelt ängstlich den Kopf. ‚Na macht nix, irgendwann ist immer das erste Mal.‘

Es geht gegen Abend und wir machen es uns an der Feuerschale gemütlich. Und zur Feuerschale gehört natürlich ein Bier.

Tasse-8-Feuer

Tasse-8-Feuer

Hicks, Tasse hält verlegen die Hand vor’s Gesicht. Ssschttimmmt, Feuerschale ist gemütlich. Rück mich mal noch ein bisschen dichter ran, es ist so kuschelig. ‚Pass bloß auf deine Glasur auf‘ ermahne ich sie, aber tue ihr den Gefallen. Der Kronsohn ist eifrig mit Nachlegen beschäftigt und der Hausherr und ich – wir freuen uns einfach, dass Kind und Tasse glücklich sind.

Dann habe ich noch eine Aufgabe für Tasse und mich. Wir müssen noch Johannisbeeren pflücken. Es sind eigentlich die letzten, aber wir wollen noch einmal unseren besonderen Saft machen. Und wenn wir es nicht jetzt tun . . . dann sind Spatzen und Wetter schneller und die Johannisbeeren verloren. AArrgghh höre ich Tasse schreien. Igitt, hier sind Mücken. Mücken ohne Ende. ‚Ja aber, vor denen brauchst DU doch keine Angst haben‘.  Beschwichtigend zeige ich Tasse meine Arme, an denen sich zwischenzeitlich Mückenstich an Mückenstich reiht. Aber ich kann dieses Sirren nicht haben. Das macht mich wahnsinnig. Tasse gibt nicht nach.  Trotzdem hilft sie tapfer zu Ende pflücken.

Tasse-9-pflücken

Tasse-9-pflücken

‚So, und als Belohnung gibt es jetzt ein paar dieser schönen Beeren gemeinsam mit Vanillejoghurt.‘ Ich beginne die gewaschenen Beeren in Tasse einzufüllen. Ein lautes Aaaarrghh – igitt – was ist das denn? unterbricht mich. Hey, wie sauer ist das denn? Nimm es raus, nimm es raus! NIMM! ES! RAUS! Jetzt wird Tasse aber energisch. Also gut. Irritiert fülle ich das Kompott in ein Schälchen um und Tasse darf zu gucken. ‚Na du bist ja vielleicht zimperlich. Du hast nämlich schlichtweg keine Ahnung. Das ist o-ber-lek-ker!‘ Genüsslich stecke ich mir einen Löffel voll davon in den Mund. Ich weiß ja nicht, wovon DU eine Ahnung haben willst. ICH finde das einfach nur sauer. Brrr. Aber iss ruhig. Jeder muss wissen, was er tut. Tasse rückt sicherheitshalber einige Zentimeter ab.

Tasse-10-Beeren

Tasse-10-Beeren

‚Und was möchtest Du als Nächstes tun?‘ Ich gucke Tasse nach dem Abendbrot erwartungsvoll an. Schließlich ist der Kronsohn gerade erst im Bett verwschwunden und es ist ein schöner sonniger Abend. Ich . . . ähem . . . bin eigentlich nur müde. Nur müüühhhdee . . . Tasse gähnt hingebungsvoll und guckt mich aus ganz kleinen Augen schläfrig an.  ‚Ich könnte fast Mitleid mit Dir haben, weißt Du?‘ Aber das hört sie schon gar nicht mehr, sie ist schon eingeschlafen . . .

Tasse-11-müde

Tasse-11-müde

So, und nun steht sie (herrlich ausgeschlafen, frisch gebadet und mit neuer Fönfrisur auf meinem Schreibtisch und guckt erwartungsvoll, wie ich das Paket packe. Au fein, jetzt geht’s in die Karibik. ‚Entschuldigung, aber wie bitte kommst Du darauf? Es geht natürlich NICHT in die Karibik. Pfft.‘ Ich schüttle erstaunt den Kopf über Tasses Ideen. Oh doch bitte, da wollte ich schon immer mal hin. Bitte, bitte, bitte bitte! Karibik. Tasse guckt mich aus großen treuen Augen an. ‚Nein, nein. Es geht weiter hier in Deutschland. Ich weiß auch schon wohin. Aber psst, nichts verraten.‘ Ich gucke Tasse ganz verschwörerisch an. Karibik? fragt sie ganz ganz leise?

Nein, Deutschland und damit Basta.

Danke, Frau … äh … Mutti für die tolle Idee mit dem virtuellen Kaffeekränzchen.

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20 Antworten zu “*** Kaffeeklatsch mit Frau … äh … Mutti ***

  1. Toll 🙂
    Ich verfolge den Tassenweg so gerne – schön, dass sie nun bei Dir war!
    LG Tina

  2. Super geschrieben! Ich war grad richtig mit dabei – klasse! Arme Tasse – so früh aufstehen und dann gleich Action 😉

  3. Wie klasse ist das denn bitte! So eine schöne Geschichte von und mit dem Tässchen ähm der Tasse!

    Bin ja echt gespannt wann die mal bei mir aufschlägt ….

    LG Katrin

  4. Oh, das war aber eine tolle Station für die Tasse!

  5. Super, Deine Tassengeschichte! Gefällt mir 🙂

  6. Wow, das war eine ganz wunderbare Geschichte!!! Und tolle Fotos!

  7. DAS gefällt mir. Ich bin immer wieder aufs angenehmste überrascht, wie viel Kreativität das Tässchen weckt. Das setz Maßstäbe je länger sie unterwegs ist 🙂 Toll gemacht!

  8. Herrlich geschrieben, ganz wunderbar *lach*, da hatte die Tasse aber einen schönen Tag!! Vielleicht sollte ich mich auch auf die Liste setzen, ganz ans Ende, ich könnte sie dann nach „Hause“ tragen, weil nicht wirklich weit weg von Frau …äh.. Mutti wohnhaft. So verfolge ich mal noch ein bisschen den Weg ;-D

  9. Der beste Tassenbericht, den ich bislang gelesen habe und vor allem bin ich nun schon vorbereitet, wenn sie bei mir irgendwann eintreffen sollte, denn nun weiß ich ja, dass sie REDEN kann.

  10. Großartig geschrieben :)))))))

    Herzlichen Dank für diese nette Unterhaltung am Freitagmittag,
    Frau Mena.

  11. Was für eine zauberhafte Story.
    So macht das Tasse-Bewundern richtig Freude.
    Du hast das so spannend aufbereitet, wundervoll.
    Liebe Grüße
    minibar

  12. Wow – ich lach mich schlapp – eine ganz ganz tolle Story über das Tässchen – ups, die Tasse *gg*

  13. Tolle Tasse-Reisegeschichte – vielen Dank!

  14. …weil ich den Weg der Tasse verfolge, liebe Frau Spätlese, bin ich zu deinem Blog gekommen und habe mich sehr an der Tassengeschichte erfreut…das hast du so toll gemacht und geschrieben…ein Lesevegnügen.
    Jetzt habe ich mich hier ein bißchen umgesehen und bin auf den Freitagstexter gestoßen, eine tolle Idee…geh gleich mal nachverfolgen, wo er heute ist…

    viele Grüße von Birgitt

  15. *hihi*
    Liebe Frau Spätlese
    Ich komme aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus. Eine sehr schöne Tassengeschichte. Wenn das Tässchen noch mehr so spannende Dinge erlebt hat, dann wird Frau…äh…Mutti sich aber freuen, was die alles zu erzählen hat ;o)
    Ich bin gespannt wohin das Tässchen weiterreist… und schaue mich jetzt auf deinem Blog noch ein wenig um.

    Liebe Grüße, Fabulatoria

  16. Eine wunderschöne Geschichte…hab mich köstlich amüsiert! Bravo! 🙂

    LG
    Kate

  17. Eine wunderbare Tassengeschichte!! Vielen Dank dafür!

  18. Toll, was man bei Dir als Tasse alles so erleben kann 😀

  19. Pingback: Frau … äh … Mutti » Archiv » Hoch die Tasse LIV

  20. Was für ein schöööner Tag fürs Tässchen!!!! Ich würd glatt mit dem Tässchen in die Karibik fliegen!! Falls du es dir also anders überlegst 😉

    LG karo

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