Tagesarchiv: 16. August 2011

*** Schulstart ***

Die 6 Wochen Ferien vergingen wie im Flug. Viel zu schnell.

Und gestern war es dann soweit. Der erste Schultag. Nun sind nach 6 Jahren Schulerfahrung erste Schultage nichts wirklich Neues mehr. Aber dieser, dieser Schulanfang war etwas Besonderes.

All die Jahre hatten wir den Kronsohn integrativ beschulen lassen. Zuerst an der Grundschule am Ort, dann an der Regionalen Schule. Es war ein Kampf für uns alle. Nicht speziell ausgebildete Lehrer, ohne begleitende Beratung durch eine Förderschule. Mit abfotografierten Tafelbildern haben wir nachmittags versucht, den Schulstoff so halbwegs aufzuarbeiten, dass wir Hausaufgaben machen und für Leistungskontrollen lernen konnten. Wenn ich sage wir, dann meine ich wir. 1:1 Betreuung jeden Nachmittag. Kaum Freizeit für den Kronsohn.

Nach der 6. Klasse haben wir drei festgestellt, wir können nicht mehr. Das Prinzip Integration, oder sogar ‚Inklusion’ wie es der Gesetzgeber nennt – fehlgeschlagen. Das Geld für Förderschulen einsparen aber nicht gleichzeitig für die Ausbildung und Unterstützung der Lehrer vor Ort ausgeben zu wollen – weder personell noch materiell – so kann Integration nicht funktionieren. Wie soll ein normaler Lehrer selbst mit ‚nur’ 20 Schülern in der Klasse ohne Unterstützung einem sehbehinderten Schüler den Schulstoff so rüberbringen, dass bei diesem auch tatsächlich alles ankommt und die anderen 19 nicht unterfordert werden? Und ich rede hierbei noch gar nicht von den Experimenten in Physik, Biologie oder sogar Chemie.

Wir haben jahrelang versucht, diese Integration hinzubekommen. Jetzt haben wir aufgegeben. Ob dieser Kampf zu lange währte, ob wir dadurch schon einiges kaputt gemacht haben? Wäre es besser gewesen, schon früher die Schule zu wechseln? Wir wissen es nicht.

Jetzt besucht unser Sohn eine spezielle Sehbehindertenschule mit angeschlossenem Internat. 9 Kinder in seiner Klasse. Wir hoffen, dass er sich dort gut fühlt, dass ihm dass Lernen dort Freude macht, dass es ihn voranbringt. Die Aufnahme im Internat am Sonntag war freundlich, herzlich. Die Betreuer liebevoll. Wir haben ihm sein Zimmerchen eingeräumt und versucht, es so gemütlich und persönlich zu machen wie möglich.

Jetzt hat er den ersten Schultag dort hinter sich, kennt seinen Stundenplan. Er wird viel zu berichten haben am Freitag, wenn er das erste Mal von dort nach Hause kommt.

Uns fehlt er hier schon jetzt.

Mut macht mir an dieser Stelle, was unser Sohn als letzten Satz in sein Ferientagebuch schrieb:

14. August 2011: Heute sind die Ferien zu Ende und wir fahren ins Internat. Neue Schule, neues Glück.

Drücken wir ihm die Daumen.

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