*** Schulstart ***

Die 6 Wochen Ferien vergingen wie im Flug. Viel zu schnell.

Und gestern war es dann soweit. Der erste Schultag. Nun sind nach 6 Jahren Schulerfahrung erste Schultage nichts wirklich Neues mehr. Aber dieser, dieser Schulanfang war etwas Besonderes.

All die Jahre hatten wir den Kronsohn integrativ beschulen lassen. Zuerst an der Grundschule am Ort, dann an der Regionalen Schule. Es war ein Kampf für uns alle. Nicht speziell ausgebildete Lehrer, ohne begleitende Beratung durch eine Förderschule. Mit abfotografierten Tafelbildern haben wir nachmittags versucht, den Schulstoff so halbwegs aufzuarbeiten, dass wir Hausaufgaben machen und für Leistungskontrollen lernen konnten. Wenn ich sage wir, dann meine ich wir. 1:1 Betreuung jeden Nachmittag. Kaum Freizeit für den Kronsohn.

Nach der 6. Klasse haben wir drei festgestellt, wir können nicht mehr. Das Prinzip Integration, oder sogar ‚Inklusion’ wie es der Gesetzgeber nennt – fehlgeschlagen. Das Geld für Förderschulen einsparen aber nicht gleichzeitig für die Ausbildung und Unterstützung der Lehrer vor Ort ausgeben zu wollen – weder personell noch materiell – so kann Integration nicht funktionieren. Wie soll ein normaler Lehrer selbst mit ‚nur’ 20 Schülern in der Klasse ohne Unterstützung einem sehbehinderten Schüler den Schulstoff so rüberbringen, dass bei diesem auch tatsächlich alles ankommt und die anderen 19 nicht unterfordert werden? Und ich rede hierbei noch gar nicht von den Experimenten in Physik, Biologie oder sogar Chemie.

Wir haben jahrelang versucht, diese Integration hinzubekommen. Jetzt haben wir aufgegeben. Ob dieser Kampf zu lange währte, ob wir dadurch schon einiges kaputt gemacht haben? Wäre es besser gewesen, schon früher die Schule zu wechseln? Wir wissen es nicht.

Jetzt besucht unser Sohn eine spezielle Sehbehindertenschule mit angeschlossenem Internat. 9 Kinder in seiner Klasse. Wir hoffen, dass er sich dort gut fühlt, dass ihm dass Lernen dort Freude macht, dass es ihn voranbringt. Die Aufnahme im Internat am Sonntag war freundlich, herzlich. Die Betreuer liebevoll. Wir haben ihm sein Zimmerchen eingeräumt und versucht, es so gemütlich und persönlich zu machen wie möglich.

Jetzt hat er den ersten Schultag dort hinter sich, kennt seinen Stundenplan. Er wird viel zu berichten haben am Freitag, wenn er das erste Mal von dort nach Hause kommt.

Uns fehlt er hier schon jetzt.

Mut macht mir an dieser Stelle, was unser Sohn als letzten Satz in sein Ferientagebuch schrieb:

14. August 2011: Heute sind die Ferien zu Ende und wir fahren ins Internat. Neue Schule, neues Glück.

Drücken wir ihm die Daumen.

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6 Antworten zu “*** Schulstart ***

  1. *schluck* Das war bestimmt fürchterlich für euch …oh Mann ! Da wird mir ja als völlig unbeteiligtem Mitleser schon ganz schwummerig…
    Aber in der 7. ist man ja schon GROSS ! Da schafft man das ! Bestimmt !!
    Und ihr auch !
    (Am besten, du verziehst dich mit Taschentüchern, Schokolade und den alten „Hanni und Nanni“Büchern ins Bett und frischt noch mal das Internatfeeling auf)

    LG Annette

    • Du hast Recht – er ist tatsächlich schon ganz schön groß. Und ich hab‘ ne Menge Taschentücher. Aber Schokolade ist auch eine gute Idee. Jetzt schreib ich ihm erst einmal einen Brief und heute abend rufen wir ihn an und Freitag haben wir ihn schon wieder zu Haus. Da hilft nur: Kopf hoch!
      *schluchz*

  2. Oh je, du Arme. Ist sicher nicht leicht. Einerseits. Aber andererseits ist er jetzt auf einer Schule, die ihm wirklich was bringt und das ist doch Gold wert! Meine Freundin war auch auf einer Sehbehindertenschule und ich war immer ganz neidisch. Schon alleine das Lehrer-Schüler-Verhältnis war immer zum Neidischwerden. Und vom Stoff her waren die immer viel umfangreicher informiert als wir anderen. Die Umstellung packt ihr sicher, wär doch gelacht! und bald sind ja wieder Ferien

    • Ach, Du hast ja recht! Man hofft ja immer das Beste. Aber es ist halt eine erhebliche Umstellung – hauptsächlich natürlich für ihn! *schnelleontränchenwegwisch*

  3. Ich drücke auch ganz doll die Daumen, dass sich alles richtet. Wenn man liest, was Du schreibst, denke ich, dass Ihr eine gute Lösung gefunden habt. Der Sohnemann selbst war ja doch ganz optimistisch. Ihr packt das ganz sicher!

    • Das hoffen wir auch! Er ist schon ein großer. Und ein paar Erfolgserlebnisse kann er ganz unbedingt gebrauchen.

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